Europa wählt 6. Juni 2009
Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gehört, gelebt, gesehen.Tags: Bayern, Europa, grün, Luftballons, Wahl, Wahlkampf, Wählen, Windräder
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Wahlkampf 09. Der erste, bei dem ich auf der anderen Seite des Standes war und Luftballons und Windräder verteilt habe. Anstatt begeistert welche mitzunehmen, wie ich es als Kind gemacht habe. Damals gab es auch noch Kondome, aus denen man prima Wasserbomben machen konnte.
Ich habe also am Sendlinger Tor beliebig Leute angequatscht, angelächelt, und ihnen Material mitgegeben, natürlich auf höfliche Frage meinerseits, ob ich Informationen mitgeben kann – wo ich nicht so höflich war war in der Frage, ob überhaupt wählen gehen, da habe ich die Warum-Frage gestellt und bin sogar noch neben Leuten hergelaufen. Ich hoffe, ich habe nicht mehr Leute vom Wählen abgeschreckt als ermuntert – aber ich befürchte es.
Ähnlich ging es mir umgekehrt mit der WUMS (=Wirtschaft&Umwelt,Menschlich&Sozial) -Kampagne. Ich wusste erst gar nicht, was das bedeuten sollte. Und dann fand ich die Begriffe redundant, wogegen wichtige Aspekte fehlen: Gerechtigkeit! Menschenrechte! Frauenrechte! Und außerdem erinnert mich „Wums“ eher an einen Atomtest oder neue Beschleunigungsraten für Automobile. Und ist genau das Gegenteil der Botschaft von „Menschlich und Sozial“.
Ich hadere damit, denn eigentlich finde ich die Kampagne schrecklich genug, um das Propagierte nicht wählen zu wollen, aber andererseits will ich doch nicht so Werbungs-affin sein, daß ich mich von einer doofen Kampagne in wichtigen Entscheidungen beeinflussen lasse (ich kaufe ja auch nicht die neueste Lätta, selbst wenn ich gern mal wieder Meerwasser um meinen Körper spüren würde).
Jedoch erleichtert es mir die Wahl-Entscheidung trotzdem, daß die doofe Wums-Kampagne ein ganz super-es Vido hat mit Musik, die ich auch für Gute Laune hören würde:
Zu der Frage nach anderem taktischen Stimmabgabeüberlegen ein anderer Artikel der mir Spaß gemacht hat:Sollte man die Bayernpartei wählen, damit Bayern endlich kein Teil der BRD mehr ist? Pro und Contra:
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/bayern-rauswaehlen-aus-deutschland/
Ob jetzt die Grünen oder die Blauen oder die Orangenen oder die Rosanen oder die Regenbogenfarbigen:
Geht wählen! Wenn noch irgendwo Menschenrechtspolitik gemacht wird, dann ist es in der EU. Und jede Stimme, die für das Parlament abgegeben wird, macht es stärker. Es mag als Platz erscheinen an den man ausgangierte Dinosaurier wie Stoiber verweisen kann und sich auch mit dadaistischen Problemen wie dem Krümmungsgrad von Bananen beschäftigen, aber es ist die stabilste Ursache, daß wir seit über fünfzig Jahren Frieden haben in diesem winzigen Kontinent, der vorher, gemessen an seiner Größe, von Kriegen in aberwitziger Zahl überzogen wurde.
Und Krieg, das heißt immer: Menschenleben die zu früh enden, Menschen die Menschen verlieren, und Angst.
weißes Heute 11. Mai 2009
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gehört, gelebt, gelesen, gereist.Tags: Bayern, Bibliothek, dunkel, Gedanken, Gewitter, Himmel, Julia Franck, Kastanien, Kopfweh, Lagerfeuer, Landschaft, München, Menschenrechte, missent to denmark, Regentropfen, Regionalzüge, Reisen, Tagebuch, Wetter, Zugfahren
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Heute ist so ein Kopfwehtag. Gestern hätte es schon die ganze Zeit gewittern sollen, ab und zu gab es ein paar losgelöste Tropfen, von denen man zufällig getroffen wurde oder die sich als dunkle Punkte auf dem Pflaster bildeten, aber es war noch schön warm, die Kastanien hatten nicht nur ihre großen schweren Kerzen, sondern auch schwere, feuchtigkeitsdunkle Blätter, und der Hin-und Rückweg die Isar entlang zum Ampère war wunderschön.
