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endlich der neue 23. Juni 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gehört, im Ohr.
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Radiotatort, mit Marie-Lou Sellem, die ich mag seit ich sie in Nichts Bereuen als etwas ältere Krankenschwester gesehen habe, die Daniel Brühl anlernt und entjungfert.

In diesem Tatort verbrennt eine Bücherei, und ein Autor ist entsetzt über die zu verloren gehen drohenden Autographe und Manuskripte. Das erinnert mich an den Nachruf, den Günther Wallraff über seine verschollenen unveröffentlichten Texte, die mit dem Kölner Stadtarchiv verschüttet wurden, in der ZEIT veröffentlicht hat. Und es erinnert an die brennende Bibliothek Umberto Ecos Im Namen der Rose. Es scheint auch um aus ideologischen Gründen gestohlene Texte zu gehen …

„Das Wetter ist so … flüssig“, 23. Juni 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, im Ohr.
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sagte heute einer Bekannten Bekannte. Das ist poetisch und wahr. Wie immer zeigt sich, wie hilfreich es ist, um eine Sache präzise auszudrücken, der verwendeten Sprache nicht vollkommen mächtig zu sein. Ich dagegen sage zur Zeit meist nur „Es ist Herbst. Ich habe mich damit abgefunden. Ich trauere nicht mehr um den Sommer.“

Von Belle & Sebastian gibt es ein Lied mit dem Namen „A summer wasting„. Ich glaube, es ist auf der Platte The Boy With the Arab Strab, jedenfalls habe ich es das erste Mal gehört, als es Winter war. Ich kenne das Gefühl, es ist Sommer, das Wetter ist schön, aber ich schlafe am Tag und bin nur nachts wach und da auch nicht draußen, und ich weiß: Ich verschwende diesen Sommer. Oder zumindest an diesem Tag diesen Sommer. Wobei „Verschwendung“ im Deutschen noch nach verschwenderischem Luxus klingt, nach Vergnügen, wenn auch unsachgemäßem. „Schlecht werden lassen“ träfe es vielleicht besser und hätte fast die Poesie des oben genannten Ausdrucks. Sich an so etwas im Winter zu erinnern, ist besonders plastisch – der Zeit in der man jedem einzelnen Sonnenstrahl hinterherweint, sich nach Licht in jeder Form sehnt oder einfach danach, draußen sein zu können ohne vor Frieren zu verkrampfen.

Dies ist der erste Juni seit ich dieses Blog schreibe, das mein Blog hauptsächlich über die Suchanfrage „Ölofen anzünden“ gefunden wird. Das charakterisiert diesen Juni in meinen Augen ausreichend.

Hagel der durch mein Fenster prasselt schneller als ich es schließen kann, ja schneller als ich die Pflanzen wegräumen kann vom Fensterbrett um an das Fenster zu kommen 22. Mai 2009

Posted by echtzeitmaerchen in gehört, gelebt, im Ohr.
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Gestern dieser freie Tag. Genug Zeit für die ZEIT, für M, für Tee, und die Sonne hatte einen dunklen, warmen Farbton, in dem Licht das sie dahin schüttete wo ich war.

Das Konzert von Dota der Kleingeldprinzessin im Feierwerk, sehr voll, viele Bekannte getroffen, nette Überraschungen, auch eine unangenehme, aber die beste: Die Musik war tanzbar, und es wurde sogar gepogt (mehr überraschend als bestens). Und ein geschenktes Sandwich von den Leuten die hinterm Haus grillten. Und der Boden bebte mehr als das Konzert vom unter dem Konzertsaal liegenden Club.

Wenn es still war, bebten nur die Füße.

Jan Rohrbach ohne Ukulele aber mit Melodika.

Vormusik be the food of love 11. Mai 2009

Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gehört, im Ohr.
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Gestern im Ampère spielten Babylon Circus, mit Jamaram als Vorband. Zwei Jahre lang war „De la musique et du bruit“ von Babylon Circus auf jedem meiner Mixtapes, wer damals eins von mir bekommen hat, erinnert sich vielleicht, es war meistens unter den ersten sieben Liedern.

