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Letztes Wochenende, Dichterfest in Erlangen, Notizen 4. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben, gesehen, im Regal.
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So vieles ist passiert, über das ich schreiben wollte. Aber wenn ich am Computer sitze, überfaäät mich nur die Lähmung, die eintritt, wenn ich kurz Ruhe hhabe in diesen übervollen Tagen. Da war das Dichterfest in Erlangen am Wochenende, von dem ich mir ein paar Sätze aufgeschrieben habe, in mein Notuizbuch, während die Sonne schien und ich zuhörte.

Ich glaube, ich liebe Lyrik, weil einem keiner sagt, was man denken soll.

„Supersätze“

„Nie sagte er Deutschland, sondern imer Europa oder Frankfurt.“

ich mag den harten Ansatz wenn die Stimme vom Englischen ins Deutsche wechselt – Bas Böttcher – Monika Rink

„die harten näckigen Quitten“ (Monika Rink)

„Konferenzgetränke in sortierten Miniflaschen“

„Robert de Niro der deutschen Literatur“ (über Thomas Glavinic)

„Seit Kafka ist wieder alles erlaubt. Kafka hat uns gezeigt, man kann auch anders schreiben.“ (Thomas Glavinic)

„Die Wirklichkeit bietet immer Alternativen an, sie anders zu erzählen“ (Brigitte Kronauer)

nachlesen: Das Wort ‘verbrämen’

Diesmal waren es nicht ferne Länder, sondern viele Menschen, mein Sommer.

„Weder im Guten noch im Bad“ (Uljana Wolf)

„Wir dachten ja, Liebe sei nichts anderes als Julklapp“ (auch sie).

von unabdingbarer Wichtigkeit 10. Juli 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gelebt, gesehen, im Kino.
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Tatorte sind teuer. Das ist auch gut so. Die besten Schauspieler Deutschlands spielen häufig für wenig Geld in Independent-Filmen von denen sie überzeugt sind. Jörg Schüttauf habe ich zum Beispiel das erste Mal auf einem Festival in Berlin is in Germany (der Regisseur ist Hanns Stöhr, der auch Berlin Calling gemacht hat) gesehen, einem großartigen Film über einen Häftling der kurz vor dem Mauerfall ins Gefängnis kommt und 11 Jahre später mit der nach der Wende völlig veränderten Wirklichkeit klarkommen muß, ein Film ohne Effekte, so daß die Darstellung umso näher an der Oberfläche erscheint, weil nichts davon ablenkt, wie man die Dinge in einem See besser sehen kann, wenn der Wasserspiegel niedrig ist. Einer der besten Filme die ich kenne – jedenfalls mit ziemlich niedrigen Budget gedreht.

Neben Jörg Schüttauf habe ich auch Axel Prahl zuerst in solchen Independent-Produktionen auf Festivals gesehen, Eva Mattes und natürlich Martin Wuttke (Arturo Ui in der legendären Inszenierung von Heiner Müller am BE) kannte ich aus dem Theater, und bin froh, diese Schauspieler regelmäßig sehen zu können, ohne im Umfeld derer Theater zu wohnen oder Karten für Festivals zu bekommen. Es handelt sich quasi um eine Demokratisierung guter Schauspieler. Jedenfalls unter anderem.

Tatorte sind also teure Produktionen, weil sie die Beteiligten angemessen bezahlen – da in den Sommermonaten die Zuschauerzahlen zurückgehen, weil die Menschen unterwegs und draußen sind, sendet die ARD im Juli und August Wiederholungen, die nicht eigens produziert werden müssen, und beginnt mit den Erstaustrahlung erst wieder Ende August.

Von unabdingbarer Wichtigkeit hier nun die Termine:

05.07 Tödliche Souvenirs
12.07
Satisfaktion
19.07 Schwelbrand
02.08
Der frühe Abschied
16.08
Der Tote vom Straßenrand

14. Juni 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gesehen.
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Eine Pflanze, die ihre Bestimmung in

Margarine findet, hätte doch gern ihr Leben zwölf Stunden am Tag nach der Sonne

Sonne ausgerichtet.

Europa wählt 6. Juni 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gehört, gelebt, gesehen.
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Wahlkampf 09. Der erste, bei dem ich auf der anderen Seite des Standes war und Luftballons und Windräder verteilt habe. Anstatt begeistert welche mitzunehmen, wie ich es als Kind gemacht habe. Damals gab es auch noch Kondome, aus denen man prima Wasserbomben machen konnte.

