5. November 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gelebt.Tags: Abendbrot, Bett, Tradition
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Das könnte eine gute Tradition werden: Mir selbst das Abendbrot mit einem Tablett ans Bett bringen.
noch ein neuer Artikel. 1. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt.Tags: Bibliothek, Tagebuch, Leben, München, Menschen, Gedanken, Freunde, Freundschaft, Eis, Telefonieren, gespräche, vergessen, Lernen, Wissen
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Nach dem Eisessen. Leben in München. Bibliotheken prägen mein Leben, außerdem die über die Stadt verteilten Orte, an denen Eis erhältlich ist. Außerdem die über die Stadt sich verteilenden Menschen, die mir etwas bedeuten.
Wie seltsam, welche Rolle Gespräche für das Entstehen von Nähe bedeuten. Ein Wissen, daß ich, unformuliert, bestimmt als Teenager schon hatte, wie alle Teenager, die stundenlang telefonieren.
Ich habe so viel vergessen. Ich hatte ein rasend gutes Gedächtnis für alles, bis ich 23 war, ich konnte mir jedes Detail merken. Seit dem ist vieles immer wieder neu für mich daß ich irgendwann schon mal kannte oder wußte. Kennen und wissen ist aber ohnehin jedesmal anders, wenn man sich wieder ein wenig verändert hat.
So spreche ich, erzähle, höre zu, merke mir, was ich höre, frage, lache, weine, umarme.
kürze 1. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, gelebt.Tags: Sommer, Sonne, München, Zugfahren, Hitze, Lidschatten, Wimpern, Sommersprossen, Reise, Schminke
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Schwierig zu schreiben. Denn es ist so viel zu schreiben. Zwei Wochen war ich unterwegs, an fünf Stationen, die völlig verschieden waren, mit sehr vielen Menschen und Treffen, die sich wieder unterschieden. Jeden Teil der Reise bin ich mit Regionalzügen gefahren außer einen über Nacht von Greifswald nach Berlin, zwischen zwei und fünf Uhr morgens, und ich war an vielen kleinen Bahnhöfen zum Umsteigen, die sich fast alle ähnelten. Ich bin so braun geworden, daß meine Sommersprossen von der Bräune fast verdeckt werden, und die Schminke, mit der ich in die Reise losgezogen bin, mir nicht mehr passt, weil sie zu hell ist, das Rosa für die Augenlieder, das Braun für die Wimpern, die Aprikosenfarbe für die Wangen, das beige pink für die Lippen, alles verblasst.
Ein wenig verblasst auch München, wo ich seit vorgestern nacht wieder bin, unter der aktuellen Hitzewelle, die Sonne überschüttet alles mit weißer Wärme, so daß die Augen kaum sehen, was da beschienen wird. Also muß ich jetzt ein Eis essen gehen. Um zu kühlen. Und wieder was zu sehen. Wer weiß, vielleicht führt es mich dann noch mal an den sanfter strahlenden Schirm.
Erzähl mir was vom Regen 11. August 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gelebt, geschrieben, im Kino.Tags: Abend, Erzähl mir was vom Regen, Film, Gedanken, Glockenbach, Kino, Kopfweh, München, Regen, Seitenstraße
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weil er grad nicht da ist, um mir zu erzählen. Wenn er da ist, erzählt er allerhand, und ich darf mir aussuchen, um was es geht, er bestimmt nur den Rhytmus und das Tempo, ob es schnell ist oder verzögert, leicht oder schwer, prasselnd oder zärtlich, stürmisch oder plätschernd -. Heute war er unmerklich. Langsam wird er zärtlich. Es war ein Tag voller Kopfschmerzen, drückend, der Regen klärte den Himmel und die Luft zu zaghaft, erst am Abend, als ich aus dem Kino kam, wurde es frischer und klarer, ich lief eine ungewohnte Seitenstraße nach Hause, die Jahnstraße entlang und am Glockenbach, und dachte: Ich lebe in der schönsten Gegend der Welt, und ich kannte bisher einen Teil davon gar nicht. München ist, bei aller Kritik die man haben kann oder muß, eine Stadt, die sagt: Das Leben ist schön.
