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5. November 2009

Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gelebt.
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Das könnte eine gute Tradition werden: Mir selbst das Abendbrot mit einem Tablett ans Bett bringen.

Auf solche 6. Oktober 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, Tagebuch, gedacht, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.
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Tage warte ich immer. Oder nicht? Jedenfalls kommt es mir an solchen Tagen so vor. Oder nur heute.

Das wichtigste in Kürze? Die verlorene Bundestagswahl, vier Jahre Schwarzgelb, mehr als nur ein Spiel verloren beim Wahlkampf: Das ist Realität. Die FDP hat bereits angekündigt, daß Sparpotenzial beispielsweise im Entwicklungshilfeetatbesteht. Am Wochenende das Seminar zu Entwicklungspolitik und immer wieder au die Frage, welche Rolle Deutschland spielen kann: Seit letzen Woche keine mehr, sagte der Referent von Ärzte ohne Grenzen, von terre des hommes, sagten die referierenden Professoren. Weiter Atomstrom, keine Verbesserungen für Asybewerber und Flüchtlinge, keine Politik für die Boatpeople, die massenhaft im Mittelmeer ertrinken und deren Knochen, Schuhe, Kleidung in den Fischernetzen hängen.

Seminar füllte das Wochenende, viele Fakten, wenig Didaktik, Begegnungen mit Männern, die mich schon länger verwirren, N und F, die beide überhaupt nicht am Seminar teilnahmen, die auch nicht da hingehörten, aber auftauchten und verschwanden. Ununterbrochen Worte, Vorträge, Diskussionen – ist das industrielle Zeitalter schon vorbei oder nicht? Ein  Gespräch über Afganistan mit einer Linken und einem neoliberalen Grünen. 

Worte, Aggressionen, Argumente, Kurzangebundetheit, und ich mittendrin, wenig Schlaf, viele Gedanken zu anderen Themen. 

Heute durch Berlin gelaufen und wieder gewusst warum ich hier glücklich bin: Weil ich hier nicht glücklich sein muß, weil ich hier so sein kann, was ich bin, etwas anderes ist gar nicht erfoderlich. Das Kind einer Freundin angeguckt, den Tag mit ihr und ihren beiden Männern verbracht, ein bißchen über Menschen geredet und ein bißchen über Bücher, dazwischen viel über Körper, dann P getroffen wie fast jede nTag wenn ich hier bin und wieder eines dieser ehrlichen Gespräche gefühlt in denen alles andere egal wird, im Bus nach Hause Shins gehört und überhaupt, es ist langsam wieder zu Hause. Ich halte das aus.

Zum ersten Mal dieses Jahr ungeschminkt ohne mich verkleidet dabei zu fühlen. Und durch die Scheibe eines Cafés J gesehen mit der ich in meiner ersten Studienstadt befreundet war, an die Scheibe geklopft, mich für morgen um fünf mit ihr verabredet. Fotos gemacht mit meiner analogen Kamera mit der keiner rechnet. Und Kai aus der Kiste gelesen. Hat auch mit P zu tun. Über Kameras gäbe es noch mehr zu schreiben und über den Berliner Hauptbahnhof. Aber es ist drei und ich werde schlafen denn morgen gibt es wieder Frühstück mit P nach seiner Gerichtsverhandlung, Neue Nationalgalerie mit K, Treffen mit J und danach vielleicht mit C. Klingt abgekürzt? Ist aber so herrlich unzusammenfassbar und spröde.

kurz – 21. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.
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Eigentlich war ich immer sehr unzufrieden mit den letzten Artikeln und dachte immer, wer die liest, löscht sofort mein Blog aus dem Feedreader. Belanglos. Vielleicht noch verbrämt. So hat sich zumindest auch mein Leben angefühlt. Und, im guten Sinne, nicht blogbar. Als ob das was aufgeschrieben ist nicht das Wichtige ist. Das ist es vermutlich nie. Aber das Aufschreiben war wichtig für mich. Im Laufe des Schreibens stellte sich ein Zusammenhang her, jedenfalls in meinem Gefühl, und es war mehr da, was ich erlebt hatte als was ich nicht erzählt habe.

