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Erzähl mir was vom Regen 11. August 2009

Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gelebt, geschrieben, im Kino.
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weil er grad nicht da ist, um mir zu erzählen. Wenn er da ist, erzählt er allerhand, und ich darf mir aussuchen, um was es geht, er bestimmt nur den Rhytmus und das Tempo, ob es schnell ist oder verzögert, leicht oder schwer, prasselnd oder zärtlich, stürmisch oder plätschernd -. Heute war er unmerklich. Langsam wird er zärtlich. Es war ein Tag voller Kopfschmerzen, drückend, der Regen klärte den Himmel und die Luft zu zaghaft, erst am Abend, als ich aus dem Kino kam, wurde es frischer und klarer, ich lief eine ungewohnte Seitenstraße nach Hause, die Jahnstraße entlang und am Glockenbach, und dachte: Ich lebe in der schönsten Gegend der Welt, und ich kannte bisher einen Teil davon gar nicht. München ist, bei aller Kritik die man haben kann oder muß, eine Stadt, die sagt: Das Leben ist schön.

So ein schöner Abend. Gedanken über den Film habe ich mir natürlich auch gemacht. Aber der Abend ist zu schön und leicht heute um längere Gedanken aneinander zu binden. Und ich will ihn ja noch mal sehen, auf Französisch, denn in Filmen in denen so viel geredet wird, müßte die Synchro schon echt gut sein -

andere Woche 8. August 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gelebt, gereist, im Kino.
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Diese letzte Woche hat viel verändert. Dabei war ich die meiste Zeit schlecht drauf und nicht begeistert. Einen Tag lang habe ich mich furchtbar einsam gefühlt wie ich es nur in Gruppen von 160 Leuten fühlen kann. Zwei wichtige Leute haben sich nicht gemeldet, und ich hatte sie schon so gut wie abgeschrieben. Außerdem habe ich gemerkt, bei aller Introvertiertheit, bei aller Sucht nach Alleinsein und Stricken und mich Zurückziehen und Lesen, wie wichtig Gespräch für mich ist. Thema der Woche war Schuld und Vergebung, und da ich letzte Woche über dieses Buch gestolpert war, bin ich in den Workshop „Holocaust“ gegangen. Wenn ich es nicht gefunden hätte, vielleicht wäre es Israel/Palästina oder das Schreibprojekt geworden, vielleicht wäre dann auch meine Woche anders gelaufen, ich weiß es nicht. Jedenfalls haben wir in meinem Workshop den Film Sophie Scholl mit Julia Jentsch gesehen, den ich noch nicht kannte. Er läuft über zwei Stunden, und nur die ersten sieben Minuten, ich habe auf die Uhr gesehen, spielen in der Freiheit, in und an der LMU, an der ich studiere. Ich durchlaufe diesen Lichthof täglich und wechsele im Treppenhaus zwischen meinen Vorlesungen, ich wusste an jeder Ecke an der sie standen welches der schnellste Weg nach draußen gewesen wäre, obwohl ich natürlich wusste, daß sie geschnappt werden würden.

Der Rest ist quasi ein Kammerspiel, er spielt im Gerichtsgebäude, in dem ich kürzlich mit J, die zu Besuch aus Kreisau war, und in demjenigen Saal die Verhandlungsakten angeguckt habe, in der Zelle, kurz in Autos, in Stadelheim, das war es. Trotzdem kommt einem der Film nicht eng vor, weil eigentlich die ganze Welt mitverhandelt wird. In Sophies Argumentation spielt das Gewissen eine zentrale Rolle, so schwammig dieser Begriff ist, so offen ist er auch. Sophie beharrt auf einer Wahrheit jenseits des Rechtes, die nicht subjektiv ist, obwohl sie nicht festgeschrieben wird. Die Objektivität kann nur postuliert werden – wo immer das Gewissen angesiedelt ist, ob es in der Welt oder bei Gott verankert ist, es lässt sich nicht messen. Aber es ist notwendig, um einem Gesetz, das Verbrechen vorschreibt, etwas entgegen setzen zu können.

Dieser merkwürdig schillernde, schwammige und unabdingliche Begriff ist aber der Kernpunkt an dem die Haltung ihres Verhörers, Robert Mohr, kippt.

Erst fiel ich aus diesem Film in ein Foyer in dem es Kaffee und Kuchen gab und die Leute sich für die Diskussionsforen in Listen eintrugen, geredet habe ich über den Film schließlich nicht, aber über anderes, später, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erschöpft von den vielen Tränen von denen ich gar nicht wußte das so viele in meinen Kopf reinpassen wurden, die im Laufe des Tages ausbrachen. Warum? Einsam habe ich mich gefühlt. Und in einer Welt, in der … schwer zu beschreiben. Vielleicht: In der es das sicherste ist, allein zu bleiben.

Am Mittwoch waren wir in Dachau …

Ich war die ganze Woche nicht gut drauf. Ich dachte die ganze Zeit, daß ich eh nächstes Jahr nicht wieder kommen würde, und ließ meine schlechte Laune, meine Tränen, meine Kritik raus. Damit war die Woche sehr anders als mein sonstiges Leben. Es gab schließlich gute Gespräche, aber die waren ganz anders als sonst. Ich war nicht nett. Es waren auch keine netten Gespräche. Aber es gab welche, es war kein Schweigen. Und sie waren wichtig, wenn sie auch nicht frohgemut waren. Nicht nur. Irgendwie war das alles anders als sonst. Und hat sich damit tief eingeprägt. Ich kann noch nicht mehr wirklich sagen, in welchem Umfang. Aber ich möchte nicht, daß es vorbei geht.

Ach so, und ich habe eine ganze Menge da gelassen. Ich fühle mich freier.

von unabdingbarer Wichtigkeit 10. Juli 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gelebt, gesehen, im Kino.
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Tatorte sind teuer. Das ist auch gut so. Die besten Schauspieler Deutschlands spielen häufig für wenig Geld in Independent-Filmen von denen sie überzeugt sind. Jörg Schüttauf habe ich zum Beispiel das erste Mal auf einem Festival in Berlin is in Germany (der Regisseur ist Hanns Stöhr, der auch Berlin Calling gemacht hat) gesehen, einem großartigen Film über einen Häftling der kurz vor dem Mauerfall ins Gefängnis kommt und 11 Jahre später mit der nach der Wende völlig veränderten Wirklichkeit klarkommen muß, ein Film ohne Effekte, so daß die Darstellung umso näher an der Oberfläche erscheint, weil nichts davon ablenkt, wie man die Dinge in einem See besser sehen kann, wenn der Wasserspiegel niedrig ist. Einer der besten Filme die ich kenne – jedenfalls mit ziemlich niedrigen Budget gedreht.