So ein schöner Abend. Gedanken über den Film habe ich mir natürlich auch gemacht. Aber der Abend ist zu schön und leicht heute um längere Gedanken aneinander zu binden. Und ich will ihn ja noch mal sehen, auf Französisch, denn in Filmen in denen so viel geredet wird, müßte die Synchro schon echt gut sein -
Schneewittchen 29. Juli 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gefragt, gelesen, im Regal.Tags: Althebräisch, Amon Göth, Bibliothek, Holocaust, Krakow, Lager, München, NS-Zeit, Plaszow, Schindlers Liste, Schuld, Schwabing, Suche, Vater
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Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit jemandem über Schneewittchen. Ich wollte das Märchen noch einmal nachlesen. Wie viele Dinge mit denen man sich ablenkt, kam mir dieser Gedanke heute in der Bibliothek, inmitten meiner Althebräischen Bücher und Wörterbücher. Ich suchte im elektronischen Katalog über das Feld „freie Suche“ nach Schneewittchen und grenzte ein auf die Bibliothek in der ich mich befand. Ein Buch war gerade ausgeliehen, das andere von den beiden hatte eine Signatur im dritten Stock. Ich holte das Buch und machte erst einmal dort weiter wo ich aufgehört hatte: Exodus 12, der Auszug der Israeliten aus Ägypten, das letzte Pessach vor dem Auszug, die Regelungen für Nicht-Israeliten, die auch beim Auszug mit dabei waren, bei diesem Mahl.
Irgendwann fing ich doch an zu lesen. Um herauszufinden, was dieses merkwürdige Buch mit dem Begriff Schneewittchen zu tun haben könnte. Es heißt „Ich muß doch meinen Vater lieben, oder?“ von (Matthias Kessler) und besteht aus den Umschriften von Interviews der Tochter des Kommandanten von Plaszow (bei Krakow, das Krakower Ghetto wurde dorthin verlagert), Amon Göth, bekannt aus dem Film „Schindlers Liste„, wie das Vorblatt bemerkt, den ich nicht gesehen habe, selbst erst im November 45 geboren, die ihren Vater nie kennengelernt hat.
Ich saß da, in der Bibliothek, mit dem Blick auf die Leopoldstraße, und las das Leben dieser Frau, in Frage und Antwort, oft münchnerisch dialektal, ohne Unterbrechung, bis ich um kurz vor zehn, als die Bibliothek schloss, alles gelesen hatte bis auf die beiden Epiloge, je einer von Interviewer und Interviewter.
Frage und Antwort, Liebe und Schuld, am Anfang empörte mich die Naivität mit der die Antwortende Schuld zu relativieren sucht, bis sich mehr und mehr abzeichnet, daß sie die Schuld nicht ins Nichts abschiebt, sondern allein sich selbst gibt, und zwar alle Schuld, und hier bin ich schon bei dem außergewöhnlichen Leben angelangt: Die Mutter außergewöhnlich grausam, lässt beispielsweise die 20jährige wegen einer Nichtigkeit in die Psychatrie Haar einsperren, wo sie drei Monate verbringt, unter anderem wegen einer vorlauten Bemerkung in einer Zelle mit in die Haut einschneidender Zwangsjacke, nachdem die Interviewte, Monika, mit Lulu, einem Transvestiten Streit hatte, den die Mutter bei ihr im Zimmer einquartiert hatte und der dort längere Zeit lebte und eine engere Beziehung für die Mutter bedeutete als die Tochter – dies allein finde ich nicht schlimm, aber außergewöhnlich. Schlimm dagegen ist die erste Ehe von Monika. Da sie kein Dach mehr über dem Kopf hat (die Mutter hatte sie ausgesperrt), heiratet sie nach ein paar Nächten in Hauseingängen und auf Dachböden („wissen Sie, damals waren noch nicht alle Häuser abgesperrt“) einen Mann, der sie vergewaltigt, schlägt und auf den Strich schickt. In diesem Ton erzählt sie das: als hätte sie nichts besseres verdient.
