ein geschenkter Tag 7. Oktober 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.Tags: Bahnhof, Erinnerung, Fragen, Freundschaft, Geschenk, gespräche, grün, kontakt, Leben, Lebensweg, Sicherheit, Vorfreude, Zitat
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- ich habe den Zug verpasst. niemand weiß, daß ich noch hier bin. Es war sehr warm hier, trotzdem war ich nicht mit Freunden unterwegs, auch wenn es schön gewesen wäre, wie die letzten Tage. Trotzdem ist es wunderbar, einen Tag allein zu sein, nach den letzten zwei vollen, guten, aber überfüllten Wochen. Traurig ist, daß meine Eltern aber nicht mit mir reden, für sie bin ich schon abgreist, in ihrem Plan ist kein Platz für mich, nicht mal Essen ist da, da ich „nicht eingeplant“ bin.
Sie sitzen in ihren Arbeitszimmern, ich in meinem Bett, lese das Ende von „Adam und Evelyn“, das seit der Zugfahrt hierher auf der ich den Großteil des Buches gelesen habe, auf mich wartet, und höre Podcasts nach. Und lasse mich nachkommen.
Um morgen früh dann zu fahren, in ein anderes Land. In eine andere Stadt, in der die Luft anders zwischen den Häusern hängt, in der es nicht so früh dunkel wird, in der meine Dinge einen Platz haben -weniger Spontaneität, weniger Improvisieren, weniger Loslaufen mit dem was sich gerade ergibt und grade da ist.
Auf einmal rastet eine Sicherheit in mir ein, daß es nicht der falsche Lebensweg ist, daß mein Leben zu mir paßt, auch, daß ich noch studiere, noch nicht fertig promoviert in einem Büro sitze, noch kein Kind habe und noch nicht weiß, wo ich in zehn Jahren leben werde. Ich finde das noch immer schön, aber ich fühle mich nicht, zumindest gerade nicht, schlecht, daß es bei mir nicht so ist. Es ist okay, und anders wäre es das vielleicht nicht, nicht für mich.
Ich habe sogar langsam wieder Lust auf emails zu antworten, auf persönliche, Fragen zu beantworten, über mich zu reden, nicht nur über Sachliches zu reden. Auch wenn ich nach wie vor das Gefühl habe, daß es da nicht viel zu erzählen gibt. Nicht viel über die letzten drei Jahre. Aber doch, wenn ich die Dinge über einen längeren Zeitraum betrachte, dann ist da ein wenig Erzählmaterial. Nur ein wenig. Die email einer Freundin hat mich daran erinnert, daß Freundschaften das brauchen was ich in letzter Zeit so wenig zu geben bereit war. Sie schrieb:
ja, war schön gestern. mir is nur aufgefallen, dass ich kaum dazu komme, dich etwas zu fragen. erstens, weil du soviel fragst, zweitens weil ich ja auch gerne antworte, drittens weil ich bestimmt auch gerade sehr mit mir (…) beschäftigt bin. ich will eigentlich vor allem mal wissen wie es …
Nein, ich habe da noch nicht drauf geantwortet. Aber ich freue mich darauf, und ich habe mich über die Fragen gefreut und den Gedanken, daß sie sich das gefragt hat und dann geschrieben hat …
Das ist neu und schön, also daß ich mich darüber freue. Es kommt mir vor als sei das die Basis für wieder mehr auch persönlichen Kontakt, nicht mehr nur Dinge unternehmen und Kultur und Politik bereden und ab und zu etwas Persönliches Erzählen. Gespräch erscheint mir gerade überhaupt soviel schöner als Erzählen, sicher, weil ich Erzählen auch in den letzten Monaten schon hatte, aber weniger Gespräch. Eher Diskussionen. Und es ist immer scön, mit Menschen Kontakt zu haben, die ich schon lange kennen. Die Leute die ich hier hauptsächlich gesehen habe, sind meine Freunde seit 1990, 1995, 1996 und 2001. Vielleicht denke ich auch gerade deshalb darüber nach, was zu mir paßt, weil ich mich mit diesen Freunden an die Sachen erinnere, die ich immer schon war, die sich nicht verändert haben, auch wenn ich nicht mit ihnen darüber rede (dann natürlich auch), weil es sich so anfühlt.