Neben Jörg Schüttauf habe ich auch Axel Prahl zuerst in solchen Independent-Produktionen auf Festivals gesehen, Eva Mattes und natürlich Martin Wuttke (Arturo Ui in der legendären Inszenierung von Heiner Müller am BE) kannte ich aus dem Theater, und bin froh, diese Schauspieler regelmäßig sehen zu können, ohne im Umfeld derer Theater zu wohnen oder Karten für Festivals zu bekommen. Es handelt sich quasi um eine Demokratisierung guter Schauspieler. Jedenfalls unter anderem.

Tatorte sind also teure Produktionen, weil sie die Beteiligten angemessen bezahlen – da in den Sommermonaten die Zuschauerzahlen zurückgehen, weil die Menschen unterwegs und draußen sind, sendet die ARD im Juli und August Wiederholungen, die nicht eigens produziert werden müssen, und beginnt mit den Erstaustrahlung erst wieder Ende August.

Von unabdingbarer Wichtigkeit hier nun die Termine:

05.07 Tödliche Souvenirs
12.07
Satisfaktion
19.07 Schwelbrand
02.08
Der frühe Abschied
16.08
Der Tote vom Straßenrand

The Importance of Being Earnest und Le premier jour de reste de ta vie 22. Mai 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gesehen, im Kino, im Regal.
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So ein ruhiger, ernster, geschenkter Tag – wenn ich mich erinnere, sind es immer die ernsten Momente die mich umgehauen haben, im positiven Sinn. Als ich unter zwanzig war, klang Kritik an mir oft so: ich bin zu ernst. Eine Freundin hat mir eine Postkarte geschenkt, auf der mit blauen Buchstaben „Es ist wichtig, Ernst zu sein“ stand. Natürlich meinte Oscar Wilde etwas ganz anderes damit. Ich verstehe die negative Konnotation. Feiern ist nicht ernst. Beim Feiern innehalten, das kann ein ernster Moment sein, und der ist fast immer allein.

Ernst sein ist nicht immer allein. Aber Ernstsein in Gemeinschaft ist fast immer bedrückend. Für mich. Für mich hat es etwas mit Tod und Traumata zu tun, und Gesprächen die darum kreisen oder stückhaft daran kratzen; Betroffenheit.

Ernste Momente allein sind für mich die Momente, in denen das Leben so da ist, daß man es berühren könnte aber nicht wird, denn man ist genauso berührbar, muß nicht das Subjekt der Berührung sein und das Leben zum Objekt machen, weil der Zauber darin liegt im gleichen Dasein zu sein.

Es sind Momente, wo alles wichtig und alles möglich ist, weil die Vergangenheit in der Vergangenheit aufgefächert liegt und die Zukunft wie ein Fadenspiel in Knäueln in den Fächern liegt, vor denen man steht, genau prüfend, welche Farben, Fäden, Mischungen da sind und wie sie wirken.

Weil ich selbst nicht in der Vergangenheit bin noch in der Zukunft, sondern ganz aufmerksam, wie man es manchmal im Traum ist, wo alles vor dem Augen einzeln präsent zu sein scheint, wie eine Aufnahme in einem Orson Welles Film wo Vordergrund, Hintergrund und Nebenhandlung dieselbe Tiefenschärfe haben und alles zugleich den Augen ganz nah ist.

Als Fleur in C´est La Vie in ihr Tagebuch schreibt: Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens habe ich das Gefühl wieder erkannt.

Bei dem Film fragte ich mich am Anfang: Passiert noch etwas Außergewöhnliches? Muß ich den ganzen Film mit Überlange ansehen, wie Familienhaustiere beerdigt werden? Es war kein aggressiver Gedanke, ich akzeptiere langweilige Filme, ich habe mir „Donne-moi ta main“ bis zum Ende angesehen, ich honoriere, daß Filmemacher experimentieren und daß das manchmal nicht ganz aufgeht und gerade das Gedanken wecken kann was einen Film zum Aufgehen bringt, aber hoffen tue ich trotzdem, daß mich etwas in dem Film noch interessiert.

Langeweile ist ja nichts Besonderes. Es gibt sie in Filmen, in Vorlesungen, beim Warten auf die Tram (Wobei da der Himmel über Isar meistens zu interessant anzugucken ist um sich zu langweilen), und ich gucke gern auf meinen Uhr, auch gestern während des Konzertes, vielleicht, weil ich das Ziffernblatt so sehr mag.

Aber der Film war interessant ohne daß etwas Besonderes passiert ist. Vielleicht nicht interessant. Es gab keine Neuigkeiten. Aber berührend, weil das Nichtneue bei den immerselben Menschen gezeigt wurde, im Abstand einiger Jahre immer wieder Momentaufnahmen von Allseitsbekanntem, schon selbst Erlebten, Erzählten oder zu Gehör Bekommenem, bei Menschen (Figuren natürlich, geschauspielerte), die einem nicht nur über die Ausschnitte und Jahre bekannt wurden, sondern vertraut und einen somit berührt haben.

Birth of a Nation 28. April 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gehört, gesehen, im Kino.
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Ein grob rassistischer und subtil sexistischer Film, erster Film in Spielfilmlänge, 112.000 Dollar teuer, von einem egofixierten Regisseur (D. W. Griffith), und trotz allem, oder vielleicht hat das auch damit überhaupt nichts zu tun, filmisch herausragend, großartig gespielt, in Szene gesetzt, geschnitten, gefilmt. Stummfilm mit Hintergrundmusik, eigens komponiert, aber unter Verwendung von Volksliedmelodien mit entsprechender Konnotation in den Nord- oder Südstaaten (die Handlung setzt ein mit den Auseinandersetzungen die zum Krieg führen) – allerdings sind diese Melodien auch hier bekannt, nur aus anderen Kontexten: „God save the Queen“ immer zu hören, wenn es eine Einigung von Nord – und Südstaaten gibt, geht noch, aber „O Tannenbaum“ immer wenn es dramatisch wird, ist unfreiwillig komisch. Natürlich vollständig orchestriert.