Dieses Gefühl hatte ich bei den letzen Einträgen nicht, hatte ich vor allem, wären mein Rechner kaputt war, hier im Computerraum nicht, auch wenn ich hier gerade gut schreiben kann und es auch vorhin gut konnte. Mein Leben fühlte sich so aufgeklöst an wie Zuckerwatte die vom Stab fällt, und ich wußte nicht einmal, ob ich der Stab war und aus welcher Perspektive ich hätte schreiben sollen. Das habe ich natürlich nicht geschrieben. Ich habe Überbrückungsposts geschrieben, um etwas zu schreiben, das, wozu man sich beim bloggen und überhaupt von einem Blog nie verleiten lassen sollte.

Warum ich im Nachhinein über diese beiden Posts doch so froh bin, auch wenn sie ein wenig gestelzt formuliert sind (in dem Versuch, meinem alten Schreiben, wenn schon nicht durch die Klarheit der Gedanken, dann doch durch eine versucte Klärung der Worte nahe zu kommen – ich habe also das nachgemacht was mir immer so viel bedeutet hat), weiß ich nicht, aber ich mag sie, sie berühren mich, das war mein Sommer, und ich bin unglücklich darüber, das über die ganze andere Zeit dieses bewegten, an Ereignissen, Gefühlen, Verwirrungen, Sommers, da nicht steht. Als wäre er nicht da. Nicht einmal erinnern kann ich mich, wer gesagt hat, ich sähe aus wie Effi Briest.

Es scheint die Sonne. 21. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, geträumt.
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Gestern hätte mein Eintrag mit den Worten“Sonntag. Herbstag. Heller Himmel“ begonnen, vielleicht hätte er auch daraus bestanden. Vielleicht hat er daraus bestanden, ich habe ihn nur nicht geschrieben.

Eine gelbe Hose, die ich letzte Jahr in Istanbul gekauft hatte, fiel mir beim Endsommerneufalten meiner Kommode in die Hände, ich hatte sie den ganzen Sommer nicht an. Sommer ist nicht mehr, nur bayerischer Herbst, was temperaturmäßig nicht viel Unterschied macht, darum trage ich sie heute und schwitze erstmals nicht seit ich die Herbströcke und Strumpfhosen wieder aktiviert habe. Die Woche war fein und fast zu schön, gestern kamen mir Zweifel, ob das Leben so schön sein könne, ob ich damit Erfolg haben könnte, ob ich so weitermachen kann. Ich habe eine Feier gemacht, mit Torte und Kuchen und Suppe und vielen Leuten in meinem Raum, vierzehn Leute in meinen 16 Quadratmetern in denen noch Herd und Spüle stehen, ein großes Bett, zum Glück kein Schrank, aber raumgreifende Bücherstapel und eine Kiste voll von ZEITresten. Und eine Gebetsecke. Es war warm, es gab Kerzenlicht, es war gar kein Stress, irgendjemand hat immer Tee oder Kaffee gekocht oder die Tür aufgemacht, und am Ende blieb als längstes A, wieder auf meinem Bett sitzend, und erkannte aus der Musik die im Hintergrund lief die Einzellieder, die ich ihn auf ein Mixtape gemacht habe. Der Wein den wir tranken war leider furchtbar schlecht, vielleicht koche ich eine Bolognese, um ihn unterzubringen, oder ich gieße ihn doch weg, in der Hoffnung, daß der vorhandene Alkohol meine Spüle desinfiziert. Wir haben mein gesamtes Geschirr benutzt und Besteck, am Mittwoch hatte ich weder Tasse noch Glas noch Gabel noch Löffel noch Teller für mein Frühstück. Weil der Boiler immer nur so wenig Wasser erhitzt und man nicht lang abwaschen kann, bis das warme Wasser aus ist, habe ich noch bis Freitag gespült, die Spritztülle für die Torte, den Suppenpüriertstab, die Schüsseln, Schälchen, Tassen, nur eine Springform liegt immer noch in der Spüle. Hui, soviele große S in einem Satz- vielleicht ist S ein Küchen-Konsonant.

