Wir leben in luxuriösen Zeiten. 30. November 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, gedacht, gelesen, im Regal.Tags: Antiquariat, Bücher, Bücherregal, Bücherstapel, Bücherwagen, Berlin, Beschreiben, Buchrücken, Einsamkeit, Erfahrungen, Erinnerung, Erzählen, Farben, Fensterbrett, Fitzgerald, Flohmarkt, gute Stube, Kindheit, Klassiker, Landschaft, Leben, Lesen, Licht, Literatur, Luxus, Mahagoni, München, Momente, Nachttisch, Nollendorfplatz, Phantasie, Prunksammelbände, Regal, Roman, schwarzer Tee, Stimmung, Tür, These, Tram, Welt, Zärtlich ist die Nacht, ZEIT
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Zumindest dieser hier, München, ist ein luxuriöser Ort: Auf dem Weg von der Universität zur Straßenbahnhaltestelle komme ich an fünf Antiquariaten vorbei, die ihren Auswurf oder aber auch ihre Teaser draußen in Papp- oder Obstkisten auf die Straße stellen: Bücher, in denen vorne mit Bleistift neben den alten Eigentümernamen in Kugelschreiberschrift „1 €“ oder „2 €“ steht. Manchmal bleibe ich dort stehen. Ich kann nicht genau beschreiben, warum, oder in welcher Stimmung, obwohl es eine bestimmte Stimmung ist. Ein bißchen vielleicht Kindheitserinnerungen an Flohmarktbesuche an der Straße des 17. Juni, die Antiquariate am Nollendorfplatz, die Langeweile im Haus meiner Großeltern in Westdeutschland, wenn ich mich nachts heimlich in die gute Stube schlich, die ich eigentlich nicht betreten durfte, um aus der verglasten Mahagonivitrine Schiller oder zu Shakespeare auszuleihen, Prunksammelbände, die ich nicht anrühren durfte, die ich aber als Zwölfjährige trotzdem als Bücher betrachtete, Erinnerungen an den Bücherwagen im Krankenhaus in dem ich zwei Monate lag als ich neun war, an Bücherregalen in fremden Wohnungen vor denen ich stehe und versuche, mir vorzustellen, was die Erfahrungen des Bewohnenden waren, die seine Phantasie geprägt haben.
Ich stehe vor diesen Kisten und gucke auf die aneinandergereihten Buchrücken wie auf ein Regal von oben. Die billigen Bücher sind: Klassiker, Bücher die jeder hat, Utta Danella, Verschwörungstheorien, Naturphilosophieesoterik aus den 70ern wie Teillard de Jardin.
Mein Weg von diesen Bücherläden zur Tram sind noch zwei Blöcke, ich muß dann nicht mehr umsteigen, sondern kann den Bücherstapel auf meinem Schoß ausbalancieren, darum komme ich manchmal mit zehn Büchern aus diesen Läden. Es sind Bücher, die ich aus der Bücherei ausgeliehen hatte als ich sie gelesen hatte und gut fand und darum gerne hätte wie Marías’ Mein Herz so weiß, Bücher, die ich in Auszügen kopiert im Seminar gelesen habe und weiterlesen wollte wie Foucaults Sexualität und Wahrheit und Autorennamen, die ich irgendwo in meinem Gedächtnis gespeichert habe unter: Sie haben Menschen interessiert, die ich schätze: Turgenjew, Fitzgerald.
Diese Bücher liegen dann in Stapeln auf meinem Fensterbrett. Oder Nachttisch. Ein Stapel liegt auch manchmal in meinem Bett, am Holz des Kopfendes entlang aufgestapelt. Dafür nützt ein breites Bett. Fitzgeralds Zärtlich ist die Nacht lag über zwei Jahre im Unterteil meines Nachttisches.
