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kurz – 21. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.
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Eigentlich war ich immer sehr unzufrieden mit den letzten Artikeln und dachte immer, wer die liest, löscht sofort mein Blog aus dem Feedreader. Belanglos. Vielleicht noch verbrämt. So hat sich zumindest auch mein Leben angefühlt. Und, im guten Sinne, nicht blogbar. Als ob das was aufgeschrieben ist nicht das Wichtige ist. Das ist es vermutlich nie. Aber das Aufschreiben war wichtig für mich. Im Laufe des Schreibens stellte sich ein Zusammenhang her, jedenfalls in meinem Gefühl, und es war mehr da, was ich erlebt hatte als was ich nicht erzählt habe.

Dieses Gefühl hatte ich bei den letzen Einträgen nicht, hatte ich vor allem, wären mein Rechner kaputt war, hier im Computerraum nicht, auch wenn ich hier gerade gut schreiben kann und es auch vorhin gut konnte. Mein Leben fühlte sich so aufgeklöst an wie Zuckerwatte die vom Stab fällt, und ich wußte nicht einmal, ob ich der Stab war und aus welcher Perspektive ich hätte schreiben sollen. Das habe ich natürlich nicht geschrieben. Ich habe Überbrückungsposts geschrieben, um etwas zu schreiben, das, wozu man sich beim bloggen und überhaupt von einem Blog nie verleiten lassen sollte.

Warum ich im Nachhinein über diese beiden Posts doch so froh bin, auch wenn sie ein wenig gestelzt formuliert sind (in dem Versuch, meinem alten Schreiben, wenn schon nicht durch die Klarheit der Gedanken, dann doch durch eine versucte Klärung der Worte nahe zu kommen – ich habe also das nachgemacht was mir immer so viel bedeutet hat), weiß ich nicht, aber ich mag sie, sie berühren mich, das war mein Sommer, und ich bin unglücklich darüber, das über die ganze andere Zeit dieses bewegten, an Ereignissen, Gefühlen, Verwirrungen, Sommers, da nicht steht. Als wäre er nicht da. Nicht einmal erinnern kann ich mich, wer gesagt hat, ich sähe aus wie Effi Briest.

Es scheint die Sonne. 21. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, geträumt.
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Gestern hätte mein Eintrag mit den Worten“Sonntag. Herbstag. Heller Himmel“ begonnen, vielleicht hätte er auch daraus bestanden. Vielleicht hat er daraus bestanden, ich habe ihn nur nicht geschrieben.

Eine gelbe Hose, die ich letzte Jahr in Istanbul gekauft hatte, fiel mir beim Endsommerneufalten meiner Kommode in die Hände, ich hatte sie den ganzen Sommer nicht an. Sommer ist nicht mehr, nur bayerischer Herbst, was temperaturmäßig nicht viel Unterschied macht, darum trage ich sie heute und schwitze erstmals nicht seit ich die Herbströcke und Strumpfhosen wieder aktiviert habe. Die Woche war fein und fast zu schön, gestern kamen mir Zweifel, ob das Leben so schön sein könne, ob ich damit Erfolg haben könnte, ob ich so weitermachen kann. Ich habe eine Feier gemacht, mit Torte und Kuchen und Suppe und vielen Leuten in meinem Raum, vierzehn Leute in meinen 16 Quadratmetern in denen noch Herd und Spüle stehen, ein großes Bett, zum Glück kein Schrank, aber raumgreifende Bücherstapel und eine Kiste voll von ZEITresten. Und eine Gebetsecke. Es war warm, es gab Kerzenlicht, es war gar kein Stress, irgendjemand hat immer Tee oder Kaffee gekocht oder die Tür aufgemacht, und am Ende blieb als längstes A, wieder auf meinem Bett sitzend, und erkannte aus der Musik die im Hintergrund lief die Einzellieder, die ich ihn auf ein Mixtape gemacht habe. Der Wein den wir tranken war leider furchtbar schlecht, vielleicht koche ich eine Bolognese, um ihn unterzubringen, oder ich gieße ihn doch weg, in der Hoffnung, daß der vorhandene Alkohol meine Spüle desinfiziert. Wir haben mein gesamtes Geschirr benutzt und Besteck, am Mittwoch hatte ich weder Tasse noch Glas noch Gabel noch Löffel noch Teller für mein Frühstück. Weil der Boiler immer nur so wenig Wasser erhitzt und man nicht lang abwaschen kann, bis das warme Wasser aus ist, habe ich noch bis Freitag gespült, die Spritztülle für die Torte, den Suppenpüriertstab, die Schüsseln, Schälchen, Tassen, nur eine Springform liegt immer noch in der Spüle. Hui, soviele große S in einem Satz- vielleicht ist S ein Küchen-Konsonant.

