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Die schönen Tage in Arancués sind nun zu Ende 28. März 2008

Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gefragt, gesehen, im Theater.
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und Don Karlos ist immer noch nicht erwachsen. Er stolziert mit Trainingshose über dem nackten Hintern, nur mit sich selbst beschäftigt, fast am Daumen nuckelnd, wenn sein überdimensionaler spanischer Kragen, in dessen Falten er Tacitushausaufgaben und angebrochene Liebesgedichte einrollt, das nicht erschweren würde – der Prinz ein Kind das nicht einmal reagiert als sein bester (und einziger) Freund erschossen wird, aber schon Mannes genug sich als umgekehrte Phaidra in seine Stiefmutter zu verlieben und damit den Tag zu verbringen, darunter zu leiden. Ein aktuelles Thema, die Männer die nicht erwachsen werden oder bleiben wollen, sondern nur nach allem greifen was ihnen in den Sinn kommt – all das abgreifen wollen, was ihr Alter so mit sich bringt (in dem man normalerweise ja erwachsen ist) – die Herrschaft über Flandern zum Beispiel. Und natürlich die Königin ins eigene Bett. Und unterwegs kann man ja auch noch die Fürstin Ebony mitnehmen. Aber das ist nur eine Ebene des Stücks, die mich berührt hat. In der Inszenierung am Deutschen Theater erscheint der Prinz wüberhaupt wie höchstens eine Hauptrolle unter vielen – sein Freund Ritter Posa ist nicht nur der eigentliche Held, sondern auch die interessantere Figur und mit der interessanteren Darstellung verkörpert, Katharina Schmalenberg ist eine Stiefmutter irgendwo zwischen ätzender Charlottenburger Oberschichtklatschbase, klarer Fürstin und resignierter junger Frau die ihre Träume mit besten Absicht für ihre Pflichten beiseite schiebt. Um Constanze Becker noch einmal zu sehen, und ich saß in der sechsten Reihe, hat es sich allein schon gelohnt, noch einmal ins Theater zu gehen, sie als Fürstin Ebony war so ganz anders als die fleischige, wütende Klytaimnästra aus der Orestie von Thalheimer, bieder, gouvernantenhaft, unschuldig sexy, den eigenen kurzgreifenden Gedanken verfallen, verführbar – interessant wegen der Gegendenstrich-Besetzung, aber als Figur nicht wirklich aufregend. Es ging tatsächlich um Freiheit wie das Programmheft mit kryptischen Texten von R. Safranski ankündigte. Der ganze Hof (und wir Publikum fungierten als Hofstaat der immer leicht angeleuchtet blieb) war in einem kunstvollen Muster von Intrigen verstrickt, das so verwegen war, weil jeder an diesem Hof etwas Eigenes bestrebte und verfolgte und sich all diese Pläne in einander verwickelten, teilweise auch für die eigenen Pläne benutzt wurden, die wiederum jemand anderer benutze, der aber auch nicht die ganze Wahrheit kannte. Gerade die entschlossenen, entschiedenen Menschen, die mit Mut bereit waren etwas zu tun (weniger die Zauderer) verhedderten sich wegen ihrer freien Entscheidungen. Weil natürlich niemand Zugriff und Infromation auf und von den anderen freien Willen hatten. Und Katharina Schmalenbergs Königin, die ab und zu einen hellsichtigen Blick auf die realen Konsequenzen dieses ganzen Ränkespiels hatte, die versuchte, einzelne vor dem Tod zu schützen und wie schon mit ihrer Heirat die Staatsräsons als wichtig im Blick behielt und bereit war dafür zu handeln, war in ihren gelegentlich aufblitzenden Zweifeln, ob es nicht einen anderen Weg, der weniger ihren Pflichten nachginge und mehr ihren Gefühlen, gebe (aber abgestoßen von eben jenen Figuren die das zu leben schienen und nur Chaos und Tod anrichteten, ohne Blick und Verstand für die Menschen), Einstieg in die Frage, was hinter aller Entscheidungsfreiheit noch kommt – vielleicht die Träume, die in Heaven (siehe gestern) thematisiert wurden. Träume haben und frei bleiben, Verantwortung übernehmen und fühlen.

