Ein anderes Semester. 28. Oktober 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gefragt, gelebt.Tags: Wetter, dunkel, München, Tram, Träume, Menschen, Deutschlandradio, Gedanken, Kastanien, sortieren, Berlin, Herbst, Vertrauen, dunkel-bunt, langsam, Ella Fitzgerald, Kürbissuppe, Norden, nasskalt, Kürbisse, Bettdecke, Strumpfhosen, spazieren, Entdeckungsreise, Älterwerden, Enttäuschung, Erfüllung, trauma, Heimat
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In jeder Hinsicht. Anders sogar vom Wetter. Dieser Herbst ist kein Kürbissuppenherbst und kein Ellafitzgerald-trompeten-Herbst, nur das Tramfahren ist gleichgeblieben. Gestern hat es nicht geregnet, und ich habe es kaum augehalten ohne das sanfte Tropfen. Es ist ein Herbst wie früher, im Norden, wo ich aufgewachsen bin, nasskalt, nicht voller Unternehmungen, Hirsche streicheln, Kastanien sammeln, buntgekleidet Kürbisse zerhacken, als währe der Sommer ewig. Im Bett, unter der Bettdecke lesen, nachdenken, schreiben, weinen, träumen, Radio hören. Und unzählige Stunden innen irgendwo sitzen, vor der Kälte fliehen, Warmes trinken, mit anderen. Oder Spazieren gehen, dick eingepackt. Und ins Kino. Keinen Sommer feiern mit Strumpfhosen. In der Dunkelheit und Kälte auf Entdeckungsreise gehen für das was im Sommer nicht zu sehen ist.
Ich erlaube mir langsam zu sein, aber es wirft mich für Tage aus der Bahn wenn andere mir das nicht erlauben.
Ich erinnere mich, immer mehr, das bringt das Älterwerden – vieles was ich jetzt mache, erinnert mich an gute Zeiten in meinem Leben. Es ist wie ankommen in der Zeit als ich meine Heimatstadt noch nicht verlassen hatte und noch nicht enttäuscht wurde davon daß meine Träume nicht in Erfüllung gehen.
Und ja, ich war heute bei der Traumambulanz. Vor zweieinhalb Jahren, als ich B wieder getroffen hatte und danach wochenlang nichts mehr gefühlt hatte, hat mir jemand die Adresse gegeben. Dann war die Diplomarbeit, die Venezuelareise, die Wohnungssuche, die Zeit ohne Wohnung, der Umzug, und in meinem jetzigen Zimmer so viel Neues. Ich habe mein Leben in Ordnung gebracht und unheimlich viel gemacht. Aber jetzt, wo ich stille sitzen muß und nur am Schreibtisch schreibe, kann ich nicht mehr so viel machen daß ich abgelenkt genug wäre.
Es ist alles gut und wunderschön in meinem Leben, und das reicht nicht. Ich dachte diesen Sommer, B wäre vorbei und ich käme damit klar, dreieinhalb Jahre später. Aber vielleicht ist es deswegen jetzt an der Zeit, etwas zu machen.
Es fällt mir schwer zu vertrauen seitdem, und das macht mich einsam. Und unter dieser Einsamkeit leide ich, jetzt, da alles andere in Ordnung ist. Es gibt viele Menschen, die mich mögen. Merkwürdigerweise lerne ich zur Zeit ständig neue Menschen kennen.
Diese Frage stelle ich mir nicht mehr.
Vielleicht dachte ich immer, ich müßte Dinge in meinem Leben ändern, damit ich glücklich bin. Aber jetzt ist alles so, wie es besser nicht sein kann. Und natürlich: Ich brauche neue Träume. Ich brauche Wünsche. Aber eigentlich wünsche ich mir vor allem Nähe.
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