Ich habe gerade meinen Stundenplan angefangen zu bauen. Ich bin hoffnungslos hinter der Zeit der BA- und Online-Studenten: Ich habe mir die Lehrveranstaltungen, die mich interessieren mit Bleistift auf ein großes weißes Blatt abgeschrieben, unterteilt in fünf Spalten mit einem Kasten für die Blockveranstaltung in der unteren rechten Ecke. Es ist völlig voll und zeigt mir mal wieder, warum und wie ich schon so lange studiert habe. Ich bin immer klüger geworden, ich habe nur nicht die Scheine gemacht, die ich hätte machen sollen, die das Unisystem für relevant erachtet, ich habe immer viel Neues gelernt. Vielleicht helfen mir W und M, die ich gleich treffe, beim Rausstreichen von wenig erfolgversprechenden Dozenten.

Ich lese immer noch „das verborgene Wort“ von Ulla Hahn, ich finde es nicht mehr literarisch überragend, aber höchst spannend, und ich will wissen, wie es mit den Personen weitergeht, stirbt Maria? Vorerst wachsen ihre Haare wieder nach. Noch sind es 200 Seiten von 600 bis zum Ende. Beid den Korrekturen von Franzen habe ich das im März in drei Tagen gelesen – im Moment bin ich einfach glücklich. Ich liege auf dem Bett und freue mich. Ich treffe meine Freunde und freue mich. Ich trinke Ayran und freue mich. Ich verzehre die Sonne mit dem Appetit des kobaltblauen Meeres und freue mich. Ich verteile bunte Farben auf meinen Augenlidern, ich bürste meine Haare, ich sortiere meine Sachen, ich trinke schwarzen Tee mit Milch, ich mache Wahlkampf und freue mich.

Warte nur, dir wird das Lachen schon vergehen? Ist die große Unke die hinter so viel Glück steht. Nicht meine vertrauteste Übung. Und es lauert auch schon wieder eine Woche Berlin, wie wird die werden?

Letztes Wochenende, Dichterfest in Erlangen, Notizen 4. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben, gesehen, im Regal.
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So vieles ist passiert, über das ich schreiben wollte. Aber wenn ich am Computer sitze, überfaäät mich nur die Lähmung, die eintritt, wenn ich kurz Ruhe hhabe in diesen übervollen Tagen. Da war das Dichterfest in Erlangen am Wochenende, von dem ich mir ein paar Sätze aufgeschrieben habe, in mein Notuizbuch, während die Sonne schien und ich zuhörte.

Ich glaube, ich liebe Lyrik, weil einem keiner sagt, was man denken soll.

„Supersätze“

„Nie sagte er Deutschland, sondern imer Europa oder Frankfurt.“

ich mag den harten Ansatz wenn die Stimme vom Englischen ins Deutsche wechselt – Bas Böttcher – Monika Rink

„die harten näckigen Quitten“ (Monika Rink)

„Konferenzgetränke in sortierten Miniflaschen“

„Robert de Niro der deutschen Literatur“ (über Thomas Glavinic)

„Seit Kafka ist wieder alles erlaubt. Kafka hat uns gezeigt, man kann auch anders schreiben.“ (Thomas Glavinic)

„Die Wirklichkeit bietet immer Alternativen an, sie anders zu erzählen“ (Brigitte Kronauer)

nachlesen: Das Wort ‘verbrämen’

Diesmal waren es nicht ferne Länder, sondern viele Menschen, mein Sommer.

