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Vielleicht, 8. Mai 2008

Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen.
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vielleicht wird ja noch alles gut. Das ist schon etwas besser. Es ist so ein wunderschöner Frühling. Wenn ich mit dem Fahrrad an der Isar entlangfahre, bricht über mir und von allen Seiten das Grün auf mich herein, aufeinander zu, in den unterschiedlichen Farbtönen die das Licht hervorruft je nach Art des Baumes und der Dichte der Blätter und der Spiegelung im Wasser und dem Zug der Wolken.

Ich fahre durch die Stadt. Sie ist so klein. Sie ist so vertraut. Ich weiß wo alles ist – ich weiß wo ich bin und ich finde je mehr ich suche: Eine gute Ärztin. Einen Buchladen der all das schon da hat, was ich nur bestellen wollen könnte. Meine Freundin Ve wohnt über die Brücke.

Früh am Himmelfahrtstag rief sie an um mich zu fragen wohin ich in die Kirche gehe. Dann waren wir in St. Maximilian, ich das erste mal seit einem Jahr wieder. Das ist diese große, eckige (neo-romanische) Kirche, die man von überallher an der Isar sieht, südlich des Deutschen Museums. Danach waren wir Kakao trinken, Spazieren im Viertel , in einem Café Mittagessen, an der Isar. Sie kennt die Gegend noch besser als ich, und ich entdecke immer mehr. Und bin viel an der Isar. Zumindest am Ufer. Aber immer noch zu wenig.

Es ist so viel passiert an diesen Tagen. Da war eine Fortbildung, und da war wieder unglaublich viel Nähe zu JN, die sich wieder (unglaublicherweise) nicht in Kontakt umgegossen hat, nur in ein paar sms und emails, aber ob wir uns je mal treffen werden? Ich meine, so … Aber es hat mich trotzdem sehr glücklich gemacht. Das ist das Komische mit ihm. Ich könnte im Moment nicht mal sagen, ob ich verliebt in ihn bin, mit dem ganzen Chaos in der Hinsicht in dem ich mich momentan befinde, aber in seiner Gegenwart bin ich immer glücklich. Und je mehr ich ihn kennen lerne, desto mehr mag ich ihn. Und das schon seit eineinhalb Jahren. Er hat immer nur Fernbeziehungen gehabt. Er steuert das immer genau so hin, daß es sich wieder so ergibt, obwohl er es nicht bewusst will. Ich will nicht sagen, daß ich überhaupt je eine Chance bei ihm habe, aber vielleicht (siehe Überschrift) ergibt sich etwas, wenn er im Sommer ins Ausland geht.

An diesem Himmelfahrtstag habe ich einen Brief angefangen, der der längste wurde, den ich bis jetzt geschrieben habe (vierzig Seiten). Er ging an K, der mich ja schon kennt seit ich Kind bin. Wir erzählen und erklären uns gerade in Briefen und emails (er auch in sms) unser Leben, und das ist sehr berührend.

Meine Freunde haben das meiste ja miterlebt, und ich habe mein Leben immer zeitnah erzählt – und schon lange nicht mehr alles so zusammengeschaut. Es ist besonders, das alles neu einzuordnen, zu werten, in Beziehung zu setzen – jemandem gegenüber, der mich schon so lange und auch meine Familie kennt, und ich seine, natürlich. Auch wenn es mir manchmal Angst macht weil es so nah ist.

Die Fortbildung war übrigens über Systemisches Arbeiten. Ich bin öfter rausgegangen, um zu weinen. Und danach habe ich furchtbar viel für meine inzwischen fünf Professoren gearbeitet. Unianfang und alle wollen gleichzeitig etwas. Und ich frage mich, was das eigentlich alles für einen Sinn macht. Es ist schon ein einigermaßen befriedigendes Gefühl nach einem Tag umgeben von Newmanwerken die richtigen Stellen für die Neuveröffentlichung auf Englisch gefunden zu haben, aber draußen blühen die Kastanien – und das ist auch meine temporäre Lösung: Ich arbeite und versuche die Zeiten dazwischen mit so viel wie möglich Fahrradfahren durch München zu füllen. Es ist für jetzt genug Sinn. Und ansonsten lebe ich für ein Vielleicht.

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