Gerade die Beiläufigkeit, die mich aufregte, als es um die Schuld ihrer Eltern ging, macht mehr und mehr Sinn: Sie nimmt alle Schuld auf sich, sie hat in ihrem Leben so viel als Strafe empfunden, daß sie von daher relativiert. Sie findet als leidendes Kind all das in Ordnung, was die Mutter mit ihr macht, sie findet entschuldigende Worte für ihren ersten Ehemann, es ist, als mache ihr nichts mehr Angst als fremde Schuld, sie nimmt auch die Schuld für die Schläge ihres Mannes auf sich und wirkt dabei milde, großzügig, vergebend, sie scheint all das ernst zu meinen, die guten Worte die sie über alle verliert, und wenn ihr jemand wehgetan hat, wie der GI der als Kind mit ihr gepielt hat und dann weg war ohne sich zu verabschieden, dann sucht sie die Schuld bei sich.
Ich werde diesem Text und diesem Menschen nicht gerecht, ich möchte nur Werbung machen, dieses Buch zu lesen, nicht nur weil es sich schnell und zügig herunterlesen lässt, weil es mit einem Oscar-prämierten Film zu tun hat, weil es um wichtige Dinge geht, sondern weil so vieles darin scheinbar nebeneinander steht und dann doch sich zusammenfügt: Vom Winde verweht, immer wieder, die Sklaven, die auf Tara im Einklang mit der Herrenfamilie leben, so hätte sich Monika die Zustände im Lager ihres Vaters gewünscht, ihr Vater sah Rhett Butler ähnlich, und ihre Mutter hatte zeitlebens nur zwei Traummänner, Amon Göth und Rhett Butler.
Die Vornamen der Eltern: Ruth und Amon, beides hebräisch, Amon der böse König der für das Babylonische Exil verantwortlich ist, Vater des überguten König Josija, dem sogar noch das fünfte Buch Mose im Tempel zufällig zufällt (eine Schriftrolle wird in seiner segensreichen Amtszeit gefunden).
Monika selbst ist aufgewachsen in Schwabing, in der Schwindstraße, keine 10 Minuten von meiner Uni entfernt, sie verbringt Zeit im Alten Simpel, am Hohenzollernplatz, sie geht in die Theatinerkirche, all das ganz beiläufig, aber all das in unmittelbarer Umgebung des Ortes wo ich saß und dieses Buch las. Und doch überraschte es mich, irgendwann zu lesen, daß sie eine Sekretariatsstelle an der Uni angenommen hatte und da lange Zeit arbeitete. Und als ich las, dass sie anfing, Althebräisch zuelernen, verschlug es mir das Räuspern, dort zwischen meinen Althebräischen Büchern.
Auch ihr Leben war voller Zufälle, zumindest kommt es mir so vor, aus der Perspektive von heute, daß sie einem befreundeten Kneipenwirth, für den sie heimlich schwärmt, beim Abwaschen beobachtent, und als sie untere seinen hochgerutschten Armen eine tätowirte Nummer sieht, nachfragt, in welchem Lager er gewesen sei, in Polen, aber wo ihn Polen? Ihre Mutter käme daher, sie habe sich mit KZs beschäftigt (langsam versucht sie dem nahe zu kommen, worüber ihre Mutter schweigt und ihre Oma lügt), vielleicht kenne sie den Ort, und als er „Plaszow“ ausspricht sagt sie, dann kanntest Du meinen Vater! -Wie heißt er? – Wie ich. Göth. – Nein, ich kenne keinen Göth. – Aber wie kannst du dagewesen sein und den Namen des Kommandanten nicht kennen? – Nein, der Kommandant hieß Gätt.
Der Wirt erstarrt, und Monika erklärt zusammenfassend, die Polen haben kein ö aussprechen können und hätten es als ä gesprochen. Weiter spricht sie mit den Besitzern des Babalou, wo sie sich als Bedienung bewirbt, die ebenfalls beide in Plaszow waren, ihr lange über den Kopf streicheln und sie nach Hause schicken ohne ihr etwas zu sagen. Im Amerikahaus, wo sie sich anmeldet, um etwas zu erfahren, findet sie hauptsächlich Sachen über Auschwitz.
Alles keine Entschuldigung, alles kein Grund, alles kein …
So viel Naivität, aber andererseits entblättert sich solch ein Leben, das sie fast als Antwort auf die Schuld ihres Vaters gelebt hat ohne es zu benennen, und das andererseits ohne Naivität vielleicht auch nicht aushaltbar ist.