Ich habe also am Sendlinger Tor beliebig Leute angequatscht, angelächelt, und ihnen Material mitgegeben, natürlich auf höfliche Frage meinerseits, ob ich Informationen mitgeben kann – wo ich nicht so höflich war war in der Frage, ob überhaupt wählen gehen, da habe ich die Warum-Frage gestellt und bin sogar noch neben Leuten hergelaufen. Ich hoffe, ich habe nicht mehr Leute vom Wählen abgeschreckt als ermuntert – aber ich befürchte es.

Ähnlich ging es mir umgekehrt mit der WUMS (=Wirtschaft&Umwelt,Menschlich&Sozial) -Kampagne. Ich wusste erst gar nicht, was das bedeuten sollte. Und dann fand ich die Begriffe redundant, wogegen wichtige Aspekte fehlen: Gerechtigkeit! Menschenrechte! Frauenrechte! Und außerdem erinnert mich „Wums“ eher an einen Atomtest oder neue Beschleunigungsraten für Automobile. Und ist genau das Gegenteil der Botschaft von „Menschlich und Sozial“.

Ich hadere damit, denn eigentlich finde ich die Kampagne schrecklich genug, um das Propagierte nicht wählen zu wollen, aber andererseits will ich doch nicht so Werbungs-affin sein, daß ich mich von einer doofen Kampagne in wichtigen Entscheidungen beeinflussen lasse (ich kaufe ja auch nicht die neueste Lätta, selbst wenn ich gern mal wieder Meerwasser um meinen Körper spüren würde).

Jedoch erleichtert es mir die Wahl-Entscheidung trotzdem, daß die doofe Wums-Kampagne ein ganz super-es Vido hat mit Musik, die ich auch für Gute Laune hören würde:

Zu der Frage nach anderem taktischen Stimmabgabeüberlegen ein anderer Artikel der mir Spaß gemacht hat:Sollte man die Bayernpartei wählen, damit Bayern endlich kein Teil der BRD mehr ist? Pro und Contra:

http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/bayern-rauswaehlen-aus-deutschland/

Ob jetzt die Grünen oder die Blauen oder die Orangenen oder die Rosanen oder die Regenbogenfarbigen:

Geht wählen! Wenn noch irgendwo Menschenrechtspolitik gemacht wird, dann ist es in der EU. Und jede Stimme, die für das Parlament abgegeben wird, macht es stärker. Es mag als Platz erscheinen an den man ausgangierte Dinosaurier wie Stoiber verweisen kann und sich auch mit dadaistischen Problemen wie dem Krümmungsgrad von Bananen beschäftigen, aber es ist die stabilste Ursache, daß wir seit über fünfzig Jahren Frieden haben in diesem winzigen Kontinent, der vorher, gemessen an seiner Größe, von Kriegen in aberwitziger Zahl überzogen wurde.

Und Krieg, das heißt immer: Menschenleben die zu früh enden, Menschen die Menschen verlieren, und Angst.

München leuchtete. 6. Juni 2009

Posted by echtzeitmaerchen in München, gefragt, gelesen, gesehen, im Regal.
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Dieser Satz prangt unter der MVG-Werbung (MVG ist das Münchner Äquivalent zur BVG). Nein, dort steht er im Präsens: München leuchtet. Und passt zum Plakat, denn darauf ist ein nachtblaues München zu sehen das über einem Meer von Lichtern zu liegen scheint und in den ebenfalls blauen Himmel reflektiert.

Dies ist ein Zitat aus der Thomas-Mann-Novelle (Novelle? Immerhin fehlt die unerhörte Begebenheit. Allerdings gibt es ein Dingsymbol) Gladis Dei. Deren erster Satz: München leuchtete. Vielleicht müsste ich die Novelle erst in Deutschstundenmanier interpretieren, aber sie gefiel mir als Ganzes nicht einen Bruchteil so sehr wie ihr erster Satz.

