Ein anderes Semester. 28. Oktober 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gefragt, gelebt.Tags: Älterwerden, Berlin, Bettdecke, Deutschlandradio, dunkel, dunkel-bunt, Ella Fitzgerald, Entdeckungsreise, Enttäuschung, Erfüllung, Gedanken, Heimat, Herbst, Kastanien, Kürbisse, Kürbissuppe, langsam, München, Menschen, nasskalt, Norden, sortieren, spazieren, Strumpfhosen, Tram, trauma, Träume, Vertrauen, Wetter
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In jeder Hinsicht. Anders sogar vom Wetter. Dieser Herbst ist kein Kürbissuppenherbst und kein Ellafitzgerald-trompeten-Herbst, nur das Tramfahren ist gleichgeblieben. Gestern hat es nicht geregnet, und ich habe es kaum augehalten ohne das sanfte Tropfen. Es ist ein Herbst wie früher, im Norden, wo ich aufgewachsen bin, nasskalt, nicht voller Unternehmungen, Hirsche streicheln, Kastanien sammeln, buntgekleidet Kürbisse zerhacken, als währe der Sommer ewig. Im Bett, unter der Bettdecke lesen, nachdenken, schreiben, weinen, träumen, Radio hören. Und unzählige Stunden innen irgendwo sitzen, vor der Kälte fliehen, Warmes trinken, mit anderen. Oder Spazieren gehen, dick eingepackt. Und ins Kino. Keinen Sommer feiern mit Strumpfhosen. In der Dunkelheit und Kälte auf Entdeckungsreise gehen für das was im Sommer nicht zu sehen ist.
Ich erlaube mir langsam zu sein, aber es wirft mich für Tage aus der Bahn wenn andere mir das nicht erlauben.
Ich erinnere mich, immer mehr, das bringt das Älterwerden – vieles was ich jetzt mache, erinnert mich an gute Zeiten in meinem Leben. Es ist wie ankommen in der Zeit als ich meine Heimatstadt noch nicht verlassen hatte und noch nicht enttäuscht wurde davon daß meine Träume nicht in Erfüllung gehen.
Und ja, ich war heute bei der Traumambulanz. Vor zweieinhalb Jahren, als ich B wieder getroffen hatte und danach wochenlang nichts mehr gefühlt hatte, hat mir jemand die Adresse gegeben. Dann war die Diplomarbeit, die Venezuelareise, die Wohnungssuche, die Zeit ohne Wohnung, der Umzug, und in meinem jetzigen Zimmer so viel Neues. Ich habe mein Leben in Ordnung gebracht und unheimlich viel gemacht. Aber jetzt, wo ich stille sitzen muß und nur am Schreibtisch schreibe, kann ich nicht mehr so viel machen daß ich abgelenkt genug wäre.
Es ist alles gut und wunderschön in meinem Leben, und das reicht nicht. Ich dachte diesen Sommer, B wäre vorbei und ich käme damit klar, dreieinhalb Jahre später. Aber vielleicht ist es deswegen jetzt an der Zeit, etwas zu machen.
Es fällt mir schwer zu vertrauen seitdem, und das macht mich einsam. Und unter dieser Einsamkeit leide ich, jetzt, da alles andere in Ordnung ist. Es gibt viele Menschen, die mich mögen. Merkwürdigerweise lerne ich zur Zeit ständig neue Menschen kennen.
Diese Frage stelle ich mir nicht mehr.
Vielleicht dachte ich immer, ich müßte Dinge in meinem Leben ändern, damit ich glücklich bin. Aber jetzt ist alles so, wie es besser nicht sein kann. Und natürlich: Ich brauche neue Träume. Ich brauche Wünsche. Aber eigentlich wünsche ich mir vor allem Nähe.