Was am Ende zählt 9. Mai 2008

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gelebt, gesehen, im Kino.
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ist ein Film von Julia von Heinz mit Marie Luise Schramm und Paula Kalenberg, den ich am Dienstag gesehen habe. Ich weiß nicht, ob es darum geht, was am Ende zählt, oder nicht vielmehr was bis dahin geschieht. Nein, auch, was von dem zählt, was bis dahin geschieht. Aber das Ende bleibt immer ein bis Dahin.

Ein Ende ist ein unbestimmtes Etwas in der Ferne in dem Film, mit Namen „Lyon“ vielleicht.

Carla hat ihrem Vater Geld geklaut und steigt mit Reisetasche, selbstgeschneidertem Kleid und Skizzenbuch auf dem Weg zur Modedesignschule in Lyon am Ostbahnhof in den Nachtzug nach Paris. Während sie ihre Reiseasche die Einstiegsstufen hochwuchtet, greift ihr eine Hand das Portemonnaie aus der Handtasche und hält es ihr vor das Fenster, als sie im Abteil sitzt. Sie hastet sofort aus dem Abteil, aber der Mann ist weg, dann wieder zurück ins Abteil, wo auch ihre Tasche inzwischen verschwunden ist, dann rennt sie, mit elegantem Kleid, hohen Schuhen, Stirnband dem Dieb hinterher, bekommt ihn aber nicht mehr und landet nach ergebnislosen Geplänkel am Servicepoint der DB an der Imbissbude vorm Bahnhof im Gespräch mit Charmebolzen und Restaurantbesitzer in Spe Rico.

Sie verbringt die Nacht bei/mit ihm und fängt am nächsten Morgen auf der Baustelle dessen Restaurants, einem in der Instandsetzung befindlichen Schiff zu arbeiten an, um das Geld für die Modeschule und die Zugreise wieder zusammenzubekommen. Da trifft sie auf Lucie, Ricos ältesten Kumpel, wie er sagt, und zieht bei ihr in dem Matratzenlager im Schiffsbauch ein. Die beiden verbindet etwas Sichtbares aber kaum Beschreibbares, es ist eine Nähe die wie das Wasser um das Schiff um beide herum spielt.

Carla stellt im vierten Monat fest, daß sie schwanger ist, ihre Versichertenkarte kann sie nicht benutzen weil sonst bis sie 18 ist ihr Vater über ihren Aufenthaltsort informiert würde, die illegale Abtreibung des Kinds von dem man auf dem Ultraschall schon das Köpfchen sieht, bekommt sie nicht übers Herz, und so geht sie Carla mit Lucies Versicherungskarte zu allen Vorsorgeuntersuchungen und bekommt unter Lucies Namen das Kind, die dieweil mit Kissen ihrer Umwelt, v. a. dem zuständigen Sozialarbeiter, ihre Schwangerschaft sugeriert und sich um das Kind kümmern will, wenn Carla nach Lyon geht.

Zwischen den beiden entspinnt sich eine persönliche, ehrliche Beziehung, und das Aufeinanderprallen von Bonzentochter und Heimkind in einer Plattenbauwohnung mit Säugling, Heimarbeit und Erpressung des mitwohnenden, mitwissenden, drogenabhängigen Bruders Lucies wird sehr authentisch gezeigt.

Hinter mir saßen zwei „Münchner Beste Freundinnen“ im Kino, die alles kommentiert haben und für die der grüne Hang hinter dem Plattenbau, bei dem Carla auf einem Spaziergang Lucie bittet mit ihr nach Lyon zu gehen, nur häßlich gewirkt hat, aber für mich war es wie ein Teil meines eigenen Lebens: Auch wenn alles noch so verbaut ist, gibt es immer noch Pflanzen die da durchwachsen, und wenn man mit jemandem den mag mag über eine Wiese läuft, dann ist das gut und nicht wichtig wo.

Es gibt einige Aufnahmen von den Lichtern der dunklen Stadt, und das hat mich daran erinnert, daß ich die Lichter im nächtlichen Berlin immer als meine Verbündeten empfunden habe, als verlässliche Freunde, die ich kenne, die mich kenne und die eine angenehme Stetigkeit habe. Das ist schwer zu erklären, das hat etwas mit Aufgewachsensein zu tun, sich als Kind zurecht zu finden in dieser Welt und sich mit dem zu verbrüdern was man vorfindet, für manche Kinder mag das der Familienhund sein, für mich waren es die Lichter, ganz besonders wenn sie sich in den regennassen Straßen reflektierten, darüber dunkel ahnbare Bäume und weit oben der Stern vom ICC – nicht ästhetisch schön nach Münchner Art, keine Giebel und Holzbalkone, aber gut wie es ist, verläßlich und vertraut und zugetan.

Ich mochte den Film sehr. Auf dem Rückweg war mir bewusst, wieviel Heimat ich mitgenommen habe aus Berlin, meine Heimat ist man selbst zu sein in aller Häßlichkeit. Seitdem trotte ich meine Arbeit ab, genieße die kurzen kargen Momente des Draußenseins, warte auf etwas andres, stoisch, stark wie ein Esel.

Beim Lesen 23. Februar 2008

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, gereist, im Kino.
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hat mich der letzte Eintrag selbst genervt. Aber er stellt ganz gut da, wie roh die Sachen die ich hier mache noch nebeneinanderstehen. Ich mache unheimlich viel und will das festhalten – aber ich sage nichts dazu. Es ist so … daß mich das pure im Publikumsein, im Kinositzen, Zumtheaterlaufen, glücklich macht, weil es das ist, was mir noch von der Heimat geblieben ist nachdem meine Eltern es mal wieder für den besten Weg gehalten haben, es ohne mich zu versuchen.