Im neueröffneteten Babalou verbrachte ich vor zwei Jahren eine Sommernacht ohne von all dem zu wissen. Ich werde in die Schwindstraße gehen. Ich werde morgen die beiden Epiloge lesen. Und ich werde aufmerksam die alten Frauen in den Althebräischveranstaltungen beobachten. Und ein paar der teils doch unglaublich klugen Zitate hier reinstellen.
Sommernächte 22. Juli 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, gelebt.Tags: Casablanca, Download, eyes wide shut, Farben, Filme, Fledermäuse, Isar, kleine Band, Le Clandestin, Lichter, mp3, Musik, nachtblau, nachts, Schmetterlinge, Sommer, Synchronisation, the shins, the smiths, the tellers, Yo la tengo
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Letzte Semesterwoche, und plötzlich ist der Sommer hereingebrochen. Das erste Freiluftkino, bei dem es nicht geregnet hat, Casablanca auf dem Königsplatz, auf Deutsch, mit schwankendem Ton aber leuchtenden Sternenhimmel, direkt, passend zur Autokrise, unter dem großen Wagen. Nach dem ersten mal Schauen, auf einem laptop, auf Englisch, war ich so begeistert von dem Film, davon war nichts mehr da. Ebenso war ich heute sehr irritiert von der deutschen Synchro von Eyes Wide Shut. Die deutsche Synchronstimme klingt an den Stellen an denen sie langsam sprechen muß, als warte sie als Dolmetscherin noch auf einen Teil des zu übersetzenden Satzes. Uninspirierter Beitrag, ich weiß. Es ist war. Die Lichter an der Isar nachts sind wunderschön, die blauen Töne des Deutschen Museums, die Lampen auf der Reichenbachbrücke, das Kornblumenblau des Himmels noch um Mitternacht, und gestern flogen Fledermäause über uns, sie flatterten, wie Schmetterlinge, nur größer. Es gab Musik (<- 5 links (einer pro Buchstabe), beim ersten ein Download) und Wein und Teelichter und Mücken und viele schon oft gehörte Gespräche, aber auch dazwischen noch nicht oft gehörtes Schweigen.
München leuchtete. 6. Juni 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, gefragt, gelesen, gesehen, im Regal.Tags: überteuerte Kaffeeläden, Deutschlektüre, Fingerübung, Gladis Dei, gothic, Heißer Sommer, Hieronymus, Himmel, Kunstbanausen, Kunsthandel, Kutte, Lichter, LMU, Ludwigskirche, Mönch, München, Mittelalter, MVG, nachtblau, Novelle, Satz, Schellingstraße, Schwabing, Studenten, Thomas Mann, Tram, Uwe Timm
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Dieser Satz prangt unter der MVG-Werbung (MVG ist das Münchner Äquivalent zur BVG). Nein, dort steht er im Präsens: München leuchtet. Und passt zum Plakat, denn darauf ist ein nachtblaues München zu sehen das über einem Meer von Lichtern zu liegen scheint und in den ebenfalls blauen Himmel reflektiert.
Dies ist ein Zitat aus der Thomas-Mann-Novelle (Novelle? Immerhin fehlt die unerhörte Begebenheit. Allerdings gibt es ein Dingsymbol) Gladis Dei. Deren erster Satz: München leuchtete. Vielleicht müsste ich die Novelle erst in Deutschstundenmanier interpretieren, aber sie gefiel mir als Ganzes nicht einen Bruchteil so sehr wie ihr erster Satz.
Eine Mönchsgestalt, die immer wieder ihren Mantel (der sofort eine Kutte zu sein scheint) vor der Brust zusammenzieht, schleicht die Schellingsstraße hinunter, Richtung Ludwigskirche – diesen Weg ging ich im Winter fast täglich, denn meine Tram hält in der Schellingstraße/Ecke Barer Straße, und um zum Geisteswissenschaftlergebäude der LMU, der schon in Uwe Timms Heißer Sommer zu Ruhm gekommenen Schellingstraße 3 zu kommen, läuft man direkt auf die Lugwigkirche zu, und als ich die ersten Male dort lang ging, frisch in München, musste ich schlucken über die unbekümmerten Studenten vor überteuerten Kaffeeläden, eine Welt wie sie an den Starnberger See oder in Faserland von Kracht passt, aber in der kein Funken Mittelalterdüsternis passt wie ihn Thomas Manns Hieronymus-Gestalt fühlt.