Ich habe gerade meinen Stundenplan angefangen zu bauen. Ich bin hoffnungslos hinter der Zeit der BA- und Online-Studenten: Ich habe mir die Lehrveranstaltungen, die mich interessieren mit Bleistift auf ein großes weißes Blatt abgeschrieben, unterteilt in fünf Spalten mit einem Kasten für die Blockveranstaltung in der unteren rechten Ecke. Es ist völlig voll und zeigt mir mal wieder, warum und wie ich schon so lange studiert habe. Ich bin immer klüger geworden, ich habe nur nicht die Scheine gemacht, die ich hätte machen sollen, die das Unisystem für relevant erachtet, ich habe immer viel Neues gelernt. Vielleicht helfen mir W und M, die ich gleich treffe, beim Rausstreichen von wenig erfolgversprechenden Dozenten.

Ich lese immer noch „das verborgene Wort“ von Ulla Hahn, ich finde es nicht mehr literarisch überragend, aber höchst spannend, und ich will wissen, wie es mit den Personen weitergeht, stirbt Maria? Vorerst wachsen ihre Haare wieder nach. Noch sind es 200 Seiten von 600 bis zum Ende. Beid den Korrekturen von Franzen habe ich das im März in drei Tagen gelesen – im Moment bin ich einfach glücklich. Ich liege auf dem Bett und freue mich. Ich treffe meine Freunde und freue mich. Ich trinke Ayran und freue mich. Ich verzehre die Sonne mit dem Appetit des kobaltblauen Meeres und freue mich. Ich verteile bunte Farben auf meinen Augenlidern, ich bürste meine Haare, ich sortiere meine Sachen, ich trinke schwarzen Tee mit Milch, ich mache Wahlkampf und freue mich.

Warte nur, dir wird das Lachen schon vergehen? Ist die große Unke die hinter so viel Glück steht. Nicht meine vertrauteste Übung. Und es lauert auch schon wieder eine Woche Berlin, wie wird die werden?

anderer Tag, 9. August 2009

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neuer Tag, Sonntag. Bedeckter Himmel, der mich erleichtert, auch die Vögel sind so leise, daß sie gut hörbar sind. Endlich habe ich etwas mehr geschlafen, bin nicht wieder morgens früh von allein aufgewacht nach einer viel zu kurzen Nacht. Ich habe Liter um Liter Ayran getrunken, ich habe gestrickt, ich habe Hunger von Hamsun mehr überflogen als gelesen, bin von Wortgruppe zu Überschrift gehüpft. Noch nicht ausgepackt. Nur was ich gebraucht habe. Also doch fast alles, denn ich hatte nur so wenig mit, aber der Rucksack liegt noch da und erinnert mich an die Reise, der Kalender noch darin, den ich bis jetzt noch nicht verwendet habe. Ich weiß, was ich heute mache, auch die Sachen für gestern wurden per Kurzmitteilung geregelt, erst ab Montag, wenn die Woche der Bibliotheksöffnungszeiten, Geschäftsöffnungszeiten, Praxisöffnungszeiten wieder anfängt, brauche ich wieder Termine. Nicht, daß ich meinen Kalender nicht mag. Er ist auch eine Art Ereignistagebuch, die Treffen, Briefe, Telefonate der kalenderlosen Zeit trage ich immer nach, damit ich weiß, was war, nicht in der Erinnerung die Zeit zu einer leeren verschwimmt, wenn ich in einem Kalender blättere – auch wenn ich weiß, daß die ganz ereignisreichen Zeiten den Kalender immer leer lassen. Der Monat in Venezuela, in Carácas, in den Tropen beim Workcamp, in einer Gastfamilie die eine Kaffeefarm hatte, auch am Strand zuletzt in einem stillgelegten Wasserwerk voller Pflanzen und Bücher, war so ereignisreich, daß ich sie niemals hätte nachtragen können. Auch so ereignisreich für mich. Jede Woche hat mich so verändert, daß ich die nächste anders wahrgenommen habe, und in der Rückschau bleibt nur dieses Fazit, nicht mehr die einzelne unterschiedliche Wahrnehmung.