Eine Mönchsgestalt, die immer wieder ihren Mantel (der sofort eine Kutte zu sein scheint) vor der Brust zusammenzieht, schleicht die Schellingsstraße hinunter, Richtung Ludwigskirche – diesen Weg ging ich im Winter fast täglich, denn meine Tram hält in der Schellingstraße/Ecke Barer Straße, und um zum Geisteswissenschaftlergebäude der LMU, der schon in Uwe Timms Heißer Sommer zu Ruhm gekommenen Schellingstraße 3 zu kommen, läuft man direkt auf die Lugwigkirche zu, und als ich die ersten Male dort lang ging, frisch in München, musste ich schlucken über die unbekümmerten Studenten vor überteuerten Kaffeeläden, eine Welt wie sie an den Starnberger See oder in Faserland von Kracht passt, aber in der kein Funken Mittelalterdüsternis passt wie ihn Thomas Manns Hieronymus-Gestalt fühlt.

Zuerst dachte ich, die Novelle würde diese Diskrepanz als ironischen Bruch vermerken. Sie scheint aber überhaupt nicht ironisch zu sein. Sondern soll unheimlich sein, gothic, könnte man sagen, wenn das auch sicher außerhalb TMs Wortschatz wäre. Es treten weiter auf: Ein paar busenfixierte Kunstbanausen in einem Museum, die sich von den Reizen einer Madonnendarstellung angezogen fühlen, und ein antisemitisch gezeichneter jüdischer Kunsthändler, dem es um nichts anderes geht als Verkaufen und billige Verkaufsstrategien. Oder ist da doch etwas ironisch? Menschen, die Ihr das im Deutschunterricht behandelt habt, helft mir! Ansonsten fand ich alles zu sehr in sich passend und in sich konstruiert geschachtelt um von außen (und ich bin, trotz Münchner Erstwohnsitz, Außenstehende) interessant zu sein. Eine Fingerübung, um eine Atmosphäre zu erschaffen? Um die Kluft zwischen Religiosität und Kunst zu untersuchen? Ich bin religiös, und diese Sicht der Problematik scheint mir historisch. Sagt man nicht, Thomas Mann wäre zeitlos? Lag er einmal neben seinem Standard? Oder reicht der eine erste Satz, um diese Novelle zu rehabilitieren? Sie ist nicht schlecht, nur auch nicht interessant, finde ich.

Aber der erste Satz hätte erfunden werden müssen, wenn es ihn nicht schon gäbe. Ob im Imperfekt oder im Präsens. Er ist so stark, daß ich ihn,bevor ich von Gladis Dei von der MVG-Werbung als Untertitel für meinen Blog übernommen habe.

Autokette 29. Mai 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gefragt, gesehen.
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parkende Autos

parkende Autos

In meinem kleinen Viertel mit den schiefen Straßen fielen mir gestern plötzlich all die Autos auf die da am Wegesrand rumstehen. Ein Auto neben dem anderen. die ganze Straße voll. Aber kaum Menschen zu sehen. Zu jedem Menschen der in einer Wohnung wohnt ein Auto, wie etwas ganz wichtiges. Komisch, daß mir das nie zuvor aufgefallen ist. Ich habe kein Auto, ich benutze keins, und in meinem Leben scheint nichts zu fehlen. Aber trotzdem scheint es eine Selbstverstädnlichkeit zu sein, eins zu haben. Das vor dem Haus steht. Zwischen anderen Autos, die einzigen Lücken sind die Kreuzungen. ICh kann mir ein Leben ohne vorstellen. Und vor 100 Jahren standen diese Häuser auch schon mal ohne Autos da. Wird das einmal anders aussehen? Wie wird das dann wirken, Fotos von unserer Zeit zu sehen?

Werktags-Vermehr 26. Mai 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gefragt, gesehen.
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Blick auf die Kreuzung

ein roter Laster von rechts

ein blauer Laster von links

fahren aneinander vorbei

kein lila Kleinlaster der rauskommt

The Importance of Being Earnest und Le premier jour de reste de ta vie 22. Mai 2009

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So ein ruhiger, ernster, geschenkter Tag – wenn ich mich erinnere, sind es immer die ernsten Momente die mich umgehauen haben, im positiven Sinn. Als ich unter zwanzig war, klang Kritik an mir oft so: ich bin zu ernst. Eine Freundin hat mir eine Postkarte geschenkt, auf der mit blauen Buchstaben „Es ist wichtig, Ernst zu sein“ stand. Natürlich meinte Oscar Wilde etwas ganz anderes damit. Ich verstehe die negative Konnotation. Feiern ist nicht ernst. Beim Feiern innehalten, das kann ein ernster Moment sein, und der ist fast immer allein.

Ernst sein ist nicht immer allein. Aber Ernstsein in Gemeinschaft ist fast immer bedrückend. Für mich. Für mich hat es etwas mit Tod und Traumata zu tun, und Gesprächen die darum kreisen oder stückhaft daran kratzen; Betroffenheit.