Gestern habe ich endlich das Prinzip Vorband begriffen: Zuvor waren das für mich Bands, die eine nette Entdeckung waren: Mexican Elvis bei The Good Life, Duné bei Moneybrother, manchmal bin ich auch nur wegen der Vorband wohin gegangen und konnte mit dem Hauptact nichts anfangen, auf jeden Fall habe ich mich immer für eine kleine Band gefreut, wenn sie Vorband einer international bekannten war, aber normalerweise schien sie mir eher als Lückenfüller, damit die Hauptband noch nicht spielen muß, während die Leute langsam eintrudeln. Daß die Vorband ja noch spielt, scheint für Leute fast ein Grund zu sein, später zu kommen. Irgendwo hatte ich zwar schon mal gehört, daß die Vorgruppe dazu da ist, daß das Publikum „eingeheizt“ (wer auch immer solch ein Wort verwendet) wird und schon mal anfängt zu tanzen, aber erlebt habe ich das noch nie.

Das Konzert gestern war der Endpunkt des Deutschlandabschnitts der Tour von Babylon Circus, für den Jamaran die Vorband war. Im Laufe dieser Zeit muß der Kontakt der beiden Bands immer enger geworden sein. Und es klang in den Ansagen so, als hätten die vorangehenden Konzerte lebhafter sein können. Also sagte der Jamaram-Sänger zusammengefasst: Hallo München (Pubklikum: jeah–!) – jetzt zeigt Babylon Circus doch mal was Ihr drauf habt(Pubklikum: jeah–!) – wir haben Ihnen nämlich versprochen, hier in München rockt das Haus!(Pubklikum: JEAH–!!!)

Gesagt werden muß dazu, daß Jamaram aus München kommen, und das letzte Mal das ich versucht habe, auf Empfehlung von Löwenzahn, zu einem Konzert von ihnen zu gehen, war heillos ausverkauft, wie anscheinend immer, wenn sie hier spielen …

Das Publikum war also schon bei Vorkonzertbeginn vollständig versammelt, dicht gedrängt und mit den Hüften aneinander und den Händen in der Höhe am Tanzen.

Außerdem spielten bei beiden Gruppen jeweils auch Musiker der anderen mit, am Ende war eine unüberschaubare Menge von Musikern auf der Bühne, und eine die neben mir stand, packte ihre Posaune aus und kletterte schüchtern über die Absperrung, bis sie der BC-Posaunist heranwinkte und mit ihr die Akkorde besprach.

Die dritte Zugabe (von fünfen) war De la musique et du bruit. Aber das beste war, so viel Glück, ironie- und melancholiefrei in den den Gesichtern des Publikums zu sehen.

Schwesterscheiben 24. April 2008

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gefragt, gehört, im Ohr.
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Die CD  - also, ich meine tatsächlich die Metallscheibe bzw. ihre Rückseite – von our endless numbered days (downloadlink) von iron and wine sieht genauso aus wie The Ghost That Carried Us Away von Seabear, die erste in lindgrün, die zweite in worpressdashboard-hellblau.

In der Artwork vom Seabearalbum steht eine Adresse aus Berlin – das habe ich denen auch abgenommen, obwohl ich sie erst für skandinavisch hielt. Nun sind sie aber doch aus Island.

Kann man den Norden hören?

Lieblingslied: I Sing I Swim (downloadbar. Und wunderschön.)

Tautropfen 11. April 2008

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Was ich sehr mag: Daß auf dem Album „Vive les Cigognes“ von Le Clandestin das Lied Chlotilde viel schöner ist als Chloé. Und Strasburg Paris schöner als Paris Strasbourg.

Außerdem war cigognes das erste französische Wort, das ich gelernt habe, auf dem Platz vor dem Münster von Strasbourg(!).

Die Störche haben mich als Vierjährige sogar von meinem Eis abgelenkt, und es ist zu erwähnen daß ich kaum etwas so liebe wie Eis!

Geschenk zum orthodoxen Weihnachten 9. Januar 2008

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ich habe das ganze Netz und alle Plattenläden nach Platten von ihnen

abgesucht – und dann gibt es die Musik als Gratisdownload auf ihrer

Seite! Ein Lied das ich zur Zeit so sehr liebe, daß es auf der Playlist

für A die ich ihm schenken möchte wenn er aus Indien wieder kommt,

ist dieses hier. Ich liebe die ganze Akustik der Zeile You are charming

…, speziell die des Wortes Charming

geschrieben am 29. Dezember, dann passierte einiges Unvorhergesehenes, das mich den Eintrag nicht vollenden ließ. 4. Januar 2008