Heute hat das sich immer weiter herausschiebende Gewitter aber einen Druck auf die Stadt und meine Stirn gelegt, und ich erinnere mich an Freitag, die Rückfahrt von der Menschenrechts-Tagung in Aschaffenburg mit dem Bayernticket kreuz und quer in Regionalzügen durch die Landschaft Mittelfrankens, die sanft, hell, rapsgelb, hügelig, gelegentlich bewaldet vor dem Fenster lag während ich Missent To Denmark hörte und das Ende von Lagerfeuer las, und je weiter ich nach Süden kam, desto dunkler wurde der Himmel, wegen des voranschreitenden Tagesendes, aber vor allem, weil der Himmel sich mehr und mehr mit Gewitter füllte, in Treuchtlingen setzte der Regen ein, in Augsburg der Donner, als der Zug in Pasing einfuhr der Blitz. Der Süden von Bayern, ja, aber eben auch in der Nähe der Alpen, das ist es, was München ausmacht.
Also schaue ich auf den drückend weißen Himmel an den weißen Säulen in den Fensterhöhlen der Bibliothek vorbei.
Jahreswechselstöckchen von Anika. 31. Dezember 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gefragt, gelebt, gelesen, gereist, gesehen.Tags: Arden, Bayern, Berlin, Bilanz, Bulgarienluft, Caotica Ana, Edith Nesbit, Ehrlichsein, Farben, Faserland, Fragen, Gedanken, Im Winter ein Jahr, Jahresrückblick, Jahreswechsel, Kinderbücher, Leiden eines Amerikaners, Miranda July, Reisen, Rigaer, Schwarz-Weiß, Siri Hustvedt, Stöckchen, Strumpfhosen
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Wenn 2008 ein Sandwich wäre:
Ganz viel Lachs, bulgarische Tomaten, zwischen Reisbrotscheiben. Leicht geröstet. Gedrittelt.
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gelernt im Jahre 2008:
Daß ehrlich sein besser ist als fröhlich sein.
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verlernt:
Hebräischvokbeln.
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Ein 2008-erstes Mal:
Reisen durch Länder deren Sprachen ich nicht einmal annähernd kenne.
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Eine neue Narbe 2008:
Letztes Sylvester die an der rechten Brust.
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Ort, an dem man war, als der erste Schnee fiel:
Ein Wirtshaus mitten in Oberbayern, und ich schaute durchs Dachfenster auf den Schnee der sich in der Linde vor dem Haus verfing.
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Das letzte Kostüm, in dem man steckte:
Ganz in schwarz mit einer weißen Strumphose zum Schwarzweißball, bevor ich erfuhr, daß in Bayern „Schwarz-Weiß-Ball“ bedeutet, daß man smoking-elegant kommen soll.
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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, es nicht gelesen / ihn nicht gesehen zu haben:
Faserland auch beim 2. Versuch nicht besser. /Caotica Ana.
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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, alle Welt würde ihre Nase ebenfalls hineinstecken / ihren Blick darauf werden:
Leiden eines Amerikaners von Siri Hustvedt./Im Winter ein Jahr.
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Einen Menschen, den man auf der Straße gesehen hat und gerne näher gekannt hätte:
Ein Mädchen in der Rigaer im August mit vorne langen Strähnen und hinten kurzen Haaren, roten Backen und ganz vielen verschiedenen dünnen Kleidungsstücken an.
(Und ich habe sie letzte Woche kennengelernt, und ihre Geschichte gehört, und ihre Telefonnummer bekommen, und ich bringe das noch immer nicht zusammen mit diesem Eindruck im Sommer.).