Besonders das Treffen mit J, mit der ich in diesen merkwürdigen Jahren befreundet war, als ich mich strampelnd in diesem Westdeutschland zurechtzufinden suchte und herauszufinden versuchte warum das alles so ganz anders war und ich es nicht einmal verstehen konnte, war wichtig. Sie ist inzwischen auch bei den Grünen. Und endlich geoutet. Und war damals in mich verliebt, was wir beide damals nicht wußten. Ich, weil ich ihre Steifheit nicht deuten konnte, sie, weil sie das Gefühl nicht kannte. Ich habe sie zum Bahnhof gebracht, und als ich ihr in den Zug meine Hand nachgereicht habe, hat sie sie lange nicht losgelassen.
kurz – 21. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.Tags: Bilanz, bloggen, Blogs, Erinnerung, Erzählen, Fragen, Gedanken, gestelzt, Leben, perspektive, schreiben, Sommer, Zuckerwatte, zufrieden, Zusammenhang
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Eigentlich war ich immer sehr unzufrieden mit den letzten Artikeln und dachte immer, wer die liest, löscht sofort mein Blog aus dem Feedreader. Belanglos. Vielleicht noch verbrämt. So hat sich zumindest auch mein Leben angefühlt. Und, im guten Sinne, nicht blogbar. Als ob das was aufgeschrieben ist nicht das Wichtige ist. Das ist es vermutlich nie. Aber das Aufschreiben war wichtig für mich. Im Laufe des Schreibens stellte sich ein Zusammenhang her, jedenfalls in meinem Gefühl, und es war mehr da, was ich erlebt hatte als was ich nicht erzählt habe.
Dieses Gefühl hatte ich bei den letzen Einträgen nicht, hatte ich vor allem, wären mein Rechner kaputt war, hier im Computerraum nicht, auch wenn ich hier gerade gut schreiben kann und es auch vorhin gut konnte. Mein Leben fühlte sich so aufgeklöst an wie Zuckerwatte die vom Stab fällt, und ich wußte nicht einmal, ob ich der Stab war und aus welcher Perspektive ich hätte schreiben sollen. Das habe ich natürlich nicht geschrieben. Ich habe Überbrückungsposts geschrieben, um etwas zu schreiben, das, wozu man sich beim bloggen und überhaupt von einem Blog nie verleiten lassen sollte.
Warum ich im Nachhinein über diese beiden Posts doch so froh bin, auch wenn sie ein wenig gestelzt formuliert sind (in dem Versuch, meinem alten Schreiben, wenn schon nicht durch die Klarheit der Gedanken, dann doch durch eine versucte Klärung der Worte nahe zu kommen – ich habe also das nachgemacht was mir immer so viel bedeutet hat), weiß ich nicht, aber ich mag sie, sie berühren mich, das war mein Sommer, und ich bin unglücklich darüber, das über die ganze andere Zeit dieses bewegten, an Ereignissen, Gefühlen, Verwirrungen, Sommers, da nicht steht. Als wäre er nicht da. Nicht einmal erinnern kann ich mich, wer gesagt hat, ich sähe aus wie Effi Briest.
Letztes Wochenende, Dichterfest in Erlangen, Notizen 4. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben, gesehen, im Regal.Tags: Notizbuch, Notizen, Tagebuch, Zitat
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So vieles ist passiert, über das ich schreiben wollte. Aber wenn ich am Computer sitze, überfaäät mich nur die Lähmung, die eintritt, wenn ich kurz Ruhe hhabe in diesen übervollen Tagen. Da war das Dichterfest in Erlangen am Wochenende, von dem ich mir ein paar Sätze aufgeschrieben habe, in mein Notuizbuch, während die Sonne schien und ich zuhörte.
Ich glaube, ich liebe Lyrik, weil einem keiner sagt, was man denken soll.
„Supersätze“
„Nie sagte er Deutschland, sondern imer Europa oder Frankfurt.“
ich mag den harten Ansatz wenn die Stimme vom Englischen ins Deutsche wechselt – Bas Böttcher – Monika Rink
„die harten näckigen Quitten“ (Monika Rink)
„Konferenzgetränke in sortierten Miniflaschen“
„Robert de Niro der deutschen Literatur“ (über Thomas Glavinic)
„Seit Kafka ist wieder alles erlaubt. Kafka hat uns gezeigt, man kann auch anders schreiben.“ (Thomas Glavinic)
„Die Wirklichkeit bietet immer Alternativen an, sie anders zu erzählen“ (Brigitte Kronauer)
nachlesen: Das Wort ‘verbrämen’
Diesmal waren es nicht ferne Länder, sondern viele Menschen, mein Sommer.