Posted by echtzeitmaerchen in gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben, im Kino, im Ohr, im Regal.
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Marzipankartoffeln oder vorzeitiger Jahresrückblick

In meinem Zimmer steht noch die kleine Bank mit Bettlaken darüber die ich als Tisch benutze, darauf der Wasserkrug und eine Flasche halbvoll mit Himbeersirup. Gestern hatte ich Gäste, und ich mag nicht einmal mehr den Tisch ansehen der mich an sie erinnert. Letzte Woche hatte ich auch Gäste, das war schön. Es waren nur Freunde da, nur Leute, die ich von Herzen mag. Gestern war nur eine Person da, die ich nicht mag, sonst nur Menschen über deren Wiedersehen ich mich sehr gefreut habe, und trotzdem hat das verhindert, daß ich mich wohl fühlte. Es gab oft lange Momente in denen niemand etwas sagte, und ich wäre die letzte gewesen, diese Momente mit etwas zu füllen, das mir wichtig gewesen wäre, dazu war mein Vertrauen zu gering. Vielleicht bin ich zu ängstlich. Vielleicht bin ich nur vorsichtig. Auf jeden Fall bin ich sensibel.

Ich habe darüber nachgedach, warum ich V nicht mag, aber darf man nicht einfach die Freunde seiner Freunde nicht mögen? Muß es immer ein lösbares Problem sein? Ich mag das Unterbrechen nicht, die Rechthaberei und vor allem nicht, daß sie nur über sich redet. Am Sonntag den vierten Advent war ich vier Stunden mit ihr spazieren und brach einen Streit über die Teilnahme von Protestanenten an der Eucharistie vom Zaun dessen Meinung ich nicht einmal teile, um das erste Thema auszuwalzen bei dem es nicht nur um sie ging. Nach diesem Spaziergang ist für mich klar daß ich sie nicht mag, aber sie hält uns für Freunde. In den Zeiten in denen es mir nicht so gut ging hat sie sich ein Dreivierteljahr nicht gemeldet und das auch so begründet, daß sie anziehend an mir fände, daß ich so fröhlich sei, und wenn ich es nicht sei, sie es nicht anziehend fände. Jetzt kam sie wieder nach München nach einer Reise und fand, daß es mir besser ging, daß meine Ausstrahlung viel besser geworden sei, man mir die besseren Umstände ansähe, und jetzt meldet sie sich täglich. Wie komme ich da nur wieder raus? Sie merkt nicht, wie kühl ich mich verhalte, daß sie so was nicht merkt gehört ja zu dem ganzen Paket an ihr das ich nicht mag. Unfreundlich zu sein scheint kein Weg zu sein sie zu vertreiben. Eine Möglichkeit kam mir in den Sinn, ihr nämlich den Eindruk zu verschaffen, es ginge mir schlecht, damit sie sich wieder ein halbes Jahr nicht melde, aber derlei Theater ist mir zu anstrengend und das Risiko mir zu hoch, daß es nach hinten losgeht, daß sie, nachdem sie die Annehmlichkeiten meiner fröhlichen Seite wieder vor Augen geführt bekommen hat, sich jetzt um mich kümmert um möglichst schnell wieder in den Genuß derselben zu kommen. Außerdem geht es ihr im Moment gerade so schlecht, daß sie sowieso kein Leid neben ihrem (nach acht Jahren und davon vier Jahren Unentschiedenheit und Unzufriedenheit ihrerseits hat sich ihre Freund von ihr getrennt, und nun will sie ihn doch leidenschaftlich wieder) gelten läßt und auch nicht für interessant genug hält, die Schilderung ihres Leids mehr als zwei versuchte Worte zu unterbrechen bevor sie wieder dem Uninteressantes Erzählenden ins Wort fällt mit den wirklich wichtigen Dingen in ihrem Leben.