Ich erinnere mich an die Vorfreude, die ich in München hatte, wenn ich an Berlin dachte, und ich finde etwas das dem gerecht wird, wenn ich Dinge mache, die ich immer schon geliebt habe. Und all diese Erinnerungen und Gefühle lassen sich eben nicht verlinken. Auch wenn sich Erinnerungen so anfühlen wie eine lange Verlinkung. Ja, gestern im August Fengler, verlinkte oder verband sich mein Gehirn mit Erinnerungen an vorige Abende da, auch das Döneressen im Alibaba steht für einen ganzen Sommer und die Gefühle und Gespräche die ich damals hatte, für V und mit K. Jede Nacht um drei Börek!

Und trotzdem war das wirklich erlebte das Neue, was ich noch nicht einordnen kann. Die Gespräche diesen Winters, nicht des vorvorigen Sommers, und meine Versuche mit den Verletzungen zu leben, die meine Eltern mir zufügen.

Das ist es, was passiert, es ist neu, es ist spannend wie ein Gummituch über spitzen Steinen, und ich kann nichts darüber schreiben, weil ich nicht drüber stehe. Das würde das Gummituch vermutlich auch gar nicht aushalten.

geschrieben am 29. Dezember, dann passierte einiges Unvorhergesehenes, das mich den Eintrag nicht vollenden ließ. 4. Januar 2008

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Marzipankartoffeln oder vorzeitiger Jahresrückblick

In meinem Zimmer steht noch die kleine Bank mit Bettlaken darüber die ich als Tisch benutze, darauf der Wasserkrug und eine Flasche halbvoll mit Himbeersirup. Gestern hatte ich Gäste, und ich mag nicht einmal mehr den Tisch ansehen der mich an sie erinnert. Letzte Woche hatte ich auch Gäste, das war schön. Es waren nur Freunde da, nur Leute, die ich von Herzen mag. Gestern war nur eine Person da, die ich nicht mag, sonst nur Menschen über deren Wiedersehen ich mich sehr gefreut habe, und trotzdem hat das verhindert, daß ich mich wohl fühlte. Es gab oft lange Momente in denen niemand etwas sagte, und ich wäre die letzte gewesen, diese Momente mit etwas zu füllen, das mir wichtig gewesen wäre, dazu war mein Vertrauen zu gering. Vielleicht bin ich zu ängstlich. Vielleicht bin ich nur vorsichtig. Auf jeden Fall bin ich sensibel.

Ich habe darüber nachgedach, warum ich V nicht mag, aber darf man nicht einfach die Freunde seiner Freunde nicht mögen? Muß es immer ein lösbares Problem sein? Ich mag das Unterbrechen nicht, die Rechthaberei und vor allem nicht, daß sie nur über sich redet. Am Sonntag den vierten Advent war ich vier Stunden mit ihr spazieren und brach einen Streit über die Teilnahme von Protestanenten an der Eucharistie vom Zaun dessen Meinung ich nicht einmal teile, um das erste Thema auszuwalzen bei dem es nicht nur um sie ging. Nach diesem Spaziergang ist für mich klar daß ich sie nicht mag, aber sie hält uns für Freunde. In den Zeiten in denen es mir nicht so gut ging hat sie sich ein Dreivierteljahr nicht gemeldet und das auch so begründet, daß sie anziehend an mir fände, daß ich so fröhlich sei, und wenn ich es nicht sei, sie es nicht anziehend fände. Jetzt kam sie wieder nach München nach einer Reise und fand, daß es mir besser ging, daß meine Ausstrahlung viel besser geworden sei, man mir die besseren Umstände ansähe, und jetzt meldet sie sich täglich. Wie komme ich da nur wieder raus? Sie merkt nicht, wie kühl ich mich verhalte, daß sie so was nicht merkt gehört ja zu dem ganzen Paket an ihr das ich nicht mag. Unfreundlich zu sein scheint kein Weg zu sein sie zu vertreiben. Eine Möglichkeit kam mir in den Sinn, ihr nämlich den Eindruk zu verschaffen, es ginge mir schlecht, damit sie sich wieder ein halbes Jahr nicht melde, aber derlei Theater ist mir zu anstrengend und das Risiko mir zu hoch, daß es nach hinten losgeht, daß sie, nachdem sie die Annehmlichkeiten meiner fröhlichen Seite wieder vor Augen geführt bekommen hat, sich jetzt um mich kümmert um möglichst schnell wieder in den Genuß derselben zu kommen. Außerdem geht es ihr im Moment gerade so schlecht, daß sie sowieso kein Leid neben ihrem (nach acht Jahren und davon vier Jahren Unentschiedenheit und Unzufriedenheit ihrerseits hat sich ihre Freund von ihr getrennt, und nun will sie ihn doch leidenschaftlich wieder) gelten läßt und auch nicht für interessant genug hält, die Schilderung ihres Leids mehr als zwei versuchte Worte zu unterbrechen bevor sie wieder dem Uninteressantes Erzählenden ins Wort fällt mit den wirklich wichtigen Dingen in ihrem Leben.