Dieser Nachttisch stand vor einem Antiquariat in der Eisenacher Straße. Er ist ein alter Telefontisch. Das heißt, er hat eine Oberfläche, die eine kleine Reling aus Holz hat, mit kleinen gedrechselten Säulchen die sie halten, darunter eine Schublade mit Messinggriff, und darunter vier lange gedrechselte Säulen, die zu einer Unterfläche führen, von allen Seiten dieses Fach oder vielmehr dieser Raum eingreifbar, perfekt für einen Bücherstapel. Ich wußte damals schon, daß mein Nachttisch Kapazität für einen Bücherstapel braucht, und vielleicht erinnerte mich das Mahagoni auch an die gute Stube meiner Großeltern, sodaß ich die 16 € im Laden bezahlte, den Tisch unter den Arm klemmte und mit nach Hause nahm.
Dort lag nun der Roman von Fitzgerald. Fitzgerald war für mich ein Name, er hieß: Berühmt. Zwanziger. Weltliteratur aber nicht unvermeidlich. Great Gatsby war das Einzige was ich von ihm kannte.
Aktuell sind dem Prinzip Stapel noch unterworfen Bücher von Kenzaburo Oe, Antje Ravic Strubel, Gesine Schwan, Goethe, Daniel Alarcon, Tucholsky, Walser, Lenz, Jurek Becker, D. H Lawrence, noch ein Fitzgerald, Andreas Maier, J. P. Jacobson, Pamuk, David Mitchell.
Die meisten dieser Bücher sind auf dem Stapel überhaupt erst gelandet, weil ich mehrere Werke des Autors/der Autorin mochte. Ein paar sind auch Geschenke, die ich selbst nicht erworben hätte.
Damit spreche ich eigentlich gegen meine These, die mir durch den Kopf ging und mich zu diesem Titel gebracht hat: Der Gedanke entspann sich folgendermaßen (während ich mit einer Tasse Tee auf meinem Boden saß, daß ZEIT-Literaturmagazin aus dem Papiermüll zog in das ich es unbesehen verfrachtet hatte und doch einen guten Artikel (über Irène Némirovsky) fand und meinen Nachttisch betrachtete): Ich erinnerte mich an den letzten Winter in dem ich einsam war und darum, nur wegen dieses Gefühls und des Titels, anfing, Zärtlich ist die Nacht zu lesen. In der Einsamkeit und Verzweiflung des letzten Winters gab es plötzlich eine Tür die in ein anderes Zimmer ging. In diesem Zimmer, das dem ähnlich war, in dem ich las, war ich Teil einer Welt die beschreibbar war. In dieser Welt hatte ich Gefühle. Die Luft über der Landschaft war farbig. Ich litt unter den Fehlern, der Oberflächlichkeit, den Schmerzen, den inneren Zwängen der Charaktere. Diese Welt war nicht anders als unsere, aber sie war versehen mit Gefühlen. Das Erlebnis einer bestimmten Landschaft in einem bestimmten Licht, einer Stimmung auf einer Reisestrecke, einer gemeinsam verbrachten Zeit kennt jeder, und dieser Autor weckt und beschwört und erzeugt diese Gefühle, und zwar aneinandergereiht, während sie, zumindest in meinem Leben, unterbrochen sind von anderen Dingen. Von anderen Dingen, die im Nachhinein oft Nahrung für diese Gefühle sind aber sie nicht unmittelbar mit sich führen.
Mir kam nun, eben, auf dem Boden, der Gedanke, wie es früher war, an Bücher zu kommen: Sehr viel früher. Ganz früher war es fast unmöglich. Früher, im 18. Jahrhundert – im 19., im Krieg, in der Nachkriegszeit, und all die Beschreibungen von Autoren, wie sie Bücher suchten, stibitzten, sich mit ihnen in den Falten von Vorhängen versteckten (Brontë) kamen mir in den Sinn.
In unseren Zeiten liegen diese Bücher, die uns auf etwas stoßen, einfach so in Kisten aus. Auf dieses eine Buch folgte ein Dutzend weiterer Fitzgeraldbücher, ich hörte einfach nicht mehr auf.