Die Zärtlichkeit zwischen anderen, die einen berührt hat:
Ihr Vater begrüßt meine bester Freundin.
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Kindheitsserie, in der man 2008 geschwelgt hat:
Die Kinder von Arden/der Traum von Arden von Edith Nesbit.
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Farbe, die 2008 ausmacht:
granatapfelrot
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Gefühl für 2009:
Weiter. Weiter?
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Luftschloss für 2009:
Diplom abschließen.
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Ein voraussichtlich 2009-erstes Mal:
Rußland.
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ein jahreswechselstöckchen zum wegnehmen. von ani und anj mit einigen ideen aus dem wundervollen buch learning to love you more von miranda july
kann 2. Juni 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München/Berlin Berlin/München, gefragt.Tags: Bayern, Fragen, Seehofer, Verbraucherschutz
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es sein, daß Seehofer nur in den Bayerischen Regionalsendern „Landwirtschaftsminister“ heißt und sonst „Verbraucherschutzsminister“?
nach der Wahl 10. März 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gelebt.Tags: Bayern, CSU, Freie Wähler, Heimat, Wahl
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es ist schon wieder eine Woche her, und ich war letzte Woche nicht im Internet weil ich in Oberbayern gearbeitet habe, aber es ist immer noch aktuell: 13,5 % für die Grünen in München, inzwischen fühle ich mich zu Hause. Dazu diese ausgesprochen kreative Parteienlandschaft, die es in keinem anderen Bundesland gibt: CSB steht gleich für zwei Wahlalternativen, das Christlich Soziale Bündnis und die Christlich Sozialen Bürger, dann die unzähligen Freien-Wähler-Gemeinschaften die überall etwas anderes wollen, jedenfalls alle ohne eine gemeinsame Partei, d. h. hierzulande ohne die CSU, und dann zweistellige Ergebnisse für die ÖDP in dem für seine Dick- respektive Holzköpfigkeit bekannte Niederbayern. Hier kann man kaum von dem in ganz Deutschland diskutierten Fünfparteiensystem sprechen: Die Linke hat in München einen Sitz, genau wie die ÖDP und die von mir kumulierte (aber nicht panaschierte? So was kenne ich nicht aus Berlin) Rosa Liste. Und absolute Mehrheiten, darauf stehn die Bayern ja („wir sind halt gern alle einer Meinung“ – Zitat zu dem Wechsel der 90% für die NSDAP zu 90% für die CSU in Garmisch) – also auch für SPD-Ude hier an der Isar, dessen Kindermädchen bekanntlich Traude Jung war, was zum Glück nichts über ihn aussagt, vielleicht aber doch einige Münchner … Nee, nee. Als eine nette, etwas redselige Dame meiner Mitbewohnerin und mir vorletzten Sonntag das Kumulieren und überhaupt die 103 Stimmen erklärte, fügte sie hinzu: Und dann machen Sie halt ihre Kreuze bei denen wo sie wollen, außer natürlich hoffentlich nicht bei der CSU.
Ich bin in Berlin 20. Februar 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gereist.Tags: Bayern, Berlin, Eis, Freundschaft, Gespräch, Gewohnheit, Jeans, Kastanienallee, Kneipe, Langeweile, München, Menschen, Offenheit, Raum, Reisen, Tagebuch, Tinte, unterwegs
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In der Kastanienallee. Furchtbar. Da reist man so weit, und München holt einen doch wieder ein. Hier ist es nur noch ein bißchen langweiliger, weil die Bayern aus dem Umland die ihre Berge vermissen, fehlen. Wo sind sie, die Mecklenburger und ihr Seenplattenheimweh, die ich sonst immer hier getroffen habe? Überall, nur nicht im Prenzlauerberg wahrscheinlich. Früher gab es ja mal die Trennliene Torstaße nördlich derer die rosa Altbauten noch nicht rumwucherten, aber das ist VORBEI.