Es gab viel Sonne letzte Woche, bei Augsburg regnet es nicht so viel wie in München, die Berge sind weiter weg, meine Schultern sind noch dunkler geworden, meine Haare noch heller, meine Schultern ein bißchen entspannter vom Schwimmen im See, immer hin zur Insel und wieder zurück, das mir gar nicht langweilig wurde. Ich habe keine neuen Worte gelernt. Ich habe nichts aus einer anderen Sprache gelernt. Ich habe nicht versucht, mit den Italienern auf Spanisch, mit den Ungarn auf Finnisch, mit den Slowaken auf Deutsch zu reden – ich habe mich aufs Lächeln und Gestikulieren beschränkt. Ich habe nicht gelesen und kaum geschrieben (immer nur einzelne Sätze die ich mir unbedingt merken wollte, nicht von mir, sondern, die andere ausgesprochen hatten), aber ich habe viel vorgelesen, mit dem Mikrofon in der Hand, nicht unbedingt in Gedanken beim Text, sondern daran, möglichst schnell von der Bühne wieder runterzukommen, aber offenbar hat gerade diese meine Gedankenferne den Zuhörern eine große Nähe zum Text erlaubt.

Nähe sonst? Nicht wie ich sie kenne.Trotzdem vorhanden, auf eine mir unbekannte Art. Das beschäftigt mich ja noch so. Ich bleibe da noch.

Wollte mich nur kurz verabschieden. 2. Juli 2009

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Fahre nach Thüringen. Mit dem Mottorrad. Vielleicht im Regen, vielleicht auch so. Zum Folkfestival Rudolstadt. Höre ein Politisches Feuilleton über politische Korrektness. Sitze hier in diesem Zimmer in dem ich mich vor der Welt verstecke, mit dem Fenster zu Sommerhitze und gewitterndem Regel, hellen, graublauem Himmel mit vorüberziehenden Wolken, jetzt dunkel, trinke noch einen Ayran. In der letzten Woche war ich viel unterwegs und viel war in meinem Kopf, Film, Buch, Musik. So viel zu schreiben. Notizen dazu in meinem Notizbuch. Ich habe meine alten Artikel hier gelesen vor ein paar Tagen und mit Tags versehen. Und dabei gemerkt, wie wenig monothematisch meine Posts sind. Allen voran der vom Jahreswechsel 07/08. So lang, daß ihn vermutlich niemand vollständig gelesen hat. So viele Themen. Vor allem im letzten Teil aber gerade Gedanken, die mir wichtig sind.