Nun, das war gestern. Ich habe gut geschlafen und gut geträumt, so daß ich mir beim Aufwachen sicher war, daß sie nur meine Oberfläche berühren konnte, während alle meine anderen Gäste meinem wahren Selbst wirklich nahe kamen (wie ich das im Traum begründen konnte bleibt mir im Nachhinein schleierhaft. Ich habe es Wachen versucht nachzuvollziehen, denn dieser Gedanke erfüllte mich mit ruhigem Glück und ließ mich mich in meinen Laken und in meinem Leben wohlfühlen, aber der Sinn dahinter blieb mir verwehrt, nur das Gefühl blieb und ich versuchte es über den Tag hinwegzuretten. Diese Weihnachten habe ich Unmengen an Süßigeiten (und ich mag keine Süßigkeiten) geschenkt bekommen, aber kein einziges Buch zu dem immerhin in die Richtung gehenden Lesezeichenkalender. Dafür habe ich selbst Massen an Büchern verschenkt, aber nichts Süßes, man schenkt ja immer das das man selbst mag, darum bin ich von den Süßigkeiten auch nicht verletzt, ich weiß ja, daß die Schenkenden sie selber mochten. Aber für mich gehört das zu der Zeit nach Weihnachten, mich mit einem Stapel Büchern und Marzipankartoffeln in die Laken zurückzuziehen und ihn herunter oder heruaf zu lesen. Dazu muß ich sagen, daß ich immer noch “Schnee” lese, immer noch angetan, immer noch begeistert von der Sprache und dem Stil und den Frechheiten des Autors, aber zwischendurch bereits von der tiefen Überzeugung, die Geschichte nähere sich ihrem Ende erfüllt, nach zahlreichen Verwicklungen und Zusammenhängen was die handelnden und erscheinenden Personen betrifft, die sich immer noch überbieten (also die unerwarteten Zusammenhänge, die von fern verehrte Schönheit, die der Koranschüler, den der Protagonist als Boten zu einem Terroristen kennen lernt und väterlich zu lieben beginnt, in seinem Science-Fiction-Romanentwurf (auf einem fernen Stern hat sich die Überlegenheit des Islam endlich gezeigt) zu verewigen versucht hat, stellt sich nicht nur als die Schwester der Angebeteten des Protagonisten, wegen der er überhaupt in die verschneite Grenzstadt gereist ist und die obendrein Ex-Gattin des sich kurz vor einem Wahlsieg befindlichen Bürgermeisteramtskandidaten der islamischen Partei ist, heraus, sondern außerdem, viele Seiten später als die Geliebte des Terroristen, mit dem sich der Protagonist später in einer höchst prekären Situation in einem Verließ wieder finden wird, wie uns der gemeinerweise vorgreifende Erzähler schon recht früh mitteilte.

(Absatz) Ich lese also immernoch “Schnee” und befinde mich, nach einer meiner Meinung nach bereits eines umfagreichen Romans würdigen Geschichte ungefähr mitten in der Hälfte. Nun mag ich das Buch sehr, aber es ist schon auch recht traurig. Tod kommt sehr oft vor, und es verteilt sich eine Menge Blut über die weiß eingeschneite Stadt, das der Protagonist zwar so gleich für ihm stetig wie der Schnee einfallende Gedichte vergißt, das Geschehen aus meiner Sicht aber doch überschattet.

(Absatz) Zwischendurch habe ich also kurz “Lyras Oxford” gelesen, sehr fein, auch wenn mich die Optik der zum gleichen Zyklus gehörenden Trilogie der Dunklen Materie, im Heyne Verlag grellbunt beumschlagt, etwas verunsichert hat, ist die Erzählweise und Sprache so wunderbar wie in der “Rubin-im-Rauch”-Trilogie, ebenfalls von Philip Pullman, die ich vor langer zeit und noch mal vor zwei Jahren gelesen habe und sehr gut finde. Weiterhin irritieren mich die Fantasy-Elemente bei Lyra. Mit Fantasy kann ich überhaupt nichts anfangen, mich faszieniert zu sehr, was in der wirklichen Welt bereits alles an Zauberhaftem abgeht, und das darf auch gern einen Touch magischen Realismus haben (aber nur ein bißchen, Garcia Marquez und fliegende Teppiche ist mir schon wieder zu viel, besser nur ein paar seltsam alte Leute bei denen der Verdacht aufkommt, sie lebten übernatürlich lang wie in meinem heißgeliebten, aber völlig unbekannten “Feuer und Schierling”, was aber nur nebenbei und nicht handlungstragend vorkommt), allerdings ist die Figurenzeichnung so erfreulich, daß ich bereit bin, um die jeden Menschen (Bzw. Wesen) begleitenden Seelen in Tierform zu akzeptieren, die diese Welt bevölkern und mit den zugehörigen Menschen sprechen und diskutieren. Das hat den dramaturgischen Effekt, daß man keine Ammen wie bei Romeo und Julia braucht, um die Zuschauer über die Gedanken der Protagonisten zu indormieren, man kann außerdem die Entwicklung in den Gedankengänge zeigen und deren Details mit Humor ausschmücken, viel besser als wenn sie nur in indirekter Rede oder im Stream of Consciousness gezeigt würden.

Nun, nach der Lektüre des kurzen, kleinen, rot-leinenen “Lyras Oxford” mit hinteingelegtem Stadtplan ebendieser Stadt, eingeklebten versandten Postkarten, einem Auszug aus dem fiktiven Baedeker (der jene seltsamen Seelenwesen ebenfalls kennt) und Werbung für ein fiktives Kreuzfahrtschiff, traute ich mich aber noch nicht an die zugehörige grellbunte Trilogie heran, falls sie mir gefällt, wird sie mich für einige Tage gefangen halten, und das könnte einem gemeinschaftlichen Jahreswechselbegehen empfindliche im Wege stehen. Ja, der einigermaßen noch in der realen Welt beheimatete Leser, der ab und zu einen Blick auf die an die Litfaßsäulen der Stadt geklebten Plakate wirft oder auch nur ein wenig Deutschlandradio hört oder eine mehr als flüchtige Beschäftigung mit einem beliebigen Feuilleton in letzter Zeit hinter sich hat, könnte erkannt haben, daß es sich bei der Dunkle-Materie-Trilogie um die Romanvorlage eines aktuellen Kinofilms mit Nicole Kidman handelt. Ich kenne ihn nicht und fand auch die Besprechungen höchst unsympathisch. Schon wieder Herr-der-Ringe-Epik? Nein, bei der Dunkelheit brauche ich was zum Wachmachen. Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeigen. Schon wegen der Kidman. Hollywood hat ja, während das Unken der europäischen Kulturbeflissenen auf und abschwoll, ebenso kontinuierlich große Schauspieler hervorgebracht. (Auch Jude Law ist so großartig wie unsympathisch, Scarlett Johannson kann spielen, auch wenn sie ihren Brüsten Namen gibt, Edward Norton hatte fast nur merkwürdige Filme, aber immer einen großen Auftritt, Cate Blachett kann fast alles, trotz aller religiösen Verblendung Tom Cruise

neben Größen wie Robert de Niro, Jodie Foster, Meryl Streep, aber diese Aufzählung kann nur dazu führe, jemanden auszulassen, also beginne ich gleich hier damit. Diese alle können spielen als wäre nie in Frage gestellt, daß Kunst magische Kräfte hat.)