„Weder im Guten noch im Bad“ (Uljana Wolf)

„Wir dachten ja, Liebe sei nichts anderes als Julklapp“ (auch sie).

noch ein neuer Artikel. 1. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt.
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Nach dem Eisessen. Leben in München. Bibliotheken prägen mein Leben, außerdem die über die Stadt verteilten Orte, an denen Eis erhältlich ist. Außerdem die über die Stadt sich verteilenden Menschen, die mir etwas bedeuten.

Wie seltsam, welche Rolle Gespräche für das Entstehen von Nähe bedeuten. Ein Wissen, daß ich, unformuliert, bestimmt als Teenager schon hatte, wie alle Teenager, die stundenlang telefonieren.

Ich habe so viel vergessen. Ich hatte ein rasend gutes Gedächtnis für alles, bis ich 23 war, ich konnte mir jedes Detail merken. Seit dem ist vieles immer wieder neu für mich daß ich irgendwann schon mal kannte oder wußte. Kennen und wissen ist aber ohnehin jedesmal anders, wenn man sich wieder ein wenig verändert hat.

So spreche ich, erzähle, höre zu, merke mir, was ich höre, frage, lache, weine, umarme.

anderer Tag, 9. August 2009

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neuer Tag, Sonntag. Bedeckter Himmel, der mich erleichtert, auch die Vögel sind so leise, daß sie gut hörbar sind. Endlich habe ich etwas mehr geschlafen, bin nicht wieder morgens früh von allein aufgewacht nach einer viel zu kurzen Nacht. Ich habe Liter um Liter Ayran getrunken, ich habe gestrickt, ich habe Hunger von Hamsun mehr überflogen als gelesen, bin von Wortgruppe zu Überschrift gehüpft. Noch nicht ausgepackt. Nur was ich gebraucht habe. Also doch fast alles, denn ich hatte nur so wenig mit, aber der Rucksack liegt noch da und erinnert mich an die Reise, der Kalender noch darin, den ich bis jetzt noch nicht verwendet habe. Ich weiß, was ich heute mache, auch die Sachen für gestern wurden per Kurzmitteilung geregelt, erst ab Montag, wenn die Woche der Bibliotheksöffnungszeiten, Geschäftsöffnungszeiten, Praxisöffnungszeiten wieder anfängt, brauche ich wieder Termine. Nicht, daß ich meinen Kalender nicht mag. Er ist auch eine Art Ereignistagebuch, die Treffen, Briefe, Telefonate der kalenderlosen Zeit trage ich immer nach, damit ich weiß, was war, nicht in der Erinnerung die Zeit zu einer leeren verschwimmt, wenn ich in einem Kalender blättere – auch wenn ich weiß, daß die ganz ereignisreichen Zeiten den Kalender immer leer lassen. Der Monat in Venezuela, in Carácas, in den Tropen beim Workcamp, in einer Gastfamilie die eine Kaffeefarm hatte, auch am Strand zuletzt in einem stillgelegten Wasserwerk voller Pflanzen und Bücher, war so ereignisreich, daß ich sie niemals hätte nachtragen können. Auch so ereignisreich für mich. Jede Woche hat mich so verändert, daß ich die nächste anders wahrgenommen habe, und in der Rückschau bleibt nur dieses Fazit, nicht mehr die einzelne unterschiedliche Wahrnehmung.

Es gab viel Sonne letzte Woche, bei Augsburg regnet es nicht so viel wie in München, die Berge sind weiter weg, meine Schultern sind noch dunkler geworden, meine Haare noch heller, meine Schultern ein bißchen entspannter vom Schwimmen im See, immer hin zur Insel und wieder zurück, das mir gar nicht langweilig wurde. Ich habe keine neuen Worte gelernt. Ich habe nichts aus einer anderen Sprache gelernt. Ich habe nicht versucht, mit den Italienern auf Spanisch, mit den Ungarn auf Finnisch, mit den Slowaken auf Deutsch zu reden – ich habe mich aufs Lächeln und Gestikulieren beschränkt. Ich habe nicht gelesen und kaum geschrieben (immer nur einzelne Sätze die ich mir unbedingt merken wollte, nicht von mir, sondern, die andere ausgesprochen hatten), aber ich habe viel vorgelesen, mit dem Mikrofon in der Hand, nicht unbedingt in Gedanken beim Text, sondern daran, möglichst schnell von der Bühne wieder runterzukommen, aber offenbar hat gerade diese meine Gedankenferne den Zuhörern eine große Nähe zum Text erlaubt.