„Weder im Guten noch im Bad“ (Uljana Wolf)
„Wir dachten ja, Liebe sei nichts anderes als Julklapp“ (auch sie).
noch ein neuer Artikel. 1. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt.Tags: Bibliothek, Eis, Freunde, Freundschaft, Gedanken, gespräche, Leben, Lernen, München, Menschen, Tagebuch, Telefonieren, vergessen, Wissen
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Nach dem Eisessen. Leben in München. Bibliotheken prägen mein Leben, außerdem die über die Stadt verteilten Orte, an denen Eis erhältlich ist. Außerdem die über die Stadt sich verteilenden Menschen, die mir etwas bedeuten.
Wie seltsam, welche Rolle Gespräche für das Entstehen von Nähe bedeuten. Ein Wissen, daß ich, unformuliert, bestimmt als Teenager schon hatte, wie alle Teenager, die stundenlang telefonieren.
Ich habe so viel vergessen. Ich hatte ein rasend gutes Gedächtnis für alles, bis ich 23 war, ich konnte mir jedes Detail merken. Seit dem ist vieles immer wieder neu für mich daß ich irgendwann schon mal kannte oder wußte. Kennen und wissen ist aber ohnehin jedesmal anders, wenn man sich wieder ein wenig verändert hat.
So spreche ich, erzähle, höre zu, merke mir, was ich höre, frage, lache, weine, umarme.
Zensur in der frühen BRD 9. Juli 2009
Posted by echtzeitmaerchen in gehört.Tags: Briefe schreiben, Deutschlandradio, Link, Ostdeutschland, Osteuropa, Zensur, Zitat
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Beichten 9. Juli 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gehört.Tags: Alleinsein, Beichte, emails, Freundschaft, Gedanken, Telefonieren
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Mit meiner besten Freundin telefoniert. SIe findet es nicht komisch, daß ich gerade so eine Sozialphobikerin bin. Jetzt wo sie das nicht schlimm findet, geht es mir sofort viel besser und ich könnte auch wieder Leute sehn – auch wenn ich auch ohne klar komme. Immerhin schreibe ich wieder emails. Alles nicht mehr so wild. Fast wie beichten – wenn ich drüber geredet habe, verliert es seinen Druck.
endlich der neue 23. Juni 2009
Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gehört, im Ohr.Tags: Bücher, Bibliothek, Hörspiel, Marie-Lou Sellem, Radiotatort, Tatort, Texte
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Radiotatort, mit Marie-Lou Sellem, die ich mag seit ich sie in Nichts Bereuen als etwas ältere Krankenschwester gesehen habe, die Daniel Brühl anlernt und entjungfert.
In diesem Tatort verbrennt eine Bücherei, und ein Autor ist entsetzt über die zu verloren gehen drohenden Autographe und Manuskripte. Das erinnert mich an den Nachruf, den Günther Wallraff über seine verschollenen unveröffentlichten Texte, die mit dem Kölner Stadtarchiv verschüttet wurden, in der ZEIT veröffentlicht hat. Und es erinnert an die brennende Bibliothek Umberto Ecos Im Namen der Rose. Es scheint auch um aus ideologischen Gründen gestohlene Texte zu gehen …
„Das Wetter ist so … flüssig“, 23. Juni 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, im Ohr.Tags: Belle & Sebastian, Gedanken, Licht, nachts, Poesie, Sommer, Tagebuch, Verschwendung, Wetter
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sagte heute einer Bekannten Bekannte. Das ist poetisch und wahr. Wie immer zeigt sich, wie hilfreich es ist, um eine Sache präzise auszudrücken, der verwendeten Sprache nicht vollkommen mächtig zu sein. Ich dagegen sage zur Zeit meist nur „Es ist Herbst. Ich habe mich damit abgefunden. Ich trauere nicht mehr um den Sommer.“
Von Belle & Sebastian gibt es ein Lied mit dem Namen „A summer wasting„. Ich glaube, es ist auf der Platte The Boy With the Arab Strab, jedenfalls habe ich es das erste Mal gehört, als es Winter war. Ich kenne das Gefühl, es ist Sommer, das Wetter ist schön, aber ich schlafe am Tag und bin nur nachts wach und da auch nicht draußen, und ich weiß: Ich verschwende diesen Sommer. Oder zumindest an diesem Tag diesen Sommer. Wobei „Verschwendung“ im Deutschen noch nach verschwenderischem Luxus klingt, nach Vergnügen, wenn auch unsachgemäßem. „Schlecht werden lassen“ träfe es vielleicht besser und hätte fast die Poesie des oben genannten Ausdrucks. Sich an so etwas im Winter zu erinnern, ist besonders plastisch – der Zeit in der man jedem einzelnen Sonnenstrahl hinterherweint, sich nach Licht in jeder Form sehnt oder einfach danach, draußen sein zu können ohne vor Frieren zu verkrampfen.