„dir eine wunderbare nachösterliche ZEIT in deinem Galiläa“ 27. März 2008

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gesehen, im Theater.
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wünscht mir CJ in einer mail. Galiläa ist das, wohin Christus seine Jünger nach der Auferstehung schickt. Sie wissen, nach seinem Tod müssen sie nach Galiläa, dort wird er sie erwarten. Es ist nach Ostern und ich bin im Wedding. Folglich ist das mein Galiläa. Und ich bin bei meiner Familie. Bei der Tochter eines Cousins meines Vaters mit Mann und drei kleinen Kindern. Bsesonders mein Verhältnis zum Jüngsten kann man nicht anders beschreiben als „innig“. Schön, einmal Verwendung für dieses Wort zu haben. Für dieses Wochenende hätte ich auch wo anders wohnen können, aber alle, inklusive mir, wollen, daß ich noch bleibe. Es ist sehr schön, sehr ruhig, sehr harmonisch, es paßt gut von der ganzen Art. In meinem Bücherregal steht „Candide“ von Voltaire direkt neben „Slaughterhouse 05″ von Vonnegut. Hier steht „Candide“ von Voltaire direkt neben „Schlachthaus 05″ von Vonnegut, also der deutschen Übersetzung. Diese Parallele hat mich doch verblüfft. Und von einer guten Freundin von mir haben sie zwei Bücher. Das leuchtende Blau des einen sprang mir gleich ins Auge als ich die „Bibliothek“ (das Zimmer, in dem ich schlafe) betrat. Außerdem habe ich vorgestern einen Fahrraddieb gestellt und der Polizei übergeben. Ok, mit P zusammen, der hat den U-Bahnwagen am Alex angehalten, in den wir dem Dieb hinterhergefolgt sind, und dort wurde dieser dann von fünf Polizisten festgenommen die wir ein paar Stationen zuvor erreicht hatten. Außerdem war ich gestern in „Heaven“das erste Stück das ich von Fritz Kater gesehen habe, und fand es richtig gut. Ein modernes Stück mit toller Sprache und vielen verwobenen Handlungssträngen die alle ums gleiche gingen: Sind Bilder nicht auch nur Worte? Was bleibt wenn schon die Erinnerung leer ist? Wie ist es auf dem Spielfeld der Liebe wenn das Tor verreist ist? Worauf hat man ein Anrecht und woran glaubt man? Wie träumt man? Also – das was Himmel sein kann.
Heute gehe ich in Don Karlos und freu mich schon wild … ein sehr ruhiges Berlin diesmal. Vor allem nach dem letzten, sehr touristischen, immer auf Achse – ich bin viel hier in der Familie und mit den Kindern und beim Backen (es gab seit Dienstag jeden Tag Kuchen, heute gibt es Mohnzöpfe!) und schreibe Hausarbeit in der Sonne, denn die „Bibliothek“ geht nicht nur auf den Kanal raus, sondern auch noch nach Süden. In dem Stück gestern hieß die Hauptfigut genau wie A – und ich habe auch von A geträumt, aber als ich heute meine emails lese, hat er mir noch nicht geanwortet. Das ist schade. Der Kontakt bricht immer so weg, wenn einer von uns nicht in München ist. Mal sehen, was „Don Karlos“ mir sagt. Es ist komisch, bei bestimmten Stücken spricht das Theater zu mir wie eine Vision vom Sinai (der ist nicht in Galiläa, dafür isses da viel zu flach, aber immerhin ist es ein Kulturkreis). Theater und Lesungen und Gottesdienste und Gebete sind meine Welt in der ich lebendig und glücklich bin. Selig sollte ich wohl sagen. Schwer zu erklären, dafür bin ich zu tief drin.