Und dann ist da noch etwas Merkwürdiges: Ich genieße es nicht mehr, S-Bahn zufahren. Ich weiß nicht warum. Das war immer eines der schönsten Dinge hier für mich. U-Bahnfahern über der Erde auch. Da war ich sogar glücklich, wenn ich unglücklich war. Das ist vollkommen verpufft. Es berührt mich nicht mehr.
Ich bin anders geworden.
Und dann passieren noch viele andere Dinge. Meine Eltern quartieren mich virtuell immer wieder ein uns aus, da war ich nicht ein einziges Mal bisher, alle anderen laden mich ein, meine Cousine rät mir, gar nicht zu meinen Eltern zu gehen außer vielleicht zum Kaffee, ich würde so gerne wenigsten meine bunten Tintenfäßchen, meine Israel-Schlag-Jeans (ich habe beschlossen, daß ich Schlaghosen jetzt einfach wieder trage, Röhre hin oder her), meine Klarinette und Streichhölzer mitnehmen.
Außerdem fiel mir gestern in einer Kneipe in der Freunde von mir lasen beim Abschlusslied ein Bild auf den Kopf. Eine fremde Frau brachte mir Eiswürfel, und ich saß auf dem Sofa und kühlte meine Beule, und meine Freunde saßen zwei Tische weiter. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich war ohnehin traurig über ein Telefongespräch mit einer erneuten Ausquartierung meiner Mutter und war eh der Überzeugung, daß mich niemand mag, sonst hätte vielleicht ich mich rübergesetzt. Ich bin dann gegangen. Heute habe ich es immerhin vor zwölf geschafft, mir die Frage ob mich überhaupt jemand mag gar nicht mehr zu stellen. Das Bewusstsein daß mein Wert überhaupt nicht davon abhängt und daß auch keines anderen Menschen Wert davon abhängt wie die Leute ihn behandeln, weil wir eben MENSCHEN sind und nicht nur Spielfiguren, StudiVZ-Profile, Gruppendynamiktrainingsteilnehmer, hat sich einfach wieder eingestellt. Ich mußte nichts dafür tun. Es war stärker. Ich bin also schon lange genug von meiner Familie weg, daß sich die Gewohnheit meines richtigen Lebens über die Gewohnheiten meines alten Lebens gelegt hat. Und auf diese Gewohnheiten kommt es, Vernunft hin, Vorstätze her, an. Und sie können sich ändern. Trotzdem wünsche ich mir einen Platz in meiner Familie, offene Arme, und das können meine Freunde mir nicht geben, auch nicht mit allen offenen Armen, mit all der Zeit, dem Essen, den guten, interessanten Gesprächen, die sie mir schenken.
Ich bin 27. Ich war lange unabhängig davon wie meine Familie mich behandelt. Aber ich habe zu gemacht. Wenn ich weiter offen bin, bleibe ich verletzlich und unglücklich und vielleicht nicht altersgemäß. Wenn ich mich verschließe, bin ich wieder stark und fröhlich und patent, aber es wird sich nie etwas ändern, ich werde nie einen Platz in meiner Familie haben, wenn nicht mal ich ihn mir wünsche.
ach so da war noch was 10. Dezember 2007
Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gelesen, gesehen.Tags: 8 femmes, Bayern, Bulgarien, Casablanca, Judith Hermann, Mein bester Freund, Nichts als Gespenster, Orhan Pamuk, Osteuropa, Schnee, Schnitzler, Victor Krum
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ich lese grade Schnee
noch was zu meinem Lieblings – und Hauptthema: 29. Januar 2007
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, gedacht, gefragt, gelebt.Tags: Angst, Armut, Bayern, behäbig, Berlin, Entspannung, Fragen, israel, Leben, München, Menschen, nachts, Routine, Schickimicki, Sicher, Sicherheit, Theater, zufrieden
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ich mag München, noch immer, und ich stehe dazu, nur kommen mir die Gründe dafür immer unwichtiger vor.