Nun, das war gestern. Ich habe gut geschlafen und gut geträumt, so daß ich mir beim Aufwachen sicher war, daß sie nur meine Oberfläche berühren konnte, während alle meine anderen Gäste meinem wahren Selbst wirklich nahe kamen (wie ich das im Traum begründen konnte bleibt mir im Nachhinein schleierhaft. Ich habe es Wachen versucht nachzuvollziehen, denn dieser Gedanke erfüllte mich mit ruhigem Glück und ließ mich mich in meinen Laken und in meinem Leben wohlfühlen, aber der Sinn dahinter blieb mir verwehrt, nur das Gefühl blieb und ich versuchte es über den Tag hinwegzuretten. Diese Weihnachten habe ich Unmengen an Süßigeiten (und ich mag keine Süßigkeiten) geschenkt bekommen, aber kein einziges Buch zu dem immerhin in die Richtung gehenden Lesezeichenkalender. Dafür habe ich selbst Massen an Büchern verschenkt, aber nichts Süßes, man schenkt ja immer das das man selbst mag, darum bin ich von den Süßigkeiten auch nicht verletzt, ich weiß ja, daß die Schenkenden sie selber mochten. Aber für mich gehört das zu der Zeit nach Weihnachten, mich mit einem Stapel Büchern und Marzipankartoffeln in die Laken zurückzuziehen und ihn herunter oder heruaf zu lesen. Dazu muß ich sagen, daß ich immer noch “Schnee” lese, immer noch angetan, immer noch begeistert von der Sprache und dem Stil und den Frechheiten des Autors, aber zwischendurch bereits von der tiefen Überzeugung, die Geschichte nähere sich ihrem Ende erfüllt, nach zahlreichen Verwicklungen und Zusammenhängen was die handelnden und erscheinenden Personen betrifft, die sich immer noch überbieten (also die unerwarteten Zusammenhänge, die von fern verehrte Schönheit, die der Koranschüler, den der Protagonist als Boten zu einem Terroristen kennen lernt und väterlich zu lieben beginnt, in seinem Science-Fiction-Romanentwurf (auf einem fernen Stern hat sich die Überlegenheit des Islam endlich gezeigt) zu verewigen versucht hat, stellt sich nicht nur als die Schwester der Angebeteten des Protagonisten, wegen der er überhaupt in die verschneite Grenzstadt gereist ist und die obendrein Ex-Gattin des sich kurz vor einem Wahlsieg befindlichen Bürgermeisteramtskandidaten der islamischen Partei ist, heraus, sondern außerdem, viele Seiten später als die Geliebte des Terroristen, mit dem sich der Protagonist später in einer höchst prekären Situation in einem Verließ wieder finden wird, wie uns der gemeinerweise vorgreifende Erzähler schon recht früh mitteilte.

(Absatz) Ich lese also immernoch “Schnee” und befinde mich, nach einer meiner Meinung nach bereits eines umfagreichen Romans würdigen Geschichte ungefähr mitten in der Hälfte. Nun mag ich das Buch sehr, aber es ist schon auch recht traurig. Tod kommt sehr oft vor, und es verteilt sich eine Menge Blut über die weiß eingeschneite Stadt, das der Protagonist zwar so gleich für ihm stetig wie der Schnee einfallende Gedichte vergißt, das Geschehen aus meiner Sicht aber doch überschattet.

(Absatz) Zwischendurch habe ich also kurz “Lyras Oxford” gelesen, sehr fein, auch wenn mich die Optik der zum gleichen Zyklus gehörenden Trilogie der Dunklen Materie, im Heyne Verlag grellbunt beumschlagt, etwas verunsichert hat, ist die Erzählweise und Sprache so wunderbar wie in der “Rubin-im-Rauch”-Trilogie, ebenfalls von Philip Pullman, die ich vor langer zeit und noch mal vor zwei Jahren gelesen habe und sehr gut finde. Weiterhin irritieren mich die Fantasy-Elemente bei Lyra. Mit Fantasy kann ich überhaupt nichts anfangen, mich faszieniert zu sehr, was in der wirklichen Welt bereits alles an Zauberhaftem abgeht, und das darf auch gern einen Touch magischen Realismus haben (aber nur ein bißchen, Garcia Marquez und fliegende Teppiche ist mir schon wieder zu viel, besser nur ein paar seltsam alte Leute bei denen der Verdacht aufkommt, sie lebten übernatürlich lang wie in meinem heißgeliebten, aber völlig unbekannten “Feuer und Schierling”, was aber nur nebenbei und nicht handlungstragend vorkommt), allerdings ist die Figurenzeichnung so erfreulich, daß ich bereit bin, um die jeden Menschen (Bzw. Wesen) begleitenden Seelen in Tierform zu akzeptieren, die diese Welt bevölkern und mit den zugehörigen Menschen sprechen und diskutieren. Das hat den dramaturgischen Effekt, daß man keine Ammen wie bei Romeo und Julia braucht, um die Zuschauer über die Gedanken der Protagonisten zu indormieren, man kann außerdem die Entwicklung in den Gedankengänge zeigen und deren Details mit Humor ausschmücken, viel besser als wenn sie nur in indirekter Rede oder im Stream of Consciousness gezeigt würden.