Zuerst dachte ich, die Novelle würde diese Diskrepanz als ironischen Bruch vermerken. Sie scheint aber überhaupt nicht ironisch zu sein. Sondern soll unheimlich sein, gothic, könnte man sagen, wenn das auch sicher außerhalb TMs Wortschatz wäre. Es treten weiter auf: Ein paar busenfixierte Kunstbanausen in einem Museum, die sich von den Reizen einer Madonnendarstellung angezogen fühlen, und ein antisemitisch gezeichneter jüdischer Kunsthändler, dem es um nichts anderes geht als Verkaufen und billige Verkaufsstrategien. Oder ist da doch etwas ironisch? Menschen, die Ihr das im Deutschunterricht behandelt habt, helft mir! Ansonsten fand ich alles zu sehr in sich passend und in sich konstruiert geschachtelt um von außen (und ich bin, trotz Münchner Erstwohnsitz, Außenstehende) interessant zu sein. Eine Fingerübung, um eine Atmosphäre zu erschaffen? Um die Kluft zwischen Religiosität und Kunst zu untersuchen? Ich bin religiös, und diese Sicht der Problematik scheint mir historisch. Sagt man nicht, Thomas Mann wäre zeitlos? Lag er einmal neben seinem Standard? Oder reicht der eine erste Satz, um diese Novelle zu rehabilitieren? Sie ist nicht schlecht, nur auch nicht interessant, finde ich.
Aber der erste Satz hätte erfunden werden müssen, wenn es ihn nicht schon gäbe. Ob im Imperfekt oder im Präsens. Er ist so stark, daß ich ihn,bevor ich von Gladis Dei von der MVG-Werbung als Untertitel für meinen Blog übernommen habe.

Kirschquark, Baby, Kirschquark 25. Mai 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gelebt, gelesen.Tags: C. S. Lewis, Kirschquark, Mai, München, süß, schwarzer Tee, Sommer, Tagebuch, Zucker
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Ich dachte, ich könnte gar nicht zu viel Zucker dran machen, so wie der letzte schmeckte, am 20. Februar, meinem Halbgeburtstag, den ich als Nachtisch mitgebracht hatte als M mich zur Feier des Tages zu einer selbstgemachten Pizza einlud und das letztendlich der Anfang dieser wundervollen Monate wurde.
Er ist aber zu süß. Da hilft alle Cremigkeit vom fleißigen langen Rühren nichts. Aber ich esse ihn trotzdem an diesem wunderschönen Tag. Er paßt gut zu kaltem schwarzen Tee, denn je kälter und älter der ist, desto bitterer schmeckt er.
Sommer im Mai. Fast viel zu warm. Das ist München: Nur im Bikini rumlaufe und sich trotzdem fast unwohl fühlen vor Hitze und das im Mai und das um viertel nach zehn am Abend. Aber das tut dem Glück keinen Abbruch, das irgendwoher kam und mich anders fühlen lässt als die Monate zuvor, es hat nicht mal einen Namen, es hängt an keinem Ereignis, keiner Person, es ist nur so, als ob ich fester geworden wäre, dichter, wie die Leute die in C. S. Lewis‘ Great Divorce über die Wiese laufen. Es geht mir besser.
Vormusik be the food of love 11. Mai 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gehört, im Ohr.Tags: Babylon Circus, de la musique et du bruit, Glück, Jamaram, kleine Band, Löwenzahn, München, melancholiefrei, mixtape, Vorband
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Gestern im Ampère spielten Babylon Circus, mit Jamaram als Vorband. Zwei Jahre lang war „De la musique et du bruit“ von Babylon Circus auf jedem meiner Mixtapes, wer damals eins von mir bekommen hat, erinnert sich vielleicht, es war meistens unter den ersten sieben Liedern.