Wie einfach, ein Buch, von dem man gehört hat, aufzulesen und in einem Stapel zu versenken, und dann, welch eine Tür die man aufstoßen kann, wenn man Zeit hat, indem man in diesen Stapel greift. Wie unendlich unverstellt diese Welt. Welcher Luxus, ausgezeichnet mit 1- und 2-€-Bleistiftvermerken.
ein geschenkter Tag 7. Oktober 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.Tags: Bahnhof, Erinnerung, Fragen, Freundschaft, Geschenk, gespräche, grün, kontakt, Leben, Lebensweg, Sicherheit, Vorfreude, Zitat
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- ich habe den Zug verpasst. niemand weiß, daß ich noch hier bin. Es war sehr warm hier, trotzdem war ich nicht mit Freunden unterwegs, auch wenn es schön gewesen wäre, wie die letzten Tage. Trotzdem ist es wunderbar, einen Tag allein zu sein, nach den letzten zwei vollen, guten, aber überfüllten Wochen. Traurig ist, daß meine Eltern aber nicht mit mir reden, für sie bin ich schon abgreist, in ihrem Plan ist kein Platz für mich, nicht mal Essen ist da, da ich „nicht eingeplant“ bin.
Sie sitzen in ihren Arbeitszimmern, ich in meinem Bett, lese das Ende von „Adam und Evelyn“, das seit der Zugfahrt hierher auf der ich den Großteil des Buches gelesen habe, auf mich wartet, und höre Podcasts nach. Und lasse mich nachkommen.
Um morgen früh dann zu fahren, in ein anderes Land. In eine andere Stadt, in der die Luft anders zwischen den Häusern hängt, in der es nicht so früh dunkel wird, in der meine Dinge einen Platz haben -weniger Spontaneität, weniger Improvisieren, weniger Loslaufen mit dem was sich gerade ergibt und grade da ist.
Auf einmal rastet eine Sicherheit in mir ein, daß es nicht der falsche Lebensweg ist, daß mein Leben zu mir paßt, auch, daß ich noch studiere, noch nicht fertig promoviert in einem Büro sitze, noch kein Kind habe und noch nicht weiß, wo ich in zehn Jahren leben werde. Ich finde das noch immer schön, aber ich fühle mich nicht, zumindest gerade nicht, schlecht, daß es bei mir nicht so ist. Es ist okay, und anders wäre es das vielleicht nicht, nicht für mich.
Ich habe sogar langsam wieder Lust auf emails zu antworten, auf persönliche, Fragen zu beantworten, über mich zu reden, nicht nur über Sachliches zu reden. Auch wenn ich nach wie vor das Gefühl habe, daß es da nicht viel zu erzählen gibt. Nicht viel über die letzten drei Jahre. Aber doch, wenn ich die Dinge über einen längeren Zeitraum betrachte, dann ist da ein wenig Erzählmaterial. Nur ein wenig. Die email einer Freundin hat mich daran erinnert, daß Freundschaften das brauchen was ich in letzter Zeit so wenig zu geben bereit war. Sie schrieb:
ja, war schön gestern. mir is nur aufgefallen, dass ich kaum dazu komme, dich etwas zu fragen. erstens, weil du soviel fragst, zweitens weil ich ja auch gerne antworte, drittens weil ich bestimmt auch gerade sehr mit mir (…) beschäftigt bin. ich will eigentlich vor allem mal wissen wie es …
Nein, ich habe da noch nicht drauf geantwortet. Aber ich freue mich darauf, und ich habe mich über die Fragen gefreut und den Gedanken, daß sie sich das gefragt hat und dann geschrieben hat …
Das ist neu und schön, also daß ich mich darüber freue. Es kommt mir vor als sei das die Basis für wieder mehr auch persönlichen Kontakt, nicht mehr nur Dinge unternehmen und Kultur und Politik bereden und ab und zu etwas Persönliches Erzählen. Gespräch erscheint mir gerade überhaupt soviel schöner als Erzählen, sicher, weil ich Erzählen auch in den letzten Monaten schon hatte, aber weniger Gespräch. Eher Diskussionen. Und es ist immer scön, mit Menschen Kontakt zu haben, die ich schon lange kennen. Die Leute die ich hier hauptsächlich gesehen habe, sind meine Freunde seit 1990, 1995, 1996 und 2001. Vielleicht denke ich auch gerade deshalb darüber nach, was zu mir paßt, weil ich mich mit diesen Freunden an die Sachen erinnere, die ich immer schon war, die sich nicht verändert haben, auch wenn ich nicht mit ihnen darüber rede (dann natürlich auch), weil es sich so anfühlt.