Nähe sonst? Nicht wie ich sie kenne.Trotzdem vorhanden, auf eine mir unbekannte Art. Das beschäftigt mich ja noch so. Ich bleibe da noch.

andere Woche 8. August 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gelebt, gereist, im Kino.
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Diese letzte Woche hat viel verändert. Dabei war ich die meiste Zeit schlecht drauf und nicht begeistert. Einen Tag lang habe ich mich furchtbar einsam gefühlt wie ich es nur in Gruppen von 160 Leuten fühlen kann. Zwei wichtige Leute haben sich nicht gemeldet, und ich hatte sie schon so gut wie abgeschrieben. Außerdem habe ich gemerkt, bei aller Introvertiertheit, bei aller Sucht nach Alleinsein und Stricken und mich Zurückziehen und Lesen, wie wichtig Gespräch für mich ist. Thema der Woche war Schuld und Vergebung, und da ich letzte Woche über dieses Buch gestolpert war, bin ich in den Workshop „Holocaust“ gegangen. Wenn ich es nicht gefunden hätte, vielleicht wäre es Israel/Palästina oder das Schreibprojekt geworden, vielleicht wäre dann auch meine Woche anders gelaufen, ich weiß es nicht. Jedenfalls haben wir in meinem Workshop den Film Sophie Scholl mit Julia Jentsch gesehen, den ich noch nicht kannte. Er läuft über zwei Stunden, und nur die ersten sieben Minuten, ich habe auf die Uhr gesehen, spielen in der Freiheit, in und an der LMU, an der ich studiere. Ich durchlaufe diesen Lichthof täglich und wechsele im Treppenhaus zwischen meinen Vorlesungen, ich wusste an jeder Ecke an der sie standen welches der schnellste Weg nach draußen gewesen wäre, obwohl ich natürlich wusste, daß sie geschnappt werden würden.

Der Rest ist quasi ein Kammerspiel, er spielt im Gerichtsgebäude, in dem ich kürzlich mit J, die zu Besuch aus Kreisau war, und in demjenigen Saal die Verhandlungsakten angeguckt habe, in der Zelle, kurz in Autos, in Stadelheim, das war es. Trotzdem kommt einem der Film nicht eng vor, weil eigentlich die ganze Welt mitverhandelt wird. In Sophies Argumentation spielt das Gewissen eine zentrale Rolle, so schwammig dieser Begriff ist, so offen ist er auch. Sophie beharrt auf einer Wahrheit jenseits des Rechtes, die nicht subjektiv ist, obwohl sie nicht festgeschrieben wird. Die Objektivität kann nur postuliert werden – wo immer das Gewissen angesiedelt ist, ob es in der Welt oder bei Gott verankert ist, es lässt sich nicht messen. Aber es ist notwendig, um einem Gesetz, das Verbrechen vorschreibt, etwas entgegen setzen zu können.

Dieser merkwürdig schillernde, schwammige und unabdingliche Begriff ist aber der Kernpunkt an dem die Haltung ihres Verhörers, Robert Mohr, kippt.

Erst fiel ich aus diesem Film in ein Foyer in dem es Kaffee und Kuchen gab und die Leute sich für die Diskussionsforen in Listen eintrugen, geredet habe ich über den Film schließlich nicht, aber über anderes, später, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erschöpft von den vielen Tränen von denen ich gar nicht wußte das so viele in meinen Kopf reinpassen wurden, die im Laufe des Tages ausbrachen. Warum? Einsam habe ich mich gefühlt. Und in einer Welt, in der … schwer zu beschreiben. Vielleicht: In der es das sicherste ist, allein zu bleiben.