Ernste Momente allein sind für mich die Momente, in denen das Leben so da ist, daß man es berühren könnte aber nicht wird, denn man ist genauso berührbar, muß nicht das Subjekt der Berührung sein und das Leben zum Objekt machen, weil der Zauber darin liegt im gleichen Dasein zu sein.

Es sind Momente, wo alles wichtig und alles möglich ist, weil die Vergangenheit in der Vergangenheit aufgefächert liegt und die Zukunft wie ein Fadenspiel in Knäueln in den Fächern liegt, vor denen man steht, genau prüfend, welche Farben, Fäden, Mischungen da sind und wie sie wirken.

Weil ich selbst nicht in der Vergangenheit bin noch in der Zukunft, sondern ganz aufmerksam, wie man es manchmal im Traum ist, wo alles vor dem Augen einzeln präsent zu sein scheint, wie eine Aufnahme in einem Orson Welles Film wo Vordergrund, Hintergrund und Nebenhandlung dieselbe Tiefenschärfe haben und alles zugleich den Augen ganz nah ist.

Als Fleur in C´est La Vie in ihr Tagebuch schreibt: Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens habe ich das Gefühl wieder erkannt.

Bei dem Film fragte ich mich am Anfang: Passiert noch etwas Außergewöhnliches? Muß ich den ganzen Film mit Überlange ansehen, wie Familienhaustiere beerdigt werden? Es war kein aggressiver Gedanke, ich akzeptiere langweilige Filme, ich habe mir „Donne-moi ta main“ bis zum Ende angesehen, ich honoriere, daß Filmemacher experimentieren und daß das manchmal nicht ganz aufgeht und gerade das Gedanken wecken kann was einen Film zum Aufgehen bringt, aber hoffen tue ich trotzdem, daß mich etwas in dem Film noch interessiert.

Langeweile ist ja nichts Besonderes. Es gibt sie in Filmen, in Vorlesungen, beim Warten auf die Tram (Wobei da der Himmel über Isar meistens zu interessant anzugucken ist um sich zu langweilen), und ich gucke gern auf meinen Uhr, auch gestern während des Konzertes, vielleicht, weil ich das Ziffernblatt so sehr mag.

Aber der Film war interessant ohne daß etwas Besonderes passiert ist. Vielleicht nicht interessant. Es gab keine Neuigkeiten. Aber berührend, weil das Nichtneue bei den immerselben Menschen gezeigt wurde, im Abstand einiger Jahre immer wieder Momentaufnahmen von Allseitsbekanntem, schon selbst Erlebten, Erzählten oder zu Gehör Bekommenem, bei Menschen (Figuren natürlich, geschauspielerte), die einem nicht nur über die Ausschnitte und Jahre bekannt wurden, sondern vertraut und einen somit berührt haben.

Birth of a Nation 28. April 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gehört, gesehen, im Kino.
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Ein grob rassistischer und subtil sexistischer Film, erster Film in Spielfilmlänge, 112.000 Dollar teuer, von einem egofixierten Regisseur (D. W. Griffith), und trotz allem, oder vielleicht hat das auch damit überhaupt nichts zu tun, filmisch herausragend, großartig gespielt, in Szene gesetzt, geschnitten, gefilmt. Stummfilm mit Hintergrundmusik, eigens komponiert, aber unter Verwendung von Volksliedmelodien mit entsprechender Konnotation in den Nord- oder Südstaaten (die Handlung setzt ein mit den Auseinandersetzungen die zum Krieg führen) – allerdings sind diese Melodien auch hier bekannt, nur aus anderen Kontexten: „God save the Queen“ immer zu hören, wenn es eine Einigung von Nord – und Südstaaten gibt, geht noch, aber „O Tannenbaum“ immer wenn es dramatisch wird, ist unfreiwillig komisch. Natürlich vollständig orchestriert.