Besonders das Treffen mit J, mit der ich in diesen merkwürdigen Jahren befreundet war, als ich mich strampelnd in diesem Westdeutschland zurechtzufinden suchte und herauszufinden versuchte warum das alles so ganz anders war und ich es nicht einmal verstehen konnte, war wichtig. Sie ist inzwischen auch bei den Grünen. Und endlich geoutet. Und war damals in mich verliebt, was wir beide damals nicht wußten. Ich, weil ich ihre Steifheit nicht deuten konnte, sie, weil sie das Gefühl nicht kannte. Ich habe sie zum Bahnhof gebracht, und als ich ihr in den Zug meine Hand nachgereicht habe, hat sie sie lange nicht losgelassen.
von unabdingbarer Wichtigkeit 10. Juli 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gelebt, gesehen, im Kino.Tags: Berlin is in Germany, Film, Jörg Schüttauf, Kino, Sendetermine, Tatort
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Tatorte sind teuer. Das ist auch gut so. Die besten Schauspieler Deutschlands spielen häufig für wenig Geld in Independent-Filmen von denen sie überzeugt sind. Jörg Schüttauf habe ich zum Beispiel das erste Mal auf einem Festival in Berlin is in Germany (der Regisseur ist Hanns Stöhr, der auch Berlin Calling gemacht hat) gesehen, einem großartigen Film über einen Häftling der kurz vor dem Mauerfall ins Gefängnis kommt und 11 Jahre später mit der nach der Wende völlig veränderten Wirklichkeit klarkommen muß, ein Film ohne Effekte, so daß die Darstellung umso näher an der Oberfläche erscheint, weil nichts davon ablenkt, wie man die Dinge in einem See besser sehen kann, wenn der Wasserspiegel niedrig ist. Einer der besten Filme die ich kenne – jedenfalls mit ziemlich niedrigen Budget gedreht.

Neben Jörg Schüttauf habe ich auch Axel Prahl zuerst in solchen Independent-Produktionen auf Festivals gesehen, Eva Mattes und natürlich Martin Wuttke (Arturo Ui in der legendären Inszenierung von Heiner Müller am BE) kannte ich aus dem Theater, und bin froh, diese Schauspieler regelmäßig sehen zu können, ohne im Umfeld derer Theater zu wohnen oder Karten für Festivals zu bekommen. Es handelt sich quasi um eine Demokratisierung guter Schauspieler. Jedenfalls unter anderem.
Tatorte sind also teure Produktionen, weil sie die Beteiligten angemessen bezahlen – da in den Sommermonaten die Zuschauerzahlen zurückgehen, weil die Menschen unterwegs und draußen sind, sendet die ARD im Juli und August Wiederholungen, die nicht eigens produziert werden müssen, und beginnt mit den Erstaustrahlung erst wieder Ende August.
Von unabdingbarer Wichtigkeit hier nun die Termine:
05.07 Tödliche Souvenirs
12.07 Satisfaktion
19.07 Schwelbrand
02.08 Der frühe Abschied
16.08 Der Tote vom Straßenrand
Kontaktverlinste Müdigkeit 14. Januar 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, Tagebuch, gelebt, gereist.Tags: Anfang einer Liebe, anstrengend, Berlin, Diskussionen, Gespräch, kalt, Kinderbücher, Kontaktlinsen, Kontrast, Leute, Licht, müde, München, Menschen, nachts, Nähe, Stricken, Tagebuch, unterwegs, Winter
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Ich bin unglaublich müde. Tag fünf wieder in München. Die ersten Tage waren geprägt davon, endlich wieder allein zu sein, nach so vielen Tagen als Gast in fremden Betten und ständiger Gegenwart von Menschen. Die letzen Tage in Berlin waren traurig und schön, ich habe mich wie eine kaputte Maschine gefühlt, die stehen geblieben ist, nachdem mich mein Vater nach einer Nacht wieder rausgeworfen hat, aber ich bin gestärt aus dieser eisigen Winterwoche hervorgegangen. Eine merkwürdige Zeit, morgens ausfwachen durch das helle Licht im Dachfenster des Gästezimmers von L, die dort platzierten Kinderbücher lesend bis 12, dann Frühstück, lesen, Stricken im Wohnzimmer der Familie, und manchmal dann weg und nachts zurückkommen, wenn es kalt, kalt ist. Minus 20 Grad war es wohl überall, aber so lang vom U-Bahnhof laufen zu müssen in der Nacht, das hat es erst richtig kalt gemacht, mit jeder Biegung und Minute wurde es mehr Winter.