Nun, nach der Lektüre des kurzen, kleinen, rot-leinenen “Lyras Oxford” mit hinteingelegtem Stadtplan ebendieser Stadt, eingeklebten versandten Postkarten, einem Auszug aus dem fiktiven Baedeker (der jene seltsamen Seelenwesen ebenfalls kennt) und Werbung für ein fiktives Kreuzfahrtschiff, traute ich mich aber noch nicht an die zugehörige grellbunte Trilogie heran, falls sie mir gefällt, wird sie mich für einige Tage gefangen halten, und das könnte einem gemeinschaftlichen Jahreswechselbegehen empfindliche im Wege stehen. Ja, der einigermaßen noch in der realen Welt beheimatete Leser, der ab und zu einen Blick auf die an die Litfaßsäulen der Stadt geklebten Plakate wirft oder auch nur ein wenig Deutschlandradio hört oder eine mehr als flüchtige Beschäftigung mit einem beliebigen Feuilleton in letzter Zeit hinter sich hat, könnte erkannt haben, daß es sich bei der Dunkle-Materie-Trilogie um die Romanvorlage eines aktuellen Kinofilms mit Nicole Kidman handelt. Ich kenne ihn nicht und fand auch die Besprechungen höchst unsympathisch. Schon wieder Herr-der-Ringe-Epik? Nein, bei der Dunkelheit brauche ich was zum Wachmachen. Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeigen. Schon wegen der Kidman. Hollywood hat ja, während das Unken der europäischen Kulturbeflissenen auf und abschwoll, ebenso kontinuierlich große Schauspieler hervorgebracht. (Auch Jude Law ist so großartig wie unsympathisch, Scarlett Johannson kann spielen, auch wenn sie ihren Brüsten Namen gibt, Edward Norton hatte fast nur merkwürdige Filme, aber immer einen großen Auftritt, Cate Blachett kann fast alles, trotz aller religiösen Verblendung Tom Cruise

neben Größen wie Robert de Niro, Jodie Foster, Meryl Streep, aber diese Aufzählung kann nur dazu führe, jemanden auszulassen, also beginne ich gleich hier damit. Diese alle können spielen als wäre nie in Frage gestellt, daß Kunst magische Kräfte hat.)

(Absatz)Nur gibt es grad noch so furchtbar viel andere Filme, die ich noch sehen will, Persepolis, Vanessa Joops (”Komm Näher” war gigantisch) Schöne Bescherung, Mein bester Freund bei dem ich durch eine Fehlklebung des Kopierwerks bislang nur die ersten drei Teile gesehen habe (dafür kam ich dann in Dialoge mit meinem Gärtner mit demselben Schauspieler, der (Film, nicht nur der Schauspieler) mir sehr gefallen hat, als Entschuldigung des Kinos umsonst, so daß mich mein Begleiter gar nicht einladen konnte), denn ich habe erst jetzt wieder Zeit ins Kino zu gehen nach den Zeitengpässen des Semesters.

(Absatz) Ansonsten kam in mein beschauliches Marzipan-Schlafanzug-Laken/Korbsessel-Buchseiten (deren Pervertierung und genaues Gegenteil die Druckseitenwüste war, aus der ich erst letzten Freitag entflohen bin) – Paradies der Postbote und klingelte mit alles hat seine Zeit des norwegischen Karl Ove Knausga°rd, einem Roman der sich neben dem Alten Testament ausstreckt, behaglich und bescheiden, wortgewandt und würdig, voller Phantasie und Faszination für die alte und überhaupt die Sprache, die alten und überhaupt Texte, Wunder und überhaupt die Welt.

(Absatz) Das ist schön hier. Ich mache aber auch zwei CDs für J gerade. Sie ist 18, hat dieselben Leistungskurse wie ich sie damals hatte. Ich habe sie im Sommer in Frankreich kennengelernt, und seitdem treffen wir uns regelemäßig, nie seltener als einmal in der Woche, meistens öfter. Sie ist klein und schmal und zierlich, sie liest gerade Judith Hermann, nachdem wir zusammen in Nichts als Gespenster waren, sie ist sehr still und überrascht darum umso mehr mit einer detaillierten, warmen, radikalen Herzlichkeit. Und ich mäste sie leidenschaftlich gerne.