Wer jetzt keinen Sonnenbrand hat bekommt ihn lang nicht mehr 4. September 2007

Posted by echtzeitmaerchen in München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gehört, gelebt, gereist, im Theater.
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Die Zeiten in denen alle meine Freundinnen mit A anfingen sind vorbei. Jetzt fangen sie alle mit B an.

Ich habe mich auch in Ben Kweller verliebt. Pötzlich ist New York für mich der Inbegriff der Herbstverträglichkeit. Als müßte jede Stadt, die im Herbst so schön sein wollte, daß die Herbstdepressionen gar nicht erst aufkommen läßt, New York sein.

Weiß nicht, warum ich mir diese Stadt nicht anders vorstellen kann. Vielleicht weil ich nur ein einziges mal da war, im November 2000, und mich damals die Atmosphäre so beeidruckt hat, daß Beschreibungen und Bilder blaß dagegen sind, mir also kein anderes New-York-Bild als diesen Life-Eindruck vermitteln können?

Oder weil ich im Herbst 2002 mit Ella Fitzgerald die Trauer überwand, daß der Sommer und damit meine Zeit in Berlin vorbei war, und dem Herbst sogar etwas schönes abgewinnen konnte?

Herbst heißt, daß es kälter wird, daß die Ohren weh tun, nachdem man die lange, windpfeifdende Leopoldstraße hinuntergefahren ist, daß man Jacken braucht und Halstücher, daß man nicht mehr schwitzt, nur beim Ankommen und vom Fahrrad steigen, daß die Uni wieder losgeht und das Lernen, daß es dunkler wird, daß es Weintrauben gibt aber keine Auberginen mehr, daß die Leute die man kennt mehr und mehr wieder in der Stadt eintrudeln, daß die Theater wieder aufmachen, die Filme wieder besser werden, und daß der Sommer erst mal lange, lange nicht wieder kommt.

Und das ist das Schlimmste. Wenn die Jahreszeiten, sagen wir, im Monatsrhythmus wechseln würden, fände ich den Herbst vermutlich sogar ganz großartig, aber so bedeutet diese schöne Jahreszeit, die ja eigentlich gar nicht zu kalt ist, die eben wieder Theater, Kino, Teetrinken, Stricken, gemütliche Abende, Kerzen, das Ende der Schwitz-Zeit ermöglicht, das Ende des Sommers der unwiderruflich für ein ganzes Jahr vorbei ist und den Beginn der nassen und klaten und grauen und dunklen Jahreszeit.

In dieser Hinsicht bin ich natürlich von Berlin geprägt wo der Winter von Oktober bis April dauert und durch die hohen Häuserfluchten tatsächlich kaum Licht auf den Gehweg kommt, der Schnee viel zu schnell grau wird um eventuelles Licht zu reflektieren, und der Wind das Gehen auf den Straßen furchtbar kalt macht.

In München ist der Oktober eigentlich noch ein Sommermonat, der Januar ist dem April vergleichbar und zumindest ziemlich warm, und der Schnee macht alles sehr hell, zudem sind die Häuser nicht so hoch daß sie zu viel Licht schlucken würden. Und im März wird es dann ohnehin schon wieder wärmer.

Letzten Winter war ich sowohl im November als auch im März Sonnenbaden am Schliersee. Und die letzte Wespe sah ich ebenfalls im November im Ubahnhof Thalkirchen verenden.

Also sollte ich den September wohl genießen.

Und, ja, Coldplay ist auch fein. Für den Jerusalemer Herbst und Regen und heiße Milch mit Schokolade, wunderschönen Schmuck in den Schaufenstern
In einem Jahr werde ich schreiben können: When I was twenty-seven, it was a very good year. Jawoll, das weiß ich. Der Herbst ist schon eine Ernte- Zeit.

PS: Auf dem Rückflug von New York wurde der Film „Autumn in New York“ gezeigt, mit Winona Rider und ziemlich schlecht.
Und sind die Barenaked Ladies eigentlich auch aus Paris?