Montag Nacht 10. Juni 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gehört, gelebt.Tags: Bagel, CSU, Flyer, Gitarren, Improvisation, Jazzkonzert, Juni, kleine Band, München, Mini-Konzert, Piroth, Rauchverbot, Reisen, Rucksack, Schickimicki, Schwabing, Schwedisch, Tagebuch, Tram, Widmung
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Irgendwann habe ich Piroth mal in Berlin gehört. Ich kam zu spät, glaube ich. Und ich schrieb ihnen eine email, ob sie auf ihrer „June-Tour“ auch mal nach München kämen, weil es fast unmöglich ist, hier ihre CD zu kriegen. Daraufhin hatte ich einen längeren mail-Kontakt mit ihrer Managerin, die einfach keinen Veranstaltungsort fand, weil in dieser Zeit EM ist. In der Nähe der Tram-Haltestelle der Tram die bei mir zu Hause fährt und einige Straßen von der Uni vorkeitkommt, ist ein Bagelshop. Normalerweise fahre ich ja Rad, aber auf dem Rückweg von einem Training, mit Rucksack und Methodenordnertasche und Müdigkeit im ganzen Körper, mußte ich noch einmal in der Uni vorbei, um einen Aufsatz von einem Prof abzuholen, und als ich dann zur Tramhaltestelle lief, wollte ich noch unbedingt einen Tuna-Bagel. Es war Mittwoch, und Mittwochs ist im Bagelshop immer open comedy. Da hingen Leute rum, die zu rotzig waren, um am Münchner Schickimicki teilzunehmen, irgendwie auf der Suche, daß da doch noch etwas im Leben sein muß in dieser wunderschönen, sicheren Stadt, die man selbstverständlich genießen kann und gerne will, aber die trotzdem der Regierungssitz der CSU-Alleinherrschaft, des verschärften Rauchverbots und der pingeligen Gesetzestreue auf deren Einhaltung alle Nachbarn achten, ist. Auf einmal wurde für mich etwas von der Vorstellung des Schwabings Faßbinders lebendig. Es hingen Flyer für die freitägliche Jamsession rum, und sonntags gibt es öfter Jazzkonzerte, es hängen Gitarren an der Wand, und es gibt eine Bühne, also steckte ich einen Flyer ein und schickte der immer noch verzweifelt suchenden Tourmanagerin die Adresse.
Dann war ich so beschäftigt mit der Aufregung vor dem Seminar das ich erstmals allein geleitet habe und anschließend davon erschöpft, daß ich mich erst gestern wieder daran erinnerte und schon dachte, ich hätte es verpaßt, aber dann wurde mir klar, daß tatsächlich erst der neunte war und es am Abend statt fand.
Aber ich fand nirgendwo sonst einen Hinweis dazu. Ich fragte A, der wie die Pirothschwestern aus Stockholm ist, aber er war Fußballgucken, und ich fragte JN, der ähnliche Musik macht, aber er hatte einen anstrengenden Tag gehabt und wollte nur ins Bett, also ging ich allein hin.
Als ich kam, saßen ein paar Stammgäste vor dem Laden und wollten gerade gerne und ich habe sie unter Aufbietung meines gesamten Lächelrepertoires in den Laden bugsiert, wo die beiden Mädels schon spielten, ganz allein. Am Anfang war es noch ein normales Konzert, wir saßen zu viert im Publikum und wippten mit den Füßen, dann packte einer der Gäste seine Querflöte aus und improvisierte mit, und zweifolgten mit ihren Gitarren, einer spielte seine senkrecht wie eine Mandoline, und es lagen ein paar Perkussion-Instrumente im Raum rum, die wir auch noch alle benutzten. Wir setzten uns auf die vorderen Stühle, und die Schwestern packten Lieder aus, die sie mit 15 geschrieben hatten und seit 8 Jahren nicht mehr gespielt hatten, auf Schwedisch, auf Englisch, und zwischendurch unterhielten wir uns, und es sammelten sich noch ein paar Leute, die vorbeikamen.
Nach A Life, A Song, A Cigarette und Martingo war das jetzt schon mein drittes absolutes Mini-Konzert in München mit absolut großartigen Künstlern und einer tollen Atmosphäre zum Publikum.
Anschließend waren wir noch in einer Bar in der die Gitarre rundum ging (ich war die einzige Nichtmusikerin in der ganzen Kneipe, glaube ich), und jeder zwei Lieder spielte während die anderen Oberstimmen und Improvisationen dazu spielten, und etliche Leute ihre email-Adresse hinterließen, um Piroth bei ihrer nächsten Tour zu sehen.
kann 2. Juni 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München/Berlin Berlin/München, gefragt.Tags: Bayern, Fragen, Seehofer, Verbraucherschutz
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es sein, daß Seehofer nur in den Bayerischen Regionalsendern „Landwirtschaftsminister“ heißt und sonst „Verbraucherschutzsminister“?