Winter ist es noch.
Trotz eigenem Bett, dicker Decke, Heizung und alleine drinnen bleiben, Lesen, Einkaufen, so ein Kontrast zur vorigen Woche, ich wußte die ersten Tage nicht einmal wirklich, wie. Seit Montagabend jetzt permanentes Unterwegssein. Arbeiten, Termine, Freunde, Politik. Es ist nichts was ich nicht machen möchte, aber es ist anstrengend. Ich mag Gespräche die keine persönlichen sind, hitzige Diskussionen, in denen der Kontakt nicht abbricht, weil man unterschiedlicher Meinung ist, ausgefochtene Dispute die mehr Nähe schaffen als das lavierende Nettsein.
Nach so viel Zeit mit Freunden in Berlin kam ich alles andere als einsam zurück, verstört, aber im Bewusstsein, daß es nicht viele Menschen sind, die ich jetzt brauche. Und das Gegenteil ereignet sich gerade, viele Menschen, viele Gespräche, viel Nähe, es ist gut so, denn es ist keine Nähe um der Nähe willen, sondern Nähe die entsteht durch Dinge die mir wichtig sind. Aber es ist sehr anstrengend. Und ich bin sehr müde. Gestern saß ich im Lamms bis drei mit einem 20jährigen, seine Wimpern dicht neben meinem Gesicht, in einem guten Gespräch, das über Stunden anhielt. Gut daß nichts weiter passiert ist, aber die Müdigkeit hängt unter meinen Lidern, zwischen meinen Wimpern, in meinem Hals. Und ich arbeite. Und verstehe den Text kaum, den ich da kürze. Ein Handout aus den Resten dessen was in meinem Verstand ankommt. Vielleicht mache ich es morgen zu Ende. Ich hoffe so, daß mein eigener Laptop wieder anspringt, beside.
Jahreswechselstöckchen von Anika. 31. Dezember 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gefragt, gelebt, gelesen, gereist, gesehen.Tags: Arden, Bayern, Berlin, Bilanz, Bulgarienluft, Caotica Ana, Edith Nesbit, Ehrlichsein, Farben, Faserland, Fragen, Gedanken, Im Winter ein Jahr, Jahresrückblick, Jahreswechsel, Kinderbücher, Leiden eines Amerikaners, Miranda July, Reisen, Rigaer, Schwarz-Weiß, Siri Hustvedt, Stöckchen, Strumpfhosen
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Wenn 2008 ein Sandwich wäre:
Ganz viel Lachs, bulgarische Tomaten, zwischen Reisbrotscheiben. Leicht geröstet. Gedrittelt.
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gelernt im Jahre 2008:
Daß ehrlich sein besser ist als fröhlich sein.
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verlernt:
Hebräischvokbeln.
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Ein 2008-erstes Mal:
Reisen durch Länder deren Sprachen ich nicht einmal annähernd kenne.
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Eine neue Narbe 2008:
Letztes Sylvester die an der rechten Brust.
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Ort, an dem man war, als der erste Schnee fiel:
Ein Wirtshaus mitten in Oberbayern, und ich schaute durchs Dachfenster auf den Schnee der sich in der Linde vor dem Haus verfing.
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Das letzte Kostüm, in dem man steckte:
Ganz in schwarz mit einer weißen Strumphose zum Schwarzweißball, bevor ich erfuhr, daß in Bayern „Schwarz-Weiß-Ball“ bedeutet, daß man smoking-elegant kommen soll.
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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, es nicht gelesen / ihn nicht gesehen zu haben:
Faserland auch beim 2. Versuch nicht besser. /Caotica Ana.
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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, alle Welt würde ihre Nase ebenfalls hineinstecken / ihren Blick darauf werden:
Leiden eines Amerikaners von Siri Hustvedt./Im Winter ein Jahr.