(Absatz)Nur gibt es grad noch so furchtbar viel andere Filme, die ich noch sehen will, Persepolis, Vanessa Joops (”Komm Näher” war gigantisch) Schöne Bescherung, Mein bester Freund bei dem ich durch eine Fehlklebung des Kopierwerks bislang nur die ersten drei Teile gesehen habe (dafür kam ich dann in Dialoge mit meinem Gärtner mit demselben Schauspieler, der (Film, nicht nur der Schauspieler) mir sehr gefallen hat, als Entschuldigung des Kinos umsonst, so daß mich mein Begleiter gar nicht einladen konnte), denn ich habe erst jetzt wieder Zeit ins Kino zu gehen nach den Zeitengpässen des Semesters.

(Absatz) Ansonsten kam in mein beschauliches Marzipan-Schlafanzug-Laken/Korbsessel-Buchseiten (deren Pervertierung und genaues Gegenteil die Druckseitenwüste war, aus der ich erst letzten Freitag entflohen bin) – Paradies der Postbote und klingelte mit alles hat seine Zeit des norwegischen Karl Ove Knausga°rd, einem Roman der sich neben dem Alten Testament ausstreckt, behaglich und bescheiden, wortgewandt und würdig, voller Phantasie und Faszination für die alte und überhaupt die Sprache, die alten und überhaupt Texte, Wunder und überhaupt die Welt.

(Absatz) Das ist schön hier. Ich mache aber auch zwei CDs für J gerade. Sie ist 18, hat dieselben Leistungskurse wie ich sie damals hatte. Ich habe sie im Sommer in Frankreich kennengelernt, und seitdem treffen wir uns regelemäßig, nie seltener als einmal in der Woche, meistens öfter. Sie ist klein und schmal und zierlich, sie liest gerade Judith Hermann, nachdem wir zusammen in Nichts als Gespenster waren, sie ist sehr still und überrascht darum umso mehr mit einer detaillierten, warmen, radikalen Herzlichkeit. Und ich mäste sie leidenschaftlich gerne.

(Absatz) Wo ich jetzt dabei bin, die wichtigen neuen Konstanten in meinem Leben nach dem Sommer zu schilden, muß ich A erwähnen. Ich habe das bisher kaum getan, auch wenn seinetwegen mein Leben in letzter Zeit sich als das dem Blog seinen Namen gebende Echtzeitmärchen gebärdet hat.

(Absatz) Nach einem gemeinsamen Taizégebet Ende August traf ich mit Ri und Ba auf der Suche nach einem Kinofilm vor dem Gloria am Stachus einen jungen Schweden, der für einen Tag nach München gekommen war, um ein Zimmer ab Anfang September zu mieten und auf der Suche nach einem originalsprachigen Kino war und uns ansprach, weil er die Taizéanhänger von Ba und Ri erkannte. Wir gingen also ins Kino, in Hairspray, worüber ich damals, glaube ich, auch gebloggt habe, einem Screw-Ball-Musical mit politischer Korrektheit in Bezug auf Rassismus und auf Gender, sieht man einmal davon ab, daß eine Frauenrolle mit John Travolta brillant besetzt war. Danach aßen wir noch ein großes Eis und unterhielten uns obwohl es schon Nacht war und blieb. Wir fanden ihn alle drei toll, und erschwerend kam hinzu, daß Be, die vierte im Bunde unseres gemeinsamen Zelturlaubs, ein Jahr in Schweden gelebt hat und von allem Schwedischen begeistert ist (oft anzutreffen bei einjährigen Aufenthalten in der Jugendzeit, ich denke, jeder kennt so jemanden). Er gab uns allen kleine bläuliche Visitenkarten, die anderen beiden auch Emailadressen, alle Arten von Nummer und ich ihm nur meine Festnetznummer.

(Absatz) Und bald darauf machte ich ein Curry (Curries haben eine lange Geschichte in meinem Leben, sagen wir seit 2002, und bekommen einen eigenen Eintrag) und lud ihn per Telefon dazu ein. Obwohl er vorher nicht mehr als eine Erinnerung an eine Episode war (wie sie auch M ist, der mir im August, kurz bevor ich nach Frankreich fuhr, illegal und sehr günstig, obwohl Apple-Angestellter, mein Macbook reparierte und einige Stunden bei mir blieb und nachher noch mit mir spazieren ging, aber da ich mich nicht traute, ihn noch einmal anzurufen, weil er einen für mich nicht einzuordnenden Ring trug), brachte seine Stimme mich sofort in einen Zustand den man mit Eis essen gut umschreiben kann, wozu man wissen muß, daß es von meiner Süßigkeitenabneigung die Dreierausnahme Negerküsse, Schokoladensoufflé und Eis gibt.

(Absatz) Leider war er gerade nicht in München, und dieses Telefonat ist nicht weiter erwähnenswert für irgend etwas außer daß mich die Erinnerung daran, wie sehr ich von einer einzelnen Stimme umgehauen werden konnte, im Nachhinein immer noch überrascht. Wir aßen also ohne ihn, und an diesem Abend begann tatsächlich meine Beziehung zu Ba zu bröckeln, die an diesem Abend sehr aggressiv war und immer wieder die Sprache darauf brachte, wir würden uns wegen “dem Schweden” zerstreiten.