Schrobenhausen ist das Beelitz von München 17. Mai 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, gefragt, gehört, gesehen, geträumt.Tags: Beelitz, Berlin, Erinnerung, Fahrradfahren, Heimat, Landschaft, Mark Brandenburg, Märkische Heide, München, Schlachtensee, Schrobenausen, See, Sommer, Sommerfrische, Sommerhaus, Spargel, Träume, Volkslied, Wandern, Was nützt die Liebe in Gedanken
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Eventuell habe ich das schon drei Mal in diesem und dem Vorgänger-Blog erwähnt, weil es mich jedes Mal wieder überrascht, daß jede Stadt so ein Marken-Spargel-Dorf im Umkreis zu haben scheint. Das erinnert an die Zeiten, als Städte noch vom Umland versorgt wurden, man in die Sommerfrische fuhr in ein Sommerhaus mit gut gefülltem Weinkeller (wie in Was nützt die Liebe in Gedanken), das Dienstpersonal seine Heimat in umliegenden Dörfern hatte – all das wonach sich die Berliner während der Mauerzeit sehnten!

Wanderungen durch die Mark Brandenburg! Märkische Heide!

Durch die Landschaft radeln an einen See der genauso schön ist wie der Schlachtensee, aber einsam.

Auf dem Rückweg etwas Spargel mitnehmen und dazu dann die Kartoffeln aus dem Nachbardorf aus dem Keller hochholen. Ach, der Sommer, in dem das Land so weit ist!

Was am Ende zählt 9. Mai 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gelebt, gesehen, im Kino.Tags: Berlin, Freundschaft, Heimat, Julia von Heinz, Krankenversicherung, Leben, Lichter, Lyon, Marie Luise Schramm, Modedesign, Momente, nachts, Ostbahnhof, Paula Kalenberg, Plattenbau, Regen, Schwangerschaft, warten, Was am Ende zählt, Zugfahren
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ist ein Film von Julia von Heinz mit Marie Luise Schramm und Paula Kalenberg, den ich am Dienstag gesehen habe. Ich weiß nicht, ob es darum geht, was am Ende zählt, oder nicht vielmehr was bis dahin geschieht. Nein, auch, was von dem zählt, was bis dahin geschieht. Aber das Ende bleibt immer ein bis Dahin.
Ein Ende ist ein unbestimmtes Etwas in der Ferne in dem Film, mit Namen „Lyon“ vielleicht.
Carla hat ihrem Vater Geld geklaut und steigt mit Reisetasche, selbstgeschneidertem Kleid und Skizzenbuch auf dem Weg zur Modedesignschule in Lyon am Ostbahnhof in den Nachtzug nach Paris. Während sie ihre Reiseasche die Einstiegsstufen hochwuchtet, greift ihr eine Hand das Portemonnaie aus der Handtasche und hält es ihr vor das Fenster, als sie im Abteil sitzt. Sie hastet sofort aus dem Abteil, aber der Mann ist weg, dann wieder zurück ins Abteil, wo auch ihre Tasche inzwischen verschwunden ist, dann rennt sie, mit elegantem Kleid, hohen Schuhen, Stirnband dem Dieb hinterher, bekommt ihn aber nicht mehr und landet nach ergebnislosen Geplänkel am Servicepoint der DB an der Imbissbude vorm Bahnhof im Gespräch mit Charmebolzen und Restaurantbesitzer in Spe Rico.
Sie verbringt die Nacht bei/mit ihm und fängt am nächsten Morgen auf der Baustelle dessen Restaurants, einem in der Instandsetzung befindlichen Schiff zu arbeiten an, um das Geld für die Modeschule und die Zugreise wieder zusammenzubekommen. Da trifft sie auf Lucie, Ricos ältesten Kumpel, wie er sagt, und zieht bei ihr in dem Matratzenlager im Schiffsbauch ein. Die beiden verbindet etwas Sichtbares aber kaum Beschreibbares, es ist eine Nähe die wie das Wasser um das Schiff um beide herum spielt.