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Einen Menschen, den man auf der Straße gesehen hat und gerne näher gekannt hätte:
Ein Mädchen in der Rigaer im August mit vorne langen Strähnen und hinten kurzen Haaren, roten Backen und ganz vielen verschiedenen dünnen Kleidungsstücken an.
(Und ich habe sie letzte Woche kennengelernt, und ihre Geschichte gehört, und ihre Telefonnummer bekommen, und ich bringe das noch immer nicht zusammen mit diesem Eindruck im Sommer.).
Die Zärtlichkeit zwischen anderen, die einen berührt hat:
Ihr Vater begrüßt meine bester Freundin.
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Kindheitsserie, in der man 2008 geschwelgt hat:
Die Kinder von Arden/der Traum von Arden von Edith Nesbit.
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Farbe, die 2008 ausmacht:
granatapfelrot
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Gefühl für 2009:
Weiter. Weiter?
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Luftschloss für 2009:
Diplom abschließen.
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Ein voraussichtlich 2009-erstes Mal:
Rußland.
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ein jahreswechselstöckchen zum wegnehmen. von ani und anj mit einigen ideen aus dem wundervollen buch learning to love you more von miranda july
zwischen 27. Dezember 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gereist.Tags: Berlin, Bilanz, dunkel, Januar, Licht, Lichter, Menschen, nachdenken, nachts, Tagebuch, Vertrauen, warten, Winter
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Ab und zu fühle ich die Vertrautheit der Stadt noch aufblitzen, aber ich hasche dem nicht einmal nach, ich traue ihm nicht. Früher hatte ich immer das Gefühl, die Stadt würde mich beschützen, vor allem nachts, all die Lichter die auf bestimmte Art verstreut sind. Ich hatte diese Gefühle manchmal. Einmal beim Einsteigen in die Ubahn, heute morgen kurz beim Blick in den Hof. Ich bilde mir ein, wenn ich danach suche, werde ich es wiederfinden. Aber ich bin im Moment nicht der Mensch der sucht. Ich bin nicht der Mensch der lacht oder Grübchen plustert oder tanzt, der versucht so glücklich zu sein, daß es bis an die Zimmerwände strahlt. Ich warte. Schon seit einigen Monaten. Ich glaube, seit November. Seit ich das letzte mal hier war. Und glücklich, wie in einem warmen Plumpudding.
Hier wird es tatsächlich früher wieder dunkel. Der Tag war schon um drei vorbei, und es kam gelbes Licht durch die Fenster. Es vergeht Tag um Tag. Ich sehe Menschen die ich mag. Ich bin zu müde um aufzubrechen für etwas Neues. Ich gucke was da ist, wenn ich verharre. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Ich bin schon lange nicht mehr verharrt.
Manchmal bin ich in fremden Wohnungen im Bad, zu lange, denke nur nach, eine Pause von den vielen Menschen um mich, und habe ein starkes Gefühl, das ich nicht sehr gut kenne, mir aber so vertraut passt wie ein eingetragener Tweedmantel, etwas, das ich gut kann und das mich stark macht.
Das überraschende dabei ist die Neuheit und die Vertrautheit. Ich finde keine Worte dafür die nicht zu groß und kitschig sind. Es ist so ein bißchen wie Ich-Sein. Sehr neu und sehr vertraut und etwas was ich gut kann und mich stark macht.
Vielleicht, hoffentlich, bald außerhalb des Bads auch. Oder mit Menschen.
Bernhard Thomas 18. November 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, Tagebuch, gefragt, gelebt.Tags: Berlin, bloggen, Erinnerung, frei, Freunde, gebastelt, Heimweh, Laternen, Nähe, Tagebuch, Tatort, trauma
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Ich bin eine andere, glaube ich. Das ist die vorsichtigste Formulierung, die mir einfällt, um auszudrücken, wie schwer es mir fällt, hier weiter weiterzuschreiben. Was schade ist, denn manchmal lese ich hier gerne. Ja, ich lese das hier gerne, und es ist egal, wenn das sonst niemand tut, das reicht mir zum Schreiben. Aber nun?