Dies ist der erste Juni seit ich dieses Blog schreibe, das mein Blog hauptsächlich über die Suchanfrage „Ölofen anzünden“ gefunden wird. Das charakterisiert diesen Juni in meinen Augen ausreichend.
Europa wählt 6. Juni 2009
Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gehört, gelebt, gesehen.Tags: Bayern, Europa, grün, Luftballons, Wahl, Wahlkampf, Wählen, Windräder
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Wahlkampf 09. Der erste, bei dem ich auf der anderen Seite des Standes war und Luftballons und Windräder verteilt habe. Anstatt begeistert welche mitzunehmen, wie ich es als Kind gemacht habe. Damals gab es auch noch Kondome, aus denen man prima Wasserbomben machen konnte.
Ich habe also am Sendlinger Tor beliebig Leute angequatscht, angelächelt, und ihnen Material mitgegeben, natürlich auf höfliche Frage meinerseits, ob ich Informationen mitgeben kann – wo ich nicht so höflich war war in der Frage, ob überhaupt wählen gehen, da habe ich die Warum-Frage gestellt und bin sogar noch neben Leuten hergelaufen. Ich hoffe, ich habe nicht mehr Leute vom Wählen abgeschreckt als ermuntert – aber ich befürchte es.
Ähnlich ging es mir umgekehrt mit der WUMS (=Wirtschaft&Umwelt,Menschlich&Sozial) -Kampagne. Ich wusste erst gar nicht, was das bedeuten sollte. Und dann fand ich die Begriffe redundant, wogegen wichtige Aspekte fehlen: Gerechtigkeit! Menschenrechte! Frauenrechte! Und außerdem erinnert mich „Wums“ eher an einen Atomtest oder neue Beschleunigungsraten für Automobile. Und ist genau das Gegenteil der Botschaft von „Menschlich und Sozial“.
Ich hadere damit, denn eigentlich finde ich die Kampagne schrecklich genug, um das Propagierte nicht wählen zu wollen, aber andererseits will ich doch nicht so Werbungs-affin sein, daß ich mich von einer doofen Kampagne in wichtigen Entscheidungen beeinflussen lasse (ich kaufe ja auch nicht die neueste Lätta, selbst wenn ich gern mal wieder Meerwasser um meinen Körper spüren würde).
Jedoch erleichtert es mir die Wahl-Entscheidung trotzdem, daß die doofe Wums-Kampagne ein ganz super-es Vido hat mit Musik, die ich auch für Gute Laune hören würde:
Zu der Frage nach anderem taktischen Stimmabgabeüberlegen ein anderer Artikel der mir Spaß gemacht hat:Sollte man die Bayernpartei wählen, damit Bayern endlich kein Teil der BRD mehr ist? Pro und Contra:
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/bayern-rauswaehlen-aus-deutschland/
Ob jetzt die Grünen oder die Blauen oder die Orangenen oder die Rosanen oder die Regenbogenfarbigen:
Geht wählen! Wenn noch irgendwo Menschenrechtspolitik gemacht wird, dann ist es in der EU. Und jede Stimme, die für das Parlament abgegeben wird, macht es stärker. Es mag als Platz erscheinen an den man ausgangierte Dinosaurier wie Stoiber verweisen kann und sich auch mit dadaistischen Problemen wie dem Krümmungsgrad von Bananen beschäftigen, aber es ist die stabilste Ursache, daß wir seit über fünfzig Jahren Frieden haben in diesem winzigen Kontinent, der vorher, gemessen an seiner Größe, von Kriegen in aberwitziger Zahl überzogen wurde.
Und Krieg, das heißt immer: Menschenleben die zu früh enden, Menschen die Menschen verlieren, und Angst.