(Absatz) Als dieser endlich fest nach München gezogen war, war sie es, die sich hauptsächlich mit ihm traf. Wir anderen drei waren immer unterwegs wenn sie Treffen mit ihm ausmachte, meistens nicht einmal in München. Schließlich weihte sie uns ein, er habe ihr seine Freundin vorgestellt und wir bräuchten ihn also nicht mehr zu treffen. Daß traf mich damals kaum, weil ich ihn seit jenem Kinoabend im Spätaugust nicht mehr gesehen hatte und er in meinem Leben nicht vorkam, und ich verstand nicht, warum wir ihn nicht mehr zu treffen bräuchten, weil Sympathie ja nicht davon abhängen muß ob jemand als Partner in Frage kommt, nicht einmal abhängen sollte, finde ich ernsthaft. Nun, aber das gehört zu meinen Konflikten mit Ba. Sie hatte daraufhin Geburtstag, und bei dieser Feier sah ich A das erste mal wieder. Ich nahm mir zu Herzen daß er eine Freundin hatte und sprach kaum mehr mit ihm als mit anderen die ich an diesem Abend das zweite mal sah, landete aber schließlich doch auf einem Sofa mit ihm und wurde sogar noch von ihm bis an meinen heimatlichen Ubahnhof gebracht, von dem aus er ein Taxi nahm. Im Auto eines Bekannten dorthin sprachen wir über das Besondere mancher Sommerabende und er fragte mich,  ob ich mich daran genauso erinnert habe. Es war ein komischer Abend, da an ihm offensichtlich wurde, daß meine Freundschaft zu Ba zerbrochen war, und Ba war die, mit der ich aus verschiedenen Gründen in Frankreich die meiste Zeit verbracht hatte.

(Abend)

Grad habe ich noch einmal nachgeguckt, wann das war, und es hat mich überrascht, festzustellen, daß das am 8. Oktober war, so kurz also vor dem 13., einem Samstag an dem am Nachmittag mein Telefon klingelte und mich A fragte, ob ich mit ihm einen Kaffee trinken wollte, weil er gerade in der Stadt sei um einzukaufen (trotz aller Unkenrufe Ris die findet, ich wohne zu weit östlich, wohne ich recht nahe der Innenstadt). Wir gingen also Teetrinken am Viktualienmarkt und sprachen über alles was uns wichtig war. Über Bücher und Menschen und Sprache und Reisen und Länder und Heimat und Freundschaften und über Musik, Musik, Musik. Mich kann man hier in München schon damit überraschen, Belle and Sebastian zu kennen, das kennen selbst Leute, die in Bands spielen oft nicht, wie auch Bob Dylan in einem großen Freundeskreis in dem ich mich bewege völlig unbekannt ist (ich glaube, er läuft nicht auf Bayern 3), jedenfalls kannte er sie und meinte, wenn ich die möge, dann müsse er mir We’re From Barcelona empfehlen, eine Band, die den ganzen Stolz einer schwedischen Kleinstadt ausmache. Und das ist eine Band, die ich seit etwa einem Jahr sehr mag, und nie versucht hätte, jemanden danach zu fragen, ob er sie kenne. Naiv hatte ich sie aber als genuin katalanische Band angesehen. Irgendwie entpuppt sich gerade sehr viele Musik als schwedisch, von der ich mich nie gefragt habe, wo sie her kommt, auch Kristofer A°ström, Pelle Carlberg, Mando Diao, Moneybrother. Die hier verlinkten Billie The Vision And The Dancers waren dagegen schon meine Lieblingsband als ich A erst traf, und bei ihnen war mir ihr Urspung sogar schon bewußt, so daß ic hihn darauf anspruch, als ich ihn das erste mal sah.

(Absatz) Er zahlte ganz klassisch für uns beide, und ebenso klassisch verabredeten wir uns für ein Konzert in der nächsten Woche und dafür, noch einmal vorher zu telefonieren. Ich glaube, es war das klassischste Date, das mir je untergekommen ist.

(Absatz) Ich bin gerade wirklich überrascht, daß das so bald nach unserem ersten Wiedersehen war. Jedenfalls ging alles weiter seinen Gang. Musik war für mich lange eine vertonte Form von Lyrik. Ich konnte fast alle Texte zu der Musik die ich hörte, weil ich auf diese am meisten achtete, wenn ich Musik hörte. Eigentlich hörte ich nicht viel Musik, denn die Texte konnte ich ohnehin meistens auswendig und mir im Kopf rezitieren, das habe ich tatsächlich oft getan. Ansonsten gab es bestimmte Musik, die ich als Hintergrund hörte, um zu schreiben, damals schon in diesem Sessel, in dem ich auch jetzt sitze, das war Romeo und Julia und das Klavierkonzert von Tschaikowsky und God Shuffled His Feet von den Crash Test Dummies und eine irische Platte meiner Eltern deren Namen ich nicht mehr weiß.

(Absatz) Wirklich Zeit mit Musik verbringe ich erst seit dem Frühjahr 2005, auch wenn die erste Platte, bei der ich nicht auf den Text hörte und sie trotzdem liebte, Chutes Too Narrow von den Shins war (zu denen ebenfalls ein Link dieser Seite leitet), die ich im Sommer 2004 das erste Mal aus den dicken Kopfhörern eines Leipziger Plattenladens hörte. Damals war ich gerade erst kurz aus Israel zurück, reiste nach Barcelona, las oben erwähnte Rubin-im Rauch-Trilogie, und stolperte darüber, daß ich all die roten Kleidungsstücke die ich mir in der das Leben infrage stellenden Atmosphäre in Jerusalem gekauft hatte und die meinen zuvor undurchbrechlich (abgesehen von einer halbherzigen Schwarzphase im Jahr 1997) konsequenten Dunkelblau-Weiß-Kombinationen das erste Mal etwas Neues hinzufügten, nicht mehr miteinander kombinieren konnte. Ich glaube mich erinnern zu können daß das der Beginn des Einzugs von Orange in meinen Kleiderschrank war.

mein Notizbuch 27. August 2007

Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gelebt, geschrieben, gesehen, im Kino.
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ist voll von Dingen, die ich bloggen will, aber wenn ich am Rechner sitze, habe ich keine Lust, sie abzutippen oder auszuformulieren.

Seit einer Woche bin ich wieder aus Frankreich da, bin 27 und habe Besuch von meiner besten Freundin. München ist schon schön aber mir fehlen die alten Bäume am Schlachtensee.

Gestern kamen wir verplant zu spät in die OV-Fassung von „Angel“ von Francois Ozon in den Museumslichtspielen, die ausgefallen waren weil niemand gekommen war, und die beiden Kerle im Kino haben den Film dann doch noch für uns angeschmissen, so daß wir ihn von vorne gesehen haben und ohne Werbung, in dem altmodischen überladenen Saal 2, in dem sonst immer die Rocky Horror Picture Show läuft (oder?). Der Film ist perfekt inszeniert und die Darsteller großartig, aber er ist leider nicht halb so zynisch und kalt wie ich es nach den Rezensionen die ich gehört und gelesen habe vermutet habe, und ich hätte mir auch noch einen zweiten Mann gewünscht … (ich dachte ich hätte davon gelesen und habe bis zum Ende des Films darauf gewartet.)