Grund Nummer eins: München ist sicher.
Sicher: Das heißt, man braucht keine Angst zu haben. Nachdem ich ein Jahr lang in Israel gelebt habe und erst beim Zurückkehren nach Deutschland gemerkt habe, wie sehr die Angst dort mich und die Leute verändert hat, ist mir klar, wie wichtig das ist. Wenn man die Sicherheit hat, vergißt man nur leider, WIE wichtig, aber ich erinnere mich immerhin noch, daß es mal eine Zeit gab, in der ich es wußte.
Gestern bin ich nachts (Berliner) U 8 gefahren, um halb zwei an der Voltastr. eingestiegen und entsprechend später am Kottbusser Tor umgestiegen, und, ja, ich hatte Angst, eine realistsch-nüchterne Einschätzung, daß etwas passieren könnte, und ich meine jetzt nicht nur die Schlägerei, die in meinem Ubahnwagen ab Gesundbrunnen stattfand.
In der Kneipe in der ich gestern war entwickelte sich eine Pöbelei, als mich ein Freund auf dem Handy anrief und ich rausging um ihn besser zu verstehen. Dummerweise wurde der Pöbeler rausgeschmissen und entdeckte mich, obwohl ich mich in einen Hauseingang gedrückt habe. Ich bin geflüchtet in den Dönerladen an der Ecke, es ging gut, aber ich hatte Angst, eine realistische Einschätzung dessen was hätte passieren können.
So ist das auch in Israel. Man weiß, daß theoretisch, prozentual, statistisch gesehen, der Bus, der gerade an einem vorbeifährt, hochgehen könnte. Das könnte er immer. Ist einfach so. Man beschäfigt sich nicht weiter mit dem Wissen, weil man es immer hat. Aber diese Einschätzung verändert trotzdem das Verhalten, die Haltung, von Körper und Meinung. Entspannt kann man das nicht mehr nennen.
Ich genieße sie nicht mehr so wie das erste Jahr, aber sie ist da in München: Die Sicherheit. Und die Entspannung. Die sicher auch dazu beiträgt, daß das Theater da (im Durchschnitt) so zufrieden und behäbig ist, und die ganze Sadt zufrieden, träge und irgendwie langweilig. Und deshalb immer neue Kicks sucht.
Ich glaube, es gibt nichts, was mich an München mehr abstößt (und verflucht langweilt) als die Kicks: Die Kleider für 1800 Euro in den Schaufenstern der Maximilianstraße, die immer hipperen Clubs, die immer cooleren Events, die hippen, coolen, schicken Leute, all das Geld, das ausgegeben wird, um etwas besonders zu machen, was eigentlich nur Routine ist: Das Leben, wenn man alles hat außer Fragen.*
*zur Besonderheit der Bayerischen Lebensart, die fast so viel Richtig und Falsch hat wie Knödel und Sauerkraut ein andermal.
Als Kind glaubte ich 29. Januar 2007
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gedacht, geschrieben.Tags: Bayern, Berlin, Erwachsensein, Frühlingsanfang, Gedanken, Gedankenübertragung, große Liebe, Internat, Januar, Kindergarten, Kinderglaube, Löwenzahn, Maria Kersten, Mauer
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… daß am ersten Januar der Frühling anfängt,
… daß ich mit 18 erwachsen bin,
… daß zwischen dem Haus meiner Großeltern in Westdeutschland ein Geheimgang zur Stromstraße in Berlin-Moabit führt, man muß nur den Schuhsschrank im ersten Stock öffnen,
… an die große Liebe,
… daß hinter der Mauer Israel liegt und dahinter Bayern,
… daß im Internat alles lustiger ist,
… an Gedankenübertragung,
… daß man in einer speziellen Ecke im Kindergarten mit Gott sprechen könne,
… daß jemand an einen denkt, wenn man Schluckauf hat.
Stöckchen gefangen von Maria, werfe ich weiter an Unentwegt, la pecera, Löwenzahn und Halbkind.