Also, ich war in Berlin, und das war eines der wärmsten Wochenenden das ich erlebt habe. Nicht meteorisch. Es triefte vor Nähe. Zu gleich war es eine Überanstrengung, meine Eltern nach anderthalb Jahren wiederzusehen, wieder in diesem Zimmer zu schlafen, das mein Bruder ein Jahr bewohnt hat, bevor er nach München gezogen ist, wovon ich erst da, also zwei Monate nach seinem Umzug erfahren habe. Und davon, daß ich also auch wieder nach Hause darf, denn er braucht mein Zimmer ja nicht mehr. Warum ich gar nicht mehr kommen konnte, das habe ich selbst nicht verstanden, und das hat meinen Februar und März diesen Jahres geprägt. Und ja, ich habe darum gebettelt. Und nein, ich habe es nicht verstanden.
Danach hatte ich merkwürdiges Heimweh nach dieser Nähe, die ich zu meinen Berliner Freunden habe. Mit denen ich viel telefoniere im Moment. Und habe anderthalb Wochen alles wieder ausgekotzt, auch Mineralwasser, ein verdorbener Magen.
Dann habe ich allerdings Laternen gebastelt, und es gab einen Martinsumzug, und ein paar schlimmdunkle Wintertage, und jetzt, und ich verstehe nicht, wie das kommt, und ich würde es gerne, um es zu halten, ist ein ein verdammt guter Zustand. Er ist gut und gemütlich und ruhig, wie am Sonntag im Bett der Mitbewohnerin Tatort gucken und dann kommen Freunde unangemeldet vorbei und freuen sich über die Gemütlichkeit des vollkommen unaufgeräumten Zimmers und holen einen zum Essen ab, und draußen regnet es und ist kalt, und der Regen ist so laut daß man ihn hört, und überall drinnen ist es warm.
So ist es zur Zeit. Und ich finde Bücher, die mir weiterhelfen bei der wissenschaftlichen Arbeit, und es gab in den letzten drei Wochen drei Fragen die mich weitergebracht haben, denn seit ich sie mir gestellt habe, ist alles weniger verworren.
eins: Vielleicht fällt mir Theologie so schwer weil B Theologe war?
zwei: Was vermisse ich am meisten an der Zeit davor: Ich habe gern gelernt. Seit ich mich daran erinnere, wie sehr ich das vermisse, ist es wieder da. Schon im Vermissen vielleicht. Jedenfalls verzehre ich Bücher jetzt mit der vertrauten Liebe.
drei: nein, das ist zu schwer zu beschreiben. Diese Frage kam mir beim Ausfüllen der Bögen aus der Traumaambulanz.
Achtung, ab hier wird es sehr persönlich -
Es war nicht dieses eine Mal, es gab ein Mal, kurz davor, auf das die Dinge zutreffen, die ich beim zweiten Mal nicht erinnere, die aber gefühlt da waren. Und ich war immer so verwirrt, daß ich sie nicht erinnern konnte. Aber es gab dieses andere mal, und ich weiß noch den Ort, zwei Meter vom zweiten entfernt, darum weiß ich, daß es ein anderes Mal gab, weil ich den anderen Ort erinnere, und da war es explizit, mein Nein. Und ich habe mich immer gefragt und schuldig gefühlt, weil ich es beim zweiten Mal nicht erinnern kann, und trotzdem war es da, dieses Gefühl der Verwunderung, nicht gehört zu werden, losgelöst zu sein. Zwei Male, die sich vollkommen verschieden anfühlen in der Erinnerung, und das erste Mal hatte ich tatsächlich vergessen, ich habe nie darauf Bezug genommen, wenn ich davon gesprochen habe, nicht einmal daran gedacht.
Seitdem ich das erinnere, macht plötzlich alles mehr Sinn, ich bin weniger verwirrt, das ist eine wenige brüchige Basis.
Ich bin freier, das ist komisch. Und erkenne mich kaum wieder.
2. November 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gelebt.Tags: Berlin, Chaos, hoffentlich, Morgen
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Morgen um die Zeit werde ich hoffentlich sagen können: Ich habe diesen spontanen Berlintrip der aus Chaos bestand überlebt.