(Absatz) Wo ich jetzt dabei bin, die wichtigen neuen Konstanten in meinem Leben nach dem Sommer zu schilden, muß ich A erwähnen. Ich habe das bisher kaum getan, auch wenn seinetwegen mein Leben in letzter Zeit sich als das dem Blog seinen Namen gebende Echtzeitmärchen gebärdet hat.

(Absatz) Nach einem gemeinsamen Taizégebet Ende August traf ich mit Ri und Ba auf der Suche nach einem Kinofilm vor dem Gloria am Stachus einen jungen Schweden, der für einen Tag nach München gekommen war, um ein Zimmer ab Anfang September zu mieten und auf der Suche nach einem originalsprachigen Kino war und uns ansprach, weil er die Taizéanhänger von Ba und Ri erkannte. Wir gingen also ins Kino, in Hairspray, worüber ich damals, glaube ich, auch gebloggt habe, einem Screw-Ball-Musical mit politischer Korrektheit in Bezug auf Rassismus und auf Gender, sieht man einmal davon ab, daß eine Frauenrolle mit John Travolta brillant besetzt war. Danach aßen wir noch ein großes Eis und unterhielten uns obwohl es schon Nacht war und blieb. Wir fanden ihn alle drei toll, und erschwerend kam hinzu, daß Be, die vierte im Bunde unseres gemeinsamen Zelturlaubs, ein Jahr in Schweden gelebt hat und von allem Schwedischen begeistert ist (oft anzutreffen bei einjährigen Aufenthalten in der Jugendzeit, ich denke, jeder kennt so jemanden). Er gab uns allen kleine bläuliche Visitenkarten, die anderen beiden auch Emailadressen, alle Arten von Nummer und ich ihm nur meine Festnetznummer.

(Absatz) Und bald darauf machte ich ein Curry (Curries haben eine lange Geschichte in meinem Leben, sagen wir seit 2002, und bekommen einen eigenen Eintrag) und lud ihn per Telefon dazu ein. Obwohl er vorher nicht mehr als eine Erinnerung an eine Episode war (wie sie auch M ist, der mir im August, kurz bevor ich nach Frankreich fuhr, illegal und sehr günstig, obwohl Apple-Angestellter, mein Macbook reparierte und einige Stunden bei mir blieb und nachher noch mit mir spazieren ging, aber da ich mich nicht traute, ihn noch einmal anzurufen, weil er einen für mich nicht einzuordnenden Ring trug), brachte seine Stimme mich sofort in einen Zustand den man mit Eis essen gut umschreiben kann, wozu man wissen muß, daß es von meiner Süßigkeitenabneigung die Dreierausnahme Negerküsse, Schokoladensoufflé und Eis gibt.

(Absatz) Leider war er gerade nicht in München, und dieses Telefonat ist nicht weiter erwähnenswert für irgend etwas außer daß mich die Erinnerung daran, wie sehr ich von einer einzelnen Stimme umgehauen werden konnte, im Nachhinein immer noch überrascht. Wir aßen also ohne ihn, und an diesem Abend begann tatsächlich meine Beziehung zu Ba zu bröckeln, die an diesem Abend sehr aggressiv war und immer wieder die Sprache darauf brachte, wir würden uns wegen “dem Schweden” zerstreiten.

(Absatz) Als dieser endlich fest nach München gezogen war, war sie es, die sich hauptsächlich mit ihm traf. Wir anderen drei waren immer unterwegs wenn sie Treffen mit ihm ausmachte, meistens nicht einmal in München. Schließlich weihte sie uns ein, er habe ihr seine Freundin vorgestellt und wir bräuchten ihn also nicht mehr zu treffen. Daß traf mich damals kaum, weil ich ihn seit jenem Kinoabend im Spätaugust nicht mehr gesehen hatte und er in meinem Leben nicht vorkam, und ich verstand nicht, warum wir ihn nicht mehr zu treffen bräuchten, weil Sympathie ja nicht davon abhängen muß ob jemand als Partner in Frage kommt, nicht einmal abhängen sollte, finde ich ernsthaft. Nun, aber das gehört zu meinen Konflikten mit Ba. Sie hatte daraufhin Geburtstag, und bei dieser Feier sah ich A das erste mal wieder. Ich nahm mir zu Herzen daß er eine Freundin hatte und sprach kaum mehr mit ihm als mit anderen die ich an diesem Abend das zweite mal sah, landete aber schließlich doch auf einem Sofa mit ihm und wurde sogar noch von ihm bis an meinen heimatlichen Ubahnhof gebracht, von dem aus er ein Taxi nahm. Im Auto eines Bekannten dorthin sprachen wir über das Besondere mancher Sommerabende und er fragte mich,  ob ich mich daran genauso erinnert habe. Es war ein komischer Abend, da an ihm offensichtlich wurde, daß meine Freundschaft zu Ba zerbrochen war, und Ba war die, mit der ich aus verschiedenen Gründen in Frankreich die meiste Zeit verbracht hatte.