Gestern habe ich endlich das Prinzip Vorband begriffen: Zuvor waren das für mich Bands, die eine nette Entdeckung waren: Mexican Elvis bei The Good Life, Duné bei Moneybrother, manchmal bin ich auch nur wegen der Vorband wohin gegangen und konnte mit dem Hauptact nichts anfangen, auf jeden Fall habe ich mich immer für eine kleine Band gefreut, wenn sie Vorband einer international bekannten war, aber normalerweise schien sie mir eher als Lückenfüller, damit die Hauptband noch nicht spielen muß, während die Leute langsam eintrudeln. Daß die Vorband ja noch spielt, scheint für Leute fast ein Grund zu sein, später zu kommen. Irgendwo hatte ich zwar schon mal gehört, daß die Vorgruppe dazu da ist, daß das Publikum „eingeheizt“ (wer auch immer solch ein Wort verwendet) wird und schon mal anfängt zu tanzen, aber erlebt habe ich das noch nie.
Das Konzert gestern war der Endpunkt des Deutschlandabschnitts der Tour von Babylon Circus, für den Jamaran die Vorband war. Im Laufe dieser Zeit muß der Kontakt der beiden Bands immer enger geworden sein. Und es klang in den Ansagen so, als hätten die vorangehenden Konzerte lebhafter sein können. Also sagte der Jamaram-Sänger zusammengefasst: Hallo München (Pubklikum: jeah–!) – jetzt zeigt Babylon Circus doch mal was Ihr drauf habt(Pubklikum: jeah–!) – wir haben Ihnen nämlich versprochen, hier in München rockt das Haus!(Pubklikum: JEAH–!!!)
Gesagt werden muß dazu, daß Jamaram aus München kommen, und das letzte Mal das ich versucht habe, auf Empfehlung von Löwenzahn, zu einem Konzert von ihnen zu gehen, war heillos ausverkauft, wie anscheinend immer, wenn sie hier spielen …
Das Publikum war also schon bei Vorkonzertbeginn vollständig versammelt, dicht gedrängt und mit den Hüften aneinander und den Händen in der Höhe am Tanzen.
Außerdem spielten bei beiden Gruppen jeweils auch Musiker der anderen mit, am Ende war eine unüberschaubare Menge von Musikern auf der Bühne, und eine die neben mir stand, packte ihre Posaune aus und kletterte schüchtern über die Absperrung, bis sie der BC-Posaunist heranwinkte und mit ihr die Akkorde besprach.
Die dritte Zugabe (von fünfen) war De la musique et du bruit. Aber das beste war, so viel Glück, ironie- und melancholiefrei in den den Gesichtern des Publikums zu sehen.
weißes Heute 11. Mai 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gehört, gelebt, gelesen, gereist.Tags: Bayern, Bibliothek, dunkel, Gedanken, Gewitter, Himmel, Julia Franck, Kastanien, Kopfweh, Lagerfeuer, Landschaft, München, Menschenrechte, missent to denmark, Regentropfen, Regionalzüge, Reisen, Tagebuch, Wetter, Zugfahren
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Heute ist so ein Kopfwehtag. Gestern hätte es schon die ganze Zeit gewittern sollen, ab und zu gab es ein paar losgelöste Tropfen, von denen man zufällig getroffen wurde oder die sich als dunkle Punkte auf dem Pflaster bildeten, aber es war noch schön warm, die Kastanien hatten nicht nur ihre großen schweren Kerzen, sondern auch schwere, feuchtigkeitsdunkle Blätter, und der Hin-und Rückweg die Isar entlang zum Ampère war wunderschön.
Heute hat das sich immer weiter herausschiebende Gewitter aber einen Druck auf die Stadt und meine Stirn gelegt, und ich erinnere mich an Freitag, die Rückfahrt von der Menschenrechts-Tagung in Aschaffenburg mit dem Bayernticket kreuz und quer in Regionalzügen durch die Landschaft Mittelfrankens, die sanft, hell, rapsgelb, hügelig, gelegentlich bewaldet vor dem Fenster lag während ich Missent To Denmark hörte und das Ende von Lagerfeuer las, und je weiter ich nach Süden kam, desto dunkler wurde der Himmel, wegen des voranschreitenden Tagesendes, aber vor allem, weil der Himmel sich mehr und mehr mit Gewitter füllte, in Treuchtlingen setzte der Regen ein, in Augsburg der Donner, als der Zug in Pasing einfuhr der Blitz. Der Süden von Bayern, ja, aber eben auch in der Nähe der Alpen, das ist es, was München ausmacht.
Also schaue ich auf den drückend weißen Himmel an den weißen Säulen in den Fensterhöhlen der Bibliothek vorbei.