Carla stellt im vierten Monat fest, daß sie schwanger ist, ihre Versichertenkarte kann sie nicht benutzen weil sonst bis sie 18 ist ihr Vater über ihren Aufenthaltsort informiert würde, die illegale Abtreibung des Kinds von dem man auf dem Ultraschall schon das Köpfchen sieht, bekommt sie nicht übers Herz, und so geht sie Carla mit Lucies Versicherungskarte zu allen Vorsorgeuntersuchungen und bekommt unter Lucies Namen das Kind, die dieweil mit Kissen ihrer Umwelt, v. a. dem zuständigen Sozialarbeiter, ihre Schwangerschaft sugeriert und sich um das Kind kümmern will, wenn Carla nach Lyon geht.
Zwischen den beiden entspinnt sich eine persönliche, ehrliche Beziehung, und das Aufeinanderprallen von Bonzentochter und Heimkind in einer Plattenbauwohnung mit Säugling, Heimarbeit und Erpressung des mitwohnenden, mitwissenden, drogenabhängigen Bruders Lucies wird sehr authentisch gezeigt.
Hinter mir saßen zwei „Münchner Beste Freundinnen“ im Kino, die alles kommentiert haben und für die der grüne Hang hinter dem Plattenbau, bei dem Carla auf einem Spaziergang Lucie bittet mit ihr nach Lyon zu gehen, nur häßlich gewirkt hat, aber für mich war es wie ein Teil meines eigenen Lebens: Auch wenn alles noch so verbaut ist, gibt es immer noch Pflanzen die da durchwachsen, und wenn man mit jemandem den mag mag über eine Wiese läuft, dann ist das gut und nicht wichtig wo.
Es gibt einige Aufnahmen von den Lichtern der dunklen Stadt, und das hat mich daran erinnert, daß ich die Lichter im nächtlichen Berlin immer als meine Verbündeten empfunden habe, als verlässliche Freunde, die ich kenne, die mich kenne und die eine angenehme Stetigkeit habe. Das ist schwer zu erklären, das hat etwas mit Aufgewachsensein zu tun, sich als Kind zurecht zu finden in dieser Welt und sich mit dem zu verbrüdern was man vorfindet, für manche Kinder mag das der Familienhund sein, für mich waren es die Lichter, ganz besonders wenn sie sich in den regennassen Straßen reflektierten, darüber dunkel ahnbare Bäume und weit oben der Stern vom ICC – nicht ästhetisch schön nach Münchner Art, keine Giebel und Holzbalkone, aber gut wie es ist, verläßlich und vertraut und zugetan.
Ich mochte den Film sehr. Auf dem Rückweg war mir bewusst, wieviel Heimat ich mitgenommen habe aus Berlin, meine Heimat ist man selbst zu sein in aller Häßlichkeit. Seitdem trotte ich meine Arbeit ab, genieße die kurzen kargen Momente des Draußenseins, warte auf etwas andres, stoisch, stark wie ein Esel.
Menschwerdung 23. März 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gereist.Tags: Berlin, Farben, Kerzen, Kirche, Musik, Ostdeutschland, Ostern, Singen, Ukulele, Wedding, zuhause
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Ich bin unendlich froh, daß L mich letzlich mit emails und einem Anruf aus Bulgarien am frühen Donnerstagmorgen dazu überredet hat, Ostern nach Berlin zu fahren.
Es war wunderschön, sehr gut, toll! Es ist schwer, das jetzt alles zusammenzufassen. Aber: Ich habe nicht geweint außer ein paar mal weil es so schön war (das improvisierte Akkordeonsolo zwischen den Osternachtstexten zum Beispiel oder als bei der Allerheiligenlitanei die Namenspatrone von ALLEN (ca. 70) Anwesenenden angerufen wurden (vorher hatte mich extra jemand gefragt, wer meine Patronin ist und ich hatte mich schon gewundert warum), oder als J mir ihre Jacke geliehen hat weil meine im Speisezimmer war das wegen einer Fest-Überraschung abgeschlossen war und selber dann nur mit drei Pullis am Osterfeuer stand oder als wir nach dem Gottesdienst in der Kapelle noch Musik gemacht haben und Walzer und Charleston getanzt und Lieder gesungen haben spontan nachts um zwei bevor die Party dann in den vorbereiteten Raum im Keller umzog oder als wir am See das klare (komplett durchsichtige) Wasser meditiert haben …
Es war sehr gut und ich fühle mich wieder wohl in meiner Kirche, das ist der Glauben in dem ich zu Hause bin, und es war so wahnsinnig selbstlos wie die Leute miteinander umgegangen sind, ein komplett anderer Umgang als in München und zugleich mit dem rauen Humor mit dem ich in München immer anecke, über den alle gelacht haben und der eine wahnsinnig vertrauenvolle Atmosphäre schafft – wenn man so rauh sein kann muß alles gut sein. Was soll man da noch böse meinen? Warum sollte man auch was böses meinen? Warum sollte man auch nur für sich sorgen? Es klappt doch so wunderbar, wenn alle füreinander sorgen. Man muß keine Angst haben.
Das war für mich Ostern. Und es hat wunderbar gepaßt. Ich habe mich mit den ganzen 19jährigen toll verstanden, mit den Leuten aus den festen Gruppen die schon lange da waren, mit den Leitern, mit den Partyleuten, mit den Stillen … nix mit Mittseminarkrise oder so. Und ich habe mich nicht verliebt. Nur gute Gespräche gehabt, ganz direkt und persönlich und ehrlich. Und wahnsinnig viel gebastelt – drei Kerzen nachdem ich daran gescheitert bin, einen Korb zu flechten weil mir die Rohre immer brachen, was mich ganz traurig machte, und am nächsten Tag zwei Körbe, weil ich es noch mal versucht habe und sehr viel Hilfe bekam und es dann doch wunderschön wurde und immer leichter war.
Ja, so war das. Und dabei dachte ich immer, fast wäre ich nicht gefahren … und ich wurde super oft auf das Tuch angesprochen, das L mir vor einer Woche geschickt hat! Und habe immer stolz erzählt, daß es aus Istanbul ist. „Mein Name ist Rot“ von Pamuk habe ich leider vergessen. Ebenso wie den Schlüssel zur Wohnung meiner Eltern. Ich fühle mich irgendwie frei von ihnen und glücklich in dieser Stadt und so sicher wie sonst nur in München. Ich sitze bei meiner Cousine am Wohnzimmertisch und genieße die Stille und Ruhe und irgenwie die Liebe der Familie, daß ich hier sein darf und halt einfach einen Schlüssel habe. Meine Ukulele reist mit mir, und ich habe mich auf der Fahrt das erste Mal getraut, vor Leuten zu spielen, so unvollkommen wie es halt ist, und es hat mich niemand wie auf einer anderen Fahrt in Westdeutschland angemeckert, daß ich doch endlich mal spielen soll bzw mich ausgelacht daß ich es nicht tue (vielleicht habe ich deshalb diesmal einfach gespielt, weil keine solchen Kommentare kamen und die Leute nur nett gefragt haben, und natürlich hatte ich auch einfach Lust dazu) und gerade noch in der S-Bahn, die letzten meiner Begleiter waren Friedrichstraße umgestiegen und ich mußte noch bis Zoo um hierhin in den Wedding in die U9 umzusteigen, stieg ein Mann mit einer grünen Ukulele ein und sang „Country Roads“, und ich habe die Oberstimme dazu gesungen und die Leute in der Bahn sahen alle ganz erstaunt aber auch fröhlich aus, und dann haben wir kurz unsere Ukulelen ausgetauscht und ein bißchen geplingt und geredet … Ostern 2008 war das.
Ayran 10. März 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gelebt, gesehen.Tags: Alpträume, Ayran, Berlin, Deutschlandradio, Heimat, Isar, kochen, München, Rituale, Stricken, Träume, Wollpulli
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Endlich habe ich (nach langem verzweifelten Suchen) einen Laden in Laufweite gefunden,der
verkauft. ¶Ich so: Heimat wird.Neulich ein Traum, ich müßte Wegziehen aus meiner Gegend, im Traum war die neue Wohnung schon gestrichen – Reaktion auf diesen Alptraum: Lange Sparziergänge in fertig gestricktem Pullover an der von der Schmelze angeschwollenen und inzwischen geliebten Isar – neben Stricken, Kochen, Radiohören und Schreiben inzwischen meine Hauptbeschäftigung – München wird Heimat. Wenn die Schwaben Prenzlauer Berg in eine Wohlfühlkitschkulisse umwandeln können, können wir gesunden Menschen mir Verstand München in Heimat verwandeln – für alle die gerne Ayran trinken.
nach der Wahl 10. März 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gelebt.Tags: Bayern, CSU, Freie Wähler, Heimat, Wahl
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es ist schon wieder eine Woche her, und ich war letzte Woche nicht im Internet weil ich in Oberbayern gearbeitet habe, aber es ist immer noch aktuell: 13,5 % für die Grünen in München, inzwischen fühle ich mich zu Hause. Dazu diese ausgesprochen kreative Parteienlandschaft, die es in keinem anderen Bundesland gibt: CSB steht gleich für zwei Wahlalternativen, das Christlich Soziale Bündnis und die Christlich Sozialen Bürger, dann die unzähligen Freien-Wähler-Gemeinschaften die überall etwas anderes wollen, jedenfalls alle ohne eine gemeinsame Partei, d. h. hierzulande ohne die CSU, und dann zweistellige Ergebnisse für die ÖDP in dem für seine Dick- respektive Holzköpfigkeit bekannte Niederbayern. Hier kann man kaum von dem in ganz Deutschland diskutierten Fünfparteiensystem sprechen: Die Linke hat in München einen Sitz, genau wie die ÖDP und die von mir kumulierte (aber nicht panaschierte? So was kenne ich nicht aus Berlin) Rosa Liste. Und absolute Mehrheiten, darauf stehn die Bayern ja („wir sind halt gern alle einer Meinung“ – Zitat zu dem Wechsel der 90% für die NSDAP zu 90% für die CSU in Garmisch) – also auch für SPD-Ude hier an der Isar, dessen Kindermädchen bekanntlich Traude Jung war, was zum Glück nichts über ihn aussagt, vielleicht aber doch einige Münchner … Nee, nee. Als eine nette, etwas redselige Dame meiner Mitbewohnerin und mir vorletzten Sonntag das Kumulieren und überhaupt die 103 Stimmen erklärte, fügte sie hinzu: Und dann machen Sie halt ihre Kreuze bei denen wo sie wollen, außer natürlich hoffentlich nicht bei der CSU.
Beim Lesen 23. Februar 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, gereist, im Kino.Tags: Berlin, bloggen, Erinnerung, Heimat, Link, München, Sommer, Tagebuch, Theater, Winter
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hat mich der letzte Eintrag selbst genervt. Aber er stellt ganz gut da, wie roh die Sachen die ich hier mache noch nebeneinanderstehen. Ich mache unheimlich viel und will das festhalten – aber ich sage nichts dazu. Es ist so … daß mich das pure im Publikumsein, im Kinositzen, Zumtheaterlaufen, glücklich macht, weil es das ist, was mir noch von der Heimat geblieben ist nachdem meine Eltern es mal wieder für den besten Weg gehalten haben, es ohne mich zu versuchen.
Ich erinnere mich an die Vorfreude, die ich in München hatte, wenn ich an Berlin dachte, und ich finde etwas das dem gerecht wird, wenn ich Dinge mache, die ich immer schon geliebt habe. Und all diese Erinnerungen und Gefühle lassen sich eben nicht verlinken. Auch wenn sich Erinnerungen so anfühlen wie eine lange Verlinkung. Ja, gestern im August Fengler, verlinkte oder verband sich mein Gehirn mit Erinnerungen an vorige Abende da, auch das Döneressen im Alibaba steht für einen ganzen Sommer und die Gefühle und Gespräche die ich damals hatte, für V und mit K. Jede Nacht um drei Börek!
Und trotzdem war das wirklich erlebte das Neue, was ich noch nicht einordnen kann. Die Gespräche diesen Winters, nicht des vorvorigen Sommers, und meine Versuche mit den Verletzungen zu leben, die meine Eltern mir zufügen.
Das ist es, was passiert, es ist neu, es ist spannend wie ein Gummituch über spitzen Steinen, und ich kann nichts darüber schreiben, weil ich nicht drüber stehe. Das würde das Gummituch vermutlich auch gar nicht aushalten.
Ich bin in Berlin 20. Februar 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gereist.Tags: Bayern, Berlin, Eis, Freundschaft, Gespräch, Gewohnheit, Jeans, Kastanienallee, Kneipe, Langeweile, München, Menschen, Offenheit, Raum, Reisen, Tagebuch, Tinte, unterwegs
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In der Kastanienallee. Furchtbar. Da reist man so weit, und München holt einen doch wieder ein. Hier ist es nur noch ein bißchen langweiliger, weil die Bayern aus dem Umland die ihre Berge vermissen, fehlen. Wo sind sie, die Mecklenburger und ihr Seenplattenheimweh, die ich sonst immer hier getroffen habe? Überall, nur nicht im Prenzlauerberg wahrscheinlich. Früher gab es ja mal die Trennliene Torstaße nördlich derer die rosa Altbauten noch nicht rumwucherten, aber das ist VORBEI.
Und dann ist da noch etwas Merkwürdiges: Ich genieße es nicht mehr, S-Bahn zufahren. Ich weiß nicht warum. Das war immer eines der schönsten Dinge hier für mich. U-Bahnfahern über der Erde auch. Da war ich sogar glücklich, wenn ich unglücklich war. Das ist vollkommen verpufft. Es berührt mich nicht mehr.
Ich bin anders geworden.
Und dann passieren noch viele andere Dinge. Meine Eltern quartieren mich virtuell immer wieder ein uns aus, da war ich nicht ein einziges Mal bisher, alle anderen laden mich ein, meine Cousine rät mir, gar nicht zu meinen Eltern zu gehen außer vielleicht zum Kaffee, ich würde so gerne wenigsten meine bunten Tintenfäßchen, meine Israel-Schlag-Jeans (ich habe beschlossen, daß ich Schlaghosen jetzt einfach wieder trage, Röhre hin oder her), meine Klarinette und Streichhölzer mitnehmen.
Außerdem fiel mir gestern in einer Kneipe in der Freunde von mir lasen beim Abschlusslied ein Bild auf den Kopf. Eine fremde Frau brachte mir Eiswürfel, und ich saß auf dem Sofa und kühlte meine Beule, und meine Freunde saßen zwei Tische weiter. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich war ohnehin traurig über ein Telefongespräch mit einer erneuten Ausquartierung meiner Mutter und war eh der Überzeugung, daß mich niemand mag, sonst hätte vielleicht ich mich rübergesetzt. Ich bin dann gegangen. Heute habe ich es immerhin vor zwölf geschafft, mir die Frage ob mich überhaupt jemand mag gar nicht mehr zu stellen. Das Bewusstsein daß mein Wert überhaupt nicht davon abhängt und daß auch keines anderen Menschen Wert davon abhängt wie die Leute ihn behandeln, weil wir eben MENSCHEN sind und nicht nur Spielfiguren, StudiVZ-Profile, Gruppendynamiktrainingsteilnehmer, hat sich einfach wieder eingestellt. Ich mußte nichts dafür tun. Es war stärker. Ich bin also schon lange genug von meiner Familie weg, daß sich die Gewohnheit meines richtigen Lebens über die Gewohnheiten meines alten Lebens gelegt hat. Und auf diese Gewohnheiten kommt es, Vernunft hin, Vorstätze her, an. Und sie können sich ändern. Trotzdem wünsche ich mir einen Platz in meiner Familie, offene Arme, und das können meine Freunde mir nicht geben, auch nicht mit allen offenen Armen, mit all der Zeit, dem Essen, den guten, interessanten Gesprächen, die sie mir schenken.
Ich bin 27. Ich war lange unabhängig davon wie meine Familie mich behandelt. Aber ich habe zu gemacht. Wenn ich weiter offen bin, bleibe ich verletzlich und unglücklich und vielleicht nicht altersgemäß. Wenn ich mich verschließe, bin ich wieder stark und fröhlich und patent, aber es wird sich nie etwas ändern, ich werde nie einen Platz in meiner Familie haben, wenn nicht mal ich ihn mir wünsche.