Weiterhin gehe ich brav meinen Sekretärinnentätigkeiten nach und habe schon einen recht schönen Sekretärinnen-Schreistil elaboriert.

Parallel sammle ich gerade alle nötigen Unterlagen für die Bewerbung für die Böll-Stiftung. Am Samstag ist der „Einsendeschluß“. Lebenslauf auf eine Seite mit Angabe über Art und Dauer der Auslandsaufenthalte und Dauer und Art der Betätigung bei Praktika, außerdem soziales Engagement und wissenschaftlicher Werdegang, das wurde bei mir eine arge Quetscherei und Formatquälerei. Es sollte nämlich auch noch 12punktschrift sein. Und unendlich kann man die Seitenränder ja auch nicht überstrapazieren. Aber auf Zeilenabstände habe ich weitgehend verzichtet …
Das Motivationsschreiben wird in Galiläa beginnen und vielleicht im Asylverwahrungsbunker Berlin enden. Es kam mir an der Isar in den Sinn und ist wenigstens nicht so theoretisch wie meine ersten Entwürfe über Menschenwürde.

Habe zwei Freundinnen ein WordPress-Blog angelegt. Ich finde WordPress tatsächlich das Beste, was es zum Bloggen gibt. Vielleicht bin ich auch nur ein myblog-gebranntes Kind. Außerdem gefällt mir aber der Name. Eine Druckerpresse, die Worte in Druckerschwärze auf Papierbahnen knallt, ist für mich der Wunschtraum für jeden Buchstaben den ich hier tippe.

Damit wären wir wieder bei „Angel“: Einen Roman, Wort für Wort in Tintenschrift in vier Schreibbüchern einzuschicken, überhaupt schon zu schreiben, das ist für mich wie die Hochzeitstorte in mehreren Stockwerken für einen Zuckerbäcker.

Außerdem in diesen Wochen: Wie Frankreich war, das Zelten, wie ich einen Tag knochenhart in einer Modeboutique in Baden-Baden gearbeitet habe, und von meinem berlinernden Freund S im Hofbräuhaus schreibe ich hoffentlich demnächst an selber Stelle. Jetzt muß ich aus der heißen Bib raus in den schwülen Münchener Sommer. Es ist halt doch August.

Irgendwie 26. Juli 2007

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gelebt, gelesen, gesehen, im Kino.
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komme ich schon sehr lange nicht zum bloggen. Nicht, daß ich so viel zu tun hätte oder daß ich nichts ins Internet käme. Nichts, daß nichts Berichtenswerte passierte.
Im Gegenteil, ich sitze viel hier im Büro, mit dem Blick in den baumbestandenen Innenhof voller gelbweißen Lichts, in einem ruhigen Institut, zwischen verschiedenen Word- und Pages- Dokumenten hin- und herklickend, und zu Hause schiebe ich mit der gleichem Ruhe aber anderem Lichteinfall all meine Mitschriften in immer wieder neue Stapel und hefte sie sortiert in Ordner, lese dabei Artikel und Aufsätze und wundere mich, wie viel mehr das alles ist als ich gedacht habe.

Zwischendurch ist Sommer. Die Isar ist sehr sauber und hat einen starken Strom, an einer Brücke reinzuspringen und sich bis zur nächsten treiben zu lassen ist wie den Nil auf einem Schiff runterzufahren, und links und rechts treibt alles an einem vorbei, oder auf einem Fließband am Flughafen zu stehen. Über der Wasseroberfläche liegt ein dicker Teppich von Mücken und Insekten und macht das ganze fast schon ländlich.
Ich koche zwei Mal am Tag, manchmal nur Beeren um sie mit Eis zu essen, meistens aber immer kompliziertere Sachen, weil es langweilig ist, etwas zweimal zu machen, und verändere immer etwas ein wenig.
Ich habe noch nie so regelmäßig gegessen wie zur Zeit.

Im Freiluftkino kam vor zwei Wochen „Der letzte König von Schottland“, ich fand den Film sehr gut, wenn ich auch zweimal nicht mehr hinschauen konnte. Eine Freundin meinte neulich am Telefon, sie fand das Ende schlecht, weil es so hollywoodartig ist, das war mir gar nicht aufgefallen. Ich fand ihn gut, weil er die Einstellung vieler Europäer zu Afrika auch heute noch recht gut trifft:

Irgendwie ist das alles nicht echt, daß die Menschen in Afrika sterben, irgendwie ist das alles ein Spiel. Und wir könnten den Afrikanern helfen, wenn die nur wollten. Ohne Ausbildung würde sich in Deutschland niemand für fähig halten, die Bundeskanzlerin zu beraten, aber in einem afrikanischen Staat wäre es verantwortungslos, wenn wir die Bitte um Beratungshilfe ablehnen würden – eine Ausbildung in Medizin muß da reichen, um einen Staat zu lenken.

Und natürlich ist es ein Film über Macht so wie ich sie kennengelernt habe: Derjenige, der sie hat, ist immer davon überzeugt, daß niemand sein Amt so gut ausfüllen kann wie er selber, und tut alles, um sich an der Macht zu erhalten, auch wenn das die Vernachlässigung oder Veruntreuung seines Amtes bedeutet.

Irgendwie: und dann sind da noch meine Gespräche mit Professoren, die Zeit haben, weil Sommer sind, und bei denen ich mich wohl fühle wie auf dem Leseteppich meiner Kindheit, und es sind Feste und Feiern, betrunkene Menschen und Freunde und ich gehe durch die Welt und setze einfach durch was ich will, ohne Umwege zur Zeit, ohne meinen Willen zu relativieren. Macht?
Es ist Sommer. Alles scheint nicht so ernst.

Und es geht mir gut. Ich werde heute noch eine sms schreiben von einer Telefonzelle aus bevor jemand in die Wüste fährt. Und es gibt ein neues Album von Billie The Vision (siehe links), ich habe es noch nicht gehört.