(Abend)

Grad habe ich noch einmal nachgeguckt, wann das war, und es hat mich überrascht, festzustellen, daß das am 8. Oktober war, so kurz also vor dem 13., einem Samstag an dem am Nachmittag mein Telefon klingelte und mich A fragte, ob ich mit ihm einen Kaffee trinken wollte, weil er gerade in der Stadt sei um einzukaufen (trotz aller Unkenrufe Ris die findet, ich wohne zu weit östlich, wohne ich recht nahe der Innenstadt). Wir gingen also Teetrinken am Viktualienmarkt und sprachen über alles was uns wichtig war. Über Bücher und Menschen und Sprache und Reisen und Länder und Heimat und Freundschaften und über Musik, Musik, Musik. Mich kann man hier in München schon damit überraschen, Belle and Sebastian zu kennen, das kennen selbst Leute, die in Bands spielen oft nicht, wie auch Bob Dylan in einem großen Freundeskreis in dem ich mich bewege völlig unbekannt ist (ich glaube, er läuft nicht auf Bayern 3), jedenfalls kannte er sie und meinte, wenn ich die möge, dann müsse er mir We’re From Barcelona empfehlen, eine Band, die den ganzen Stolz einer schwedischen Kleinstadt ausmache. Und das ist eine Band, die ich seit etwa einem Jahr sehr mag, und nie versucht hätte, jemanden danach zu fragen, ob er sie kenne. Naiv hatte ich sie aber als genuin katalanische Band angesehen. Irgendwie entpuppt sich gerade sehr viele Musik als schwedisch, von der ich mich nie gefragt habe, wo sie her kommt, auch Kristofer A°ström, Pelle Carlberg, Mando Diao, Moneybrother. Die hier verlinkten Billie The Vision And The Dancers waren dagegen schon meine Lieblingsband als ich A erst traf, und bei ihnen war mir ihr Urspung sogar schon bewußt, so daß ic hihn darauf anspruch, als ich ihn das erste mal sah.

(Absatz) Er zahlte ganz klassisch für uns beide, und ebenso klassisch verabredeten wir uns für ein Konzert in der nächsten Woche und dafür, noch einmal vorher zu telefonieren. Ich glaube, es war das klassischste Date, das mir je untergekommen ist.

(Absatz) Ich bin gerade wirklich überrascht, daß das so bald nach unserem ersten Wiedersehen war. Jedenfalls ging alles weiter seinen Gang. Musik war für mich lange eine vertonte Form von Lyrik. Ich konnte fast alle Texte zu der Musik die ich hörte, weil ich auf diese am meisten achtete, wenn ich Musik hörte. Eigentlich hörte ich nicht viel Musik, denn die Texte konnte ich ohnehin meistens auswendig und mir im Kopf rezitieren, das habe ich tatsächlich oft getan. Ansonsten gab es bestimmte Musik, die ich als Hintergrund hörte, um zu schreiben, damals schon in diesem Sessel, in dem ich auch jetzt sitze, das war Romeo und Julia und das Klavierkonzert von Tschaikowsky und God Shuffled His Feet von den Crash Test Dummies und eine irische Platte meiner Eltern deren Namen ich nicht mehr weiß.

