Ich bin in Berlin 20. Februar 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gereist.Tags: Bayern, Berlin, Eis, Freundschaft, Gespräch, Gewohnheit, Jeans, Kastanienallee, Kneipe, Langeweile, München, Menschen, Offenheit, Raum, Reisen, Tagebuch, Tinte, unterwegs
trackback
In der Kastanienallee. Furchtbar. Da reist man so weit, und München holt einen doch wieder ein. Hier ist es nur noch ein bißchen langweiliger, weil die Bayern aus dem Umland die ihre Berge vermissen, fehlen. Wo sind sie, die Mecklenburger und ihr Seenplattenheimweh, die ich sonst immer hier getroffen habe? Überall, nur nicht im Prenzlauerberg wahrscheinlich. Früher gab es ja mal die Trennliene Torstaße nördlich derer die rosa Altbauten noch nicht rumwucherten, aber das ist VORBEI.
Und dann ist da noch etwas Merkwürdiges: Ich genieße es nicht mehr, S-Bahn zufahren. Ich weiß nicht warum. Das war immer eines der schönsten Dinge hier für mich. U-Bahnfahern über der Erde auch. Da war ich sogar glücklich, wenn ich unglücklich war. Das ist vollkommen verpufft. Es berührt mich nicht mehr.
Ich bin anders geworden.
Und dann passieren noch viele andere Dinge. Meine Eltern quartieren mich virtuell immer wieder ein uns aus, da war ich nicht ein einziges Mal bisher, alle anderen laden mich ein, meine Cousine rät mir, gar nicht zu meinen Eltern zu gehen außer vielleicht zum Kaffee, ich würde so gerne wenigsten meine bunten Tintenfäßchen, meine Israel-Schlag-Jeans (ich habe beschlossen, daß ich Schlaghosen jetzt einfach wieder trage, Röhre hin oder her), meine Klarinette und Streichhölzer mitnehmen.
Außerdem fiel mir gestern in einer Kneipe in der Freunde von mir lasen beim Abschlusslied ein Bild auf den Kopf. Eine fremde Frau brachte mir Eiswürfel, und ich saß auf dem Sofa und kühlte meine Beule, und meine Freunde saßen zwei Tische weiter. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich war ohnehin traurig über ein Telefongespräch mit einer erneuten Ausquartierung meiner Mutter und war eh der Überzeugung, daß mich niemand mag, sonst hätte vielleicht ich mich rübergesetzt. Ich bin dann gegangen. Heute habe ich es immerhin vor zwölf geschafft, mir die Frage ob mich überhaupt jemand mag gar nicht mehr zu stellen. Das Bewusstsein daß mein Wert überhaupt nicht davon abhängt und daß auch keines anderen Menschen Wert davon abhängt wie die Leute ihn behandeln, weil wir eben MENSCHEN sind und nicht nur Spielfiguren, StudiVZ-Profile, Gruppendynamiktrainingsteilnehmer, hat sich einfach wieder eingestellt. Ich mußte nichts dafür tun. Es war stärker. Ich bin also schon lange genug von meiner Familie weg, daß sich die Gewohnheit meines richtigen Lebens über die Gewohnheiten meines alten Lebens gelegt hat. Und auf diese Gewohnheiten kommt es, Vernunft hin, Vorstätze her, an. Und sie können sich ändern. Trotzdem wünsche ich mir einen Platz in meiner Familie, offene Arme, und das können meine Freunde mir nicht geben, auch nicht mit allen offenen Armen, mit all der Zeit, dem Essen, den guten, interessanten Gesprächen, die sie mir schenken.
Ich bin 27. Ich war lange unabhängig davon wie meine Familie mich behandelt. Aber ich habe zu gemacht. Wenn ich weiter offen bin, bleibe ich verletzlich und unglücklich und vielleicht nicht altersgemäß. Wenn ich mich verschließe, bin ich wieder stark und fröhlich und patent, aber es wird sich nie etwas ändern, ich werde nie einen Platz in meiner Familie haben, wenn nicht mal ich ihn mir wünsche.
Ach, ich kenns so gut. Das Sich-fremd-fühlen, die Selbstzweifel und alles. Und ich bin genauso ratlos wie du. *seufz*