Wer liest das alles – eine Frage, die ich mir kaum gestellt habe, als ich nur alle paar Wochen mal im Internet war. Artikel mit Tags zu versehen geht aber davon aus: Artikel findbar zu machen. Und dabei immer die Frage: Interessiert die Leute das überhaupt, worauf sie hier stoßen? Ich habe bei myblog angefangen zu bloggen. Da gibt es viele Tagebücher in denen das Blogsujet das eigene Leben ist. Ich habe immer Tagebuch geführt, es sind über dreißig inzwischen, glaube ich, hier in München habe ich nur die seit 2003, das sind mehr als zehn. Ich schreibe Tagebuch, weil ich denke, wenn ich schreibe. Wenn ich so denke, denke ich nur in Gefühlen und Bildern, aber wenn ich Worte benutze, verstehe ich, was mich bewegt. Das ist die eine Sache, die andere Leute beim Lesen von Blogs interessiert, die mich beim Lesen von Blogs interessiert, wie andere ihr Leben verstehen und durchdenken. Dann kommt aber auch das Erzählen hinzu. Ich mag es, wenn Worte, nur weil sie so zusammenstehen wie sie es tun, etwas eigenes bilden. Das hoffe ich auch für meine Einträge, auch wenn ich sie nicht in der Blickrichtung schreibe. Zugleich habe ich aber auch immer wieder Bücher, Filme, Musik, über die ich schreibe. Die habe ich vertagt. Das lässt sich so viel eindeutiger verschlagworten als „Gedanken“, „Tagebuch“, „Nachdenken“, „Leben“, „Bilanz“. Ist aber auch nur selten abgetrennt von ebenjenem. Das ist die Gefankenvorleistung eines Blgs, das über Themen schreiben will: Es trennt, sortiert, das habe ich nicht getan. Diese ellenlangen Einträge sind Tagebuch. Momentaufnahmen von mir oder dem was ich in in Worte fassen will, nicht von Dingen. Wo ich das so schreibe, finde ich es gar nicht mehr so schlimm wie beim vertaggen meines Blogs.

Ich fahre jetzt erstmal nach Rudolstadt und denke weiter darüber nach. In meinem Notizbuch befinden sich die Notizen allerdings bereits nach Schlagworten sortiert. Life follows blogging? Da sei das Leben davor.

Jahreswechselstöckchen von Anika. 31. Dezember 2008

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Wenn 2008 ein Sandwich wäre:

Ganz viel Lachs, bulgarische Tomaten, zwischen Reisbrotscheiben. Leicht geröstet. Gedrittelt.

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gelernt im Jahre 2008:

Daß ehrlich sein besser ist als fröhlich sein.

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verlernt:

Hebräischvokbeln.
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Ein 2008-erstes Mal:

Reisen durch Länder deren Sprachen ich nicht einmal annähernd kenne.
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Eine neue Narbe 2008:

Letztes Sylvester die an der rechten Brust.
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Ort, an dem man war, als der erste Schnee fiel:

Ein Wirtshaus mitten in Oberbayern, und ich schaute durchs Dachfenster auf den Schnee der sich in der Linde vor dem Haus verfing.

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Das letzte Kostüm, in dem man steckte:

Ganz in schwarz mit einer weißen Strumphose zum Schwarzweißball, bevor ich erfuhr, daß in Bayern „Schwarz-Weiß-Ball“ bedeutet, daß man smoking-elegant kommen soll.

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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, es nicht gelesen / ihn nicht gesehen zu haben:

Faserland auch beim 2. Versuch nicht besser. /Caotica Ana.

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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, alle Welt würde ihre Nase ebenfalls hineinstecken / ihren Blick darauf werden:

Leiden eines Amerikaners von Siri Hustvedt./Im Winter ein Jahr.
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Einen Menschen, den man auf der Straße gesehen hat und gerne näher gekannt hätte:

Ein Mädchen in der Rigaer im August mit vorne langen Strähnen und hinten kurzen Haaren, roten Backen und ganz vielen verschiedenen dünnen Kleidungsstücken an.
(Und ich habe sie letzte Woche kennengelernt, und ihre Geschichte gehört, und ihre Telefonnummer bekommen, und ich bringe das noch immer nicht zusammen mit diesem Eindruck im Sommer.).

Die Zärtlichkeit zwischen anderen, die einen berührt hat:

Ihr Vater begrüßt meine bester Freundin.

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Kindheitsserie, in der man 2008 geschwelgt hat:

Die Kinder von Arden/der Traum von Arden von Edith Nesbit.

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Farbe, die 2008 ausmacht:

granatapfelrot
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Gefühl für 2009:

Weiter. Weiter?

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Luftschloss für 2009:

Diplom abschließen.

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Ein voraussichtlich 2009-erstes Mal:

Rußland.

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ein jahreswechselstöckchen zum wegnehmen. von ani und anj mit einigen ideen aus dem wundervollen buch learning to love you more von miranda july

last 31. Dezember 2008

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Kein dramatischer Umbruch. Keine Explosionswaren eingekauft. Nur ein Ticket, ein Stadtplan, eine Flasche Sekt.