(Absatz) Wirklich Zeit mit Musik verbringe ich erst seit dem Frühjahr 2005, auch wenn die erste Platte, bei der ich nicht auf den Text hörte und sie trotzdem liebte, Chutes Too Narrow von den Shins war (zu denen ebenfalls ein Link dieser Seite leitet), die ich im Sommer 2004 das erste Mal aus den dicken Kopfhörern eines Leipziger Plattenladens hörte. Damals war ich gerade erst kurz aus Israel zurück, reiste nach Barcelona, las oben erwähnte Rubin-im Rauch-Trilogie, und stolperte darüber, daß ich all die roten Kleidungsstücke die ich mir in der das Leben infrage stellenden Atmosphäre in Jerusalem gekauft hatte und die meinen zuvor undurchbrechlich (abgesehen von einer halbherzigen Schwarzphase im Jahr 1997) konsequenten Dunkelblau-Weiß-Kombinationen das erste Mal etwas Neues hinzufügten, nicht mehr miteinander kombinieren konnte. Ich glaube mich erinnern zu können daß das der Beginn des Einzugs von Orange in meinen Kleiderschrank war.

schon ewig kein neuer Post mehr? 10. Dezember 2007

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ich kekse mein Leben aus zwischen Kurzzeitpädagogik und Wissenschaft, zwischen A und JN, und probiere, mit wie wenig Schlaf ich das alles hinbekomme. Ferien kann ich mir irgendwie gar nicht mehr so richtig vorstellen. Gut war: The Good Life. Ganz anders als auf CD, life viel rockiger, obwohl ihre neuste CD die ruhigste ist. Super war „a life a song a cigarette“, das perfekte resumee meines musikgeschmacks, und der sänger hat sich währnd des konzerts auf den boden mitten im publikum gesetzt und gitarre gespielt und gesungen. und es gab ein byrds-cover. Ich bin grad noch an der uni und hole arbeit nach. die letzten beiden wochen waren geprägt von seminaren die ich geleitet habe und die mich sehr geschafft haben, davor war eine fortbildung, dazwischen ein teamabend, ich denke viel über autorität und freiheit nach, insbesondere über autorität die ich leider ausüben muß und was das mit mir macht. gut war das alles trotzdem, ich bin stolz und ich habe die welt verändert.aber heute wieder an der uni zu sein und zu denken war eine riesenerleichterung. reaktionen auf meine gedanken zu bekommen war wie etwas auf das ich durst hatte.teilnehmer an seminaren reagieren nicht wirklich auf mich. es geht nur um mich als leitung. und bei meiner leitung geht es um sie.reaktionen zu brauchen macht mich wirklich aus.bis zu der fortbilsung war mein leben wie ein schwanken zwischen all unsagbar vielem das passiert ist, inzwischen stehe ich fest und die spannung ist in mir, ich bin stabil, aber müde.sehr müde. und weiß gar nicht wie ich das ohne schlaf alles packen soll, zumindest das dringendste.zum glück bin ich glücklich. sonst ging das wohl alles gar nicht. und klug. habe ich das schon erwähnt? ;-)

So einfach ist das, Bands kennenzulernen? 9. November 2007

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Habe mich heute bei myspace angemeldet weil:
Ich bei einer von mir geliebten Band weder an Email noch an sonst was rankam, deren Homepage ist zur Zeit eine als Postkasten getarnte Baustelle, die einzige Möglichkeit war, ihnen eine Nachricht über ihre Myspaceseite zu schicken, dabei stellte ich fest, daß man dafür angemeldet sein muß.

Nach ein bißchen Inmichgehen („ich analysierte mich kurz und stellte fest“ wie Edgar Wibeau sagen würde) meldete ich mich an, schrieb eine Fan-Bitte-Toll-Wienur-Nachricht,

und danach suchte ich noch den anderen Musiker von dem es kein Rankommen an CDs gibt (der ist bei keinem Label und verkauft nur Selbstbespieltes über Konzerte, glaube ich), schrieb ihm auch, und was schrieb der zurück?

Vielen Dank für die Begeisterung, natürlich, und dann, wer ein selbstgemachtes Cover von … (meiner Lieblingsband, er hat das Cover auf Anhieb erkannt!) als Profilbild hat, braucht nichts zu zahlen!
Und daß er gern mal nach München kommen würde.

Die andere Band schrieben eben das auch zurück und fragten mich, ob ich nicht einen Club für sie wüßte, in dem sie spielen könnten, so als Empfehlung. Und versprachen mir zwei CDs zum Sonderpreis von 8 Euro und Porto brauche ich nicht.

Hm, komisch, natürlich habe ich die immer nur von der Ferne verehrt, und jetzt schreiben die mir Nachrichten! Vielleicht sollte ich nicht mehr „die“ sagen … Freude zum Abend jedenfalls heute.