Aktualisierung 27. März 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gelebt, gelesen, geschrieben, gesehen, geträumt.
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Ich weiß, ich bin überhaupt nie mehr im Internet. Umso erstaunlicher, daß diese Seite dennoch täglich angeklickt wird. In gewisser Weise widerfährt mir im Moment eine Menge Blogbares. Aber das wäre jetzt zu viel auf einmal zu beschreiben. Immerhin war ich jetzt das erste Mal in diesem Jahr (glaube ich) sogar zwei Tage direkt hintereinander im Netz. Ich muß dringend für einen Prof Bücher suchen, das war der Grund, aber es fühlt sich auch gar nicht schlecht an, statt zu Hause oder unterwegs wieder in der Uni zu sein. Ich habe viel gelesen in der letzten Zeit und viele Leute getroffen. Ich war viel unterwegs und hatte ziemliches Männerchaos. Und ich habe seit gestern einen neuen Schaukelstuhl! Und meine Haare werden langsam lang. Und ich habe eine neue, dunkle Brille und Rougebenutzen entdeckt. Und ich habe, völligüberraschend, bei einer Fernsehshow mitgearbeitet. Das war interessant und erhellend, aber auch deprimierend. Dafür bin ich als Zeit-Leserin und Dradio-Hörerin vermutlich zu weltfremd. Und ich war viel im Kino. Und ich bin aus einem Job geflogen, aber das habe ich, glaube ich, schon geschrieben. Sonst gibt es, grob gesagt, nicht viel. Nur im Detail. Aber um darüber zu schreiben brauche ich immer etwas Abstand. Meine beste Freundin war zur Zeit etwas verschollen, das ist nicht so schön. Und ich habe M das letzte Mal am Mittwoch gesehen, nachdem ich mit ihm seit gut einem Monat jeden Tag mindestens zwei Stunden telefoniert habe, selbst wenn wir uns gesehen haben. Er fehlt mir. Wir telefonieren erst Sonntag wieder, nach dem Tatort, der in München spielen wird. Was wird nur aus diesem verdammten Leben? Heute Nacht hatte ich zwei Albträume, im ersten bin ich durch eine wichtige Prüfung gefallen und im zweiten war ich verhaftet aus religiösen Gründen in einem Lager, im 17. Jahrhundert, während der Religionskriege – dabei hatte ich mich gestern nur eine halbe Stunde darüber mit B unterhalten, genauso gut hätte ich auch von Abtreibung oder den amerikanischen 50ern träumen können, aber nein, es war dieses Historienlager, und zugleich schien es in Indien zu liegen, hm, ich habe Slumdog Millionaire zweimal gesehen – jedenfalls liegen diese beiden Träume heute noch den ganzen Tag auf mir. Jetzt habe ich Hunger. Und gehe nach Hause. Obwohl ich fast zu müde dafür bin. Und nur einen Aufsatz für meinen Prof gefunden habe. Nächste Woche wieder – es ist schwierig, klein anzufangen, denn die Vorstellung in dem Tempo weiterzumachen ist beängstigend, aber im Vergleich zu den letzten Wochen habe ich in den letzten drei Tagen unheimlich viel geschafft: Endlich wieder emails geschrieben. Im Waschsalon gewesen, inzwischen sogar fast alle Kleider von der Leine genommen und weggeräumt, nur ein kleiner Rest ist noch feucht und hängt noch. Und gearbeitet. Und – aber das war auch in den letzten Wochen so: Zufällig Leute auf der Straße getroffen, mit ihnen geredet, aber über nichts wichtiges. Ich habe so viel mit Leuten gemacht und geredet in letzter Zeit, über Bücher und Kino und Politik, aber nie über mich. Das ist komisch. Kein Wunder eigentlich daß ich nicht blogge. Immerhin habe ich vor ein paar Tagen wieder angefangen, Tagebuch auf Papier zu führen. Aber trotzdem unheimlich, wie viel sich in der letzen Woche plötzlich ergeben hat. Davor eine Woche in der ich ununterbrochen unterwegs war und fast keine Nacht zu Hause, dafür fast jede Nacht wo anders, davor eine Woche in der ich nur zu Hause war, so daß ich schließlich dachte, es sei Freitag, es war aber schon Samstag, davor … daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Eine Woche mit von allem etwas, glaube ich. Jedenfalls habe ich ungefähr sechs Bücher die Woche gelesen in den letzten Wochen. Darum war es eine gute Zeit. Und habe, eine Sensation für mich, fast gar nicht mehr Radio gehört und damit auch ein bißchen den Boden der politischen Allgemeinbildung verlassen. Was vorher immer ein Rückgrat war, ich wußte was an dem Tag geschehen und was davon wichtig war, war weg. Und die Bücher waren ja nicht weniger wichtig. Nun ja, der Hunger zieht mich hier raus, und ich höre auf mit dieser Aneinanderreihung … von …