Orhan Pamuk, die Türkei und die EU. 13. Oktober 2006
Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gefragt.Tags: Bayern, EU, EU- Erweiterung, Europa, Fragen, Gedanken, Literatur, München, nachdenken, Nobelpreis, Oberpfalz, Orhan Pamuk, Ostanatolien, Politik, Schnee, turkophil
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Ausgerechnet knapp eine Woche nachdem ich die Zugehörigkeit der Türkei zu Europa eifrig verfochten habe, ausgerechnet mit Verbindungsmenschen, wenn auch nicht schlagenden, wird der Nobelpreis an Orhan Pamuk verliehen – und zaghaft nimmt der Kommentator der SZ darauf Bezug, daß es eben auch darum geht, daß in der Türkei nicht nur die Hottentotten wohnen, sondern so einigermaßen kultivierte Menschen, daß sie einen Nobelpreis verliehen bekommen.
Natürlich kann man einwenden, daß der Rest vom Staat so böse ist, daß er den armen Schrifsteller verfolgt und nicht vor Schlägen schützt, und natürlich gibt es da noch das riesige Ostanatolien, aus dem die Türkei zur Hauptsache besteht, und Orhan Pamuk ist auch eine Ausnahme, weil zwar kein Christ, aber doch wenigstens kein islamistischer Fundamentalist, und weil die übrigen Türken eben hauptsächlich auch Muslime, aber keine Ausnahmen sind, ist die Türkei kulturell und politisch auf keinen Fall in der Lage, Teil Europas zu sein.
Äh … fürs Politische warn das jetzt ja einige Gründe, aber fürs Kulturelle?
Ja, die Menschenrechte sind ja auch Teil unserer Kultur. Und der Islam ist ja auch Teil der türkischen Kultur, und eine islamische Kultur ist nun ja ganz und gar nicht europäisch!
Hm …
nun ist die Türkei ja der säkulärste der „islamischen“ Staaten. Und Deutschland nicht unbedingt das säkulärste der „christlichen“ Staaten. Wobei ich als Christin gar nicht viel Christliches in unserer Europäischen Union entdecken kann. Zumindest nicht an unserem Deutschen Staat. Das ist für mich definitiv ein Grund, ein Land nicht nur deswegen nicht aufzunehmen, weil es islamisch geprägt ist – Europa ist keine religiöse Gemeinschaft!
Ansonsten habe ich leider nur lauter Gegenbeispiele. Mein Lieblingsbeispiel gegen Ostanatolien ist die Oberpfalz. Nur weil Istanbul und Ankara kultiviert sind, kann man die Türkei nicht aufnehmen? Sind München, Regensburg und Nürnberg wirklich ein Argument, Bayern nicht aus der EU zu auszuschließen? A propos Fundamentalismus, da findet man hier sicher auch noch ein bißchen was …
Und wieso sollte jeder kulturelle Mensch in der Türkei eine Ausnahme sein? Vermutlich sind gebildete Menschen überall die Ausnahme, und Schläger vermutlich auch, und die Mehrheit bewegt sich irgendwo dazwischen.
Wobei mir allerdings überhaupt nicht klar ist, was die EU gerade will. Eine Wirtschaftsgemeinschaft sein? Ein Gegenpol zu den USA? Ein außenpolitischer Faktor? Ein Hort der Freiheit? Eine Insel der Reichen?
Solange das nicht etwas klarer wird, bin ich gegen jeden neuen Kandidaten – dann aber eher für die Türkei als für die Ukraine. Aus wirschaftlichen, politischen und kulturellen Gründen. Und gegen die Ukraine nicht für alle Zeit – aber nicht eher als die Türkei.
Und außerdem werde ich mich jetzt mal daran machen, Pamuk zu lesen. Unabängig davon daß er ein lebendes Exemplar dafür ist, daß es in der Türkei kulturelle Menschen gibt, schreibt er nämlich sehr gut.