Am Mittwoch waren wir in Dachau …

Ich war die ganze Woche nicht gut drauf. Ich dachte die ganze Zeit, daß ich eh nächstes Jahr nicht wieder kommen würde, und ließ meine schlechte Laune, meine Tränen, meine Kritik raus. Damit war die Woche sehr anders als mein sonstiges Leben. Es gab schließlich gute Gespräche, aber die waren ganz anders als sonst. Ich war nicht nett. Es waren auch keine netten Gespräche. Aber es gab welche, es war kein Schweigen. Und sie waren wichtig, wenn sie auch nicht frohgemut waren. Nicht nur. Irgendwie war das alles anders als sonst. Und hat sich damit tief eingeprägt. Ich kann noch nicht mehr wirklich sagen, in welchem Umfang. Aber ich möchte nicht, daß es vorbei geht.

Ach so, und ich habe eine ganze Menge da gelassen. Ich fühle mich freier.

es beginnt die 26. Juli 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gelebt, gelesen, geschrieben.
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Ferienzeit. Endlich die Zeit, jeden Tag in der Bibliothek zu hocken. Umgeben von Büchern. Ein fest Burg ist … der Bücherturm links von mir und der kleinere rechts von mir. Von den Zinnen schaue ich auf die Ludwigstraße herab. Ich finde alles heraus über die Vasallenverträge der Hethiter. Ich fülle weiße Blätter mit winzigen bleiernen Hieroglyphen. Das ist mein Sommer.

Neuheiten: Nun mit Bleistift statt mit Füller. Nun mit Augustiner Hellem statt mit Weißbier. Nun mit Lidschatten in Blautönen statt in Gold (passend zum Kleid). Nun mit dem immerselben Kleid, jeden Tag. Nun mit wiedergefundenem Studentenausweis für die Bibliothekskartei statt mit zerknitterter Immatrikulationsbescheinigung. Nun mit Kaffee in den Pausen statt Ovomaltine. Alles neu macht der Julai.

Wie alltäglich ist doch das Leben der Studenten.

Ein total verkorkster Tag. 16. Juli 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gefragt, gelebt.
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Ich bin total unästhetisch gekleidet. Schließlich war heute Pack-Aktion, unser Lehrstuhl zieht um, und wir haben einen ganzen Bibliotheksraum in Kisten gepackt. Es ist Sommer der schlimmsten Sorte. Warm, daß es den Kreislauf zusammenhaut, einem schwindelt und man trotzdem oder deswegen nicht essen kann, das Essen aber braucht … so ein schlimmer Tag! Auch ein Ausflug auf den Südfriedhof und das dortige vielfältige Grün machte ihn nicht besser, nicht einmal der morgendliche Ayran. Ich sammle diesen Monat  jeden Tag einen guten Moment, aber dieser Tag schien keinen zu bergen. Dann aber nach dem Packen ein Gespräch mit einem Seit-Neuesten-Kollegen, der im Herbst ein halbes Jahr im Priesterseminar in Berlin war, vorher eine eigene Werbeagentur hatte, jetzt beschlossen hat, doch nicht Priester zu werden, sondern in München zu studieren, der Musik macht, schreibt, und ein Kinderbuch veröffentlicht hat. Und der Gespräche führt indem er jede Menge Fragen stellt. Auf einmal war ich wieder in meinem Leben drin als hätte ich es mir angezogen wie einen Rollkragenpullover. Es passte mir und ich konnte mich darin bewegen. Und reden. Und es ging um die wirklich wichtigen Themen: Was kann Literatur mit unserem Leben machen? Was können wir mit unserem Leben machen? Was wollen wir mit unserem Leben machen? Was bedeutet Glauben? Was bedeutet die Welt mit den Augen Gottes zu sehen? Was bedeutet Ebenbild Gottes zu sein? Was ist Leben?

Das war so weit weg von mir die letzten Tage: Leben. Und es ging mir so schlecht damit. Oder vielmehr da-ohne.