Ich schlafe jede Nacht in einem anderen Bett, und jede Nacht träume ich von Bahnhöfen und Zügen die ich bekommen muß. Unterwegssein nachts, unterwegssein tags, ich bin keine Freundin davon. Wird das eine Zeit sein, die ich im Nachhinein als glücklich empfinde?

Ich empfinde es gerade nicht so, aber ich empfinde es als nah dran am Leben. (Ab und zu krame ich nach meiner alten Berlin-Liebe, aber ich glaube, das ist vorbei.)

Ich mag das bürgerliche Leben meiner Freundin L und ihrer Eltern in Dahlem, ein winziges Haus an einer Ecke neben ihrer alten Grundschule. Kaminfeuer, Heringssalat, Strauß aus dem Radio. Ich mag es.

Ich habe Freunde verloren dieses Jahr, und ich habe Freunde gewonnen, und die ich verloren habe, vermisse ich kaum, und die ich gewonnen habe mag ich sehr. Außer T, diese Freundschaft darf nicht zu Ende sein, auch wenn es so scheint, ich weiß nicht, was ich machen soll, aber ich will ihn nicht verlieren, er ist wichtig, er war immer wichtig, und auch in den letzten Monaten.

Es gibt ganze Blogs die sich nur mit so was beschäftigen. Nein, nicht. Es ist ja immer nur sehr oberflächlich, was man in ein paar Sätzen dahinratzt.

Menschlich ist mir viel Schönes in diesem Jahr passiert. Also, das, was schön war, war richtig schön. Ehrlich und glücklich. Aber ich habe auch vieles von meiner Fähigkeit zu vertrauen eingebüßt. Das scheint mir das schwerste überhaupt, wie eine schwere Turnübung, wie das Reck, etwas das ich immer wieder probiere, und das immer wieder schwer war.

Aber es gab emails in diesen letzten Tagen des Jahres.

Und letztlich bin ich, immer wenn ich Tränen in den Augen habe, wenn ich Angst habe jemanden zu verlieren, doch auch froh, daß ich diese Tränen habe. Daß es mir wichtig ist. Ich sehe mich manchmal mit den Augen anderer Leute dieser Tage, und ich mag mich wenig, aber dafür, daß mir sie so wichtig sind, dafür, was ich empfinde und liebe, dafür mag ich mich.

Das war der letzte Nachgedanke zum Barcelona-Film, daß Vicky von allen mir die interessanteste, die sympathischste, die stärkste schien, die die liebt. Und, trotz der Starriege, fiel die Schauspielerin auf.

Ich stricke wieder. In den Bussen die die Stadt zerschneiden. Heute noch Wedding. Heute noch da wo mein März war.

Kalenderbuch 30. Dezember 2008

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Gestern gebruncht mit einer alten Freundin, kein Tatortcafé gefunden ( NO 1 hatte über die Feiertage geschlossen, und im Krügers in der Lychi war die Leinwand kaputt), und ich traf meinen Freund P an der Tramhaltestelle, und als wir in die Bahn einstiegen frage ich ihn scherkhaft, und du, immer noch mit A zusammen oder wirst du Priester? Und er fing an zu heulen. P hat das letzte Mal geheult, als er nach einem verzögerten Einsatz eine Brandleiche gefunden hat. Er sagte „Wenn ich das nur wüßte“.

Mich beschäftigen zur Zeit solche Sachen wie allen meinen selbst gestrickten Pullover zu zeigen, die Frage, ob mir Baggy Jeans stehen und was ich mit meiner Arbeit mache. Es war ein langes Gesräch, ich habe ihm alles gesagt und gegeben was ich konnte, und ich glaube, es war auch gut, aber in meinem Herzen gibt es keine solchen Fragen.

Dagegen fing ich heute nach dem Kino an zu heulen, also nur Tränen kullern zu lassen, nachdem ich eine sms bekommen hatte, in der eine Freundin zum zweiten Mal ein Treffen verschoben hat. So empfindlich bin ich inzwischen geworden was das anbetrifft, so emotional. Vielleicht habe ich auch deswegen geweint weil ich mich darüber gewundert habe wie sehr mich so was trifft. Sollte es ja nicht. Sagt mir auch mein Kopf. Tut es aber. Wenn ich ehrlich bin.

Dazwischen sind wir am Sonntag Abend zu L nach Hause gefahren, um dort den von ihrem Vater aufgenommenen Tatort zu gucken, ein sehr guter von er Thematik her, aber was die mit den Ermittlern in Frankfurt da vorhaben, leuchtet mir nicht ganz ein, und das bei diesen Schauspielern!

Dann heute morgen lange nicht aus dem Haus, weil es so klat war, und schließlich doch in der Turmstraße gelandet und eine neue Brille ausgesucht. Ich wollte eine ganz große, große Kreise, die so weit von den Augen weg sind, daß das Gesicht da druchscheint, so eine wie D sie hat, aber so eine habe ich nicht gefunden, und L und P hatten eh vereinbart, mich von zu großen Extravaganzen abzuhalten. Jetzt ist sie bestellt und ich finde es fast ein bißchen schade, daß sie nicht noch extravaganter ist, aber auffällig ist sie in jedem Fall genug.

Dann Einkaufen, obwohl ich gar nichts brauchte, um die Zeit zu überrücken bis zum FIlm, natürlich mit zwei Ayran in der Tüte im Ergebnis, dann der Film, über den sich jede Menge schreiben ließe wie über den Tatort gestern wie über „Im Winter ein Jahr“ – aber mir ist grad nicht nach Gedanken desthalten, ich will grad aufschreiben, was passiert, ich will Kalendertagebuch schreiben.

Auf dem Rückweg die ganze weite Strecke vom Anhalter Bahnhof bis zum Herrmannplatz mit dem 29er gefahren, oben gesessen, nachgedacht, zufrieden damit gewesen, daß ich nicht glücklich bin.

Und angefangen, die Tage und Dinge im vergangegen Jahr zu ordnen. Zu werten und aufeinander zu beziehen. Vielleicht ist das immer ein Abschied? Diesen Gedanken habe ich in diesem Jahr das erste Mal.

zwischen 27. Dezember 2008

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Ab und zu fühle ich die Vertrautheit der Stadt noch aufblitzen, aber ich hasche dem nicht einmal nach, ich traue ihm nicht. Früher hatte ich immer das Gefühl, die Stadt würde mich beschützen, vor allem nachts, all die Lichter die auf bestimmte Art verstreut sind. Ich hatte diese Gefühle manchmal. Einmal beim Einsteigen in die Ubahn, heute morgen kurz beim Blick in den Hof. Ich bilde mir ein, wenn ich danach suche, werde ich es wiederfinden. Aber ich bin im Moment nicht der Mensch der sucht. Ich bin nicht der Mensch der lacht oder Grübchen plustert oder tanzt, der versucht so glücklich zu sein, daß es bis an die Zimmerwände strahlt. Ich warte. Schon seit einigen Monaten. Ich glaube, seit November. Seit ich das letzte mal hier war. Und glücklich, wie in einem warmen Plumpudding.

Hier wird es tatsächlich früher wieder dunkel. Der Tag war schon um drei vorbei, und es kam gelbes Licht durch die Fenster. Es vergeht Tag um Tag. Ich sehe Menschen die ich mag. Ich bin zu müde um aufzubrechen für etwas Neues. Ich gucke was da ist, wenn ich verharre. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Ich bin schon lange nicht mehr verharrt.

Manchmal bin ich in fremden Wohnungen im Bad, zu lange, denke nur nach, eine Pause von den vielen Menschen um mich, und habe ein starkes Gefühl, das ich nicht sehr gut kenne, mir aber so vertraut passt wie ein eingetragener Tweedmantel, etwas, das ich gut kann und das mich stark macht.

Das überraschende dabei ist die Neuheit und die Vertrautheit. Ich finde keine Worte dafür die nicht zu groß und kitschig sind. Es ist so ein bißchen wie Ich-Sein. Sehr neu und sehr vertraut und etwas was ich gut kann und mich stark macht.

Vielleicht, hoffentlich, bald außerhalb des Bads auch. Oder mit Menschen.

Bilanz zwischen den Stühlen 9. Juni 2008

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In letzter Zeit habe ich wenig in mein gebundenes Papiertagebuch geschrieben. Die letzten vier Einträge sind nur Listen, was alles gerade gut läuft, im Fließtext oder in Spiegelsstrichen. Davor ist die Mitschrift von der Fortbildung. Es gibt natürlich einen Grund, warum ich alles aufschreiben muß, was gut ist. Weil ich mich zwischendurch gefühlt habe wie das Almühltal, gefüllt mit einem Hochwasserstand von Unglück (die Isar hat auch gerade Hochwasser und schwappt bis an den Rand wo ich immer sitze und die Füße ins Wasser hängen lasse, aber die Isar ist einfach ein sehr kleiner Fluß, zu klein für meinen Unglückvergleich). Dann kamen ein paar ruhige, gute Wochen, in denen ich mich möglichst davon fernzuhalten versucht habe, nachzudenken, damit ich nicht wieder unglücklich werde.

Und dann kam eben die letzte Woche mit Streß pur. Drei Tage lang eine Schulklasse mit seit Jahren tief verwurzeltem Konflikten, und zwar alleine, eine für mich komplett neue Situation. Und solcher Haß war für mich auch neu: „Nein, ich will nicht mit ihr reden, ich will sie verletzen, denn sie hat mich auch verletzt, und wie stehe ich denn sonst da?“ Also, die Argumentation kenne ich schon, aber daß jemand da drei Tage drauf beharrt und versucht das auch umzusetzten wenn er nicht gerade seine anderen Mitschüler verprügelt, beleidigt oder sich oder Stühle oder Flipcharts durch die Gegend wirft, das kannte ich nicht. Dieser Junge hatte eine wahnsinnige Ausstrahlung, er war sehr präsent mit seinem Haß und seinem Wunsch, alle und alles zu verletzen.

Ich hätte schon einige Ideen gehabt, damit zu arbeiten, aber dazu hätte ich einen Co-Teamer gebraucht, alleine ging es immerhin einigermaßen, es gab einige kleine Fortschritte, dafür daß sie erstaunlich viel nicht konnten, konnten sie dann doch wieder erstaunlich viel, aber diese haßerfüllte Stimme geht mir noch nach. Das wollte er wahrscheinlich auch. Er schleudert ja seinen Haß durch die Welt um zu zeigen, hey, ich bin auch noch wichtig, es geht nicht an daß es mir schlecht geht, das ist nicht gut, das muß ich zeigen.

Auf jeden Fall habe ich von Freitag Nachmittag bis Samstag früh geschlafen.

Am Samstag war Team-Tag, und das war schön. Da hat sich tatsächlich inzischen eine Gruppe zusammengewachsen, die als ganzes fast so ist wie ein Freund: Da kann ich einfach so sein wie ich bin und das ist gut so, und ich glaube, den anderen geht es auch so (zumindest denen die nicht ganz neu sind, denn die sind vermutlich noch unsicher). So viel Nähe mit JN. Ich verstehe immer noch nicht, warum dieses Gefühl seit mittlerweile anderthalb Jahren so intensiv ist, daß es mich jedes Mal aus den Socken haut, wenn ich ihn sehe. Es fühlt sich sehr gut an, und jedesmal bin ich traurig, über jede Woche in der ich ihn nicht sehe. Mittlerweile ist ziemlich viel zwischen uns klar und auch passiert, das schafft vermutlich mit diese Nähe, aber mindestens ebenso viel ist unklar. Ich habe es vermieden, mit ihm allein zu sein, obwohl er es konsequent darauf angelegt hat, ich weiß nicht, wieso. Ich bin so unsicher ihm gegenüber, nach allem was passiert ist, nach allem was ich nicht verstehe. Warum klappt es nie, daß wir uns außerhalb treffen? Trotzdem ist es wunderschön, von ihm gefragt zu werden, egal was, wie es mir geht, was ist, es ist egal, er ist dabei immer ganz nah, seine Augen sind sehr aufmerksam, und ich konnte nicht mehr sagen als: Ich habe Kopfschmerzen, ich bin total alle, die letzten Tage waren total anstrengend. Er hat dann am Ende noch seine Reisepläne fürs Wochenende umgeschmissen um mit mir zur S-Bahn zu gehen, und ich habe S, der zu einem anderen Bahnhof gehen wollte, tatsächlich noch dazu überredet, daß er doch mit uns kommt und ich nicht mit JN alleine war. Vielleicht mache ich das alles nur, damit ich mir einbilden kann, wenn ich es nicht so verhindern würde, würde etwas passieren. Trotz allem würde ich es mir sehr wünschen. Trotzdem ich dieses starke Gefühl überhaupt nicht verstehe. Mein Verstand kann es nicht verstärken, ich weiß nicht, ob das alles Sinn macht oder paßt, es ist nur dieses überwältigend starke Gefühl, und das schon so lange.

Auf der anderen Seite A macht natürlich vollständig Sinn, mein Verstand kann an alles seine Häkchen machen. Ich habe ihn gestern getroffen. Das erste Mal seit langer Zeit. Anfangs war es sehr nett und schön und ich mochte ihn wieder richtig gerne, und dann, in den letzten Minuten, bevor er in seine Tram steigen mußte, sprach er über unser Verhältnis, und diese kurzen paar Minuten haben mich total verwirrt und verletzt, nicht was er gesagt hat, sondern wie er es gesagt hat. Ich mag die Art nicht, in der er mich mag. Das ist komisch, oder? Denn ich mag ihn sehr und es ist schön, daß er mich mag, aber sein Leben scheint mir so festgefügt zu sein, ein Regelwerk, nicht von den äußeren Umständen, die sind nicht besonders stabil (das ist vielleicht die Ursache), sondern vom Konzept her, von dem was er anstrebt und gut findet, alles hat seinen Platz. Es gibt genau eine Art, Pfannkuchen zu backen. Und man braucht genau eine Pfanne in der Küche. Und es gibt genau ein Gefühl, das ein Freitagsfilm (also ein Film, den man an einem Freitag ansieht) auslösen soll. Und ich habe das Gefühl, daß ich da auch irgendwo reinpasse. Und er das alles genau so genießt.

Ich übertreibe natürlich. Er ist schon flexibel, bei vielen Dingen, aber es scheint trotzdem immer ein Nonplusultra zu geben, und wenn das erreicht ist, sagt er das auch. Über solche Vorstellungen redet er viel. Und es ist das Gefühl, das ich dabei habe, ich fühle mich nicht mehr frei, obwohl ich auch nicht besonders eingeschränkt bin, denn es paßt ja alles so wunderbar.

Ich frage mich, ob ich solche Ansätze auch habe. Ich glaube, schon. Ich habe meinen einen Tee, den ich immer trinke. Ich liebe bestimmte Kombinationen: Musik hören, Lesen, auf dem Bett, an der Isar. Meine Briefe gestalte ich recht starr (wenn auch äußerlich immer anders), aber wenn sie bestimmte Kriterien nicht erfüllen, schicke ich sie nicht ab, darunter leiden meine Freunde, an die sich unfertige Briefe in meiner Briefmappe stapeln, die noch nicht meinen Ansprüchen genügen.

Lasse ich anderen dabei genügend Raum, sie selbst zu sein, da nicht reinzupassen, nicht in meinem Lebenskonzept aufzugehen?

Berührt mich das so an JN? Es paßt nicht ins Konzept, aber es ist wirkliche Begegnung und vielleicht eben gerade deshalb?

Nein, auch meine Freunde, die in mein Lebenskonzept passen (die auch Tee mögen und Briefe und Bäume :-) )(so eng ist das Konzept ja nicht) (oder doch? Sind unsere Vorstellungen nicht letztlich doch immer so konkret daß sie wenig Offenheit besitzen und immer wieder zu Mißverständnissen führen weil wir uns in unserer Eingeschränktheit so sicher sind?) und die ich sehr mag.

Nun bin ich also nach diesen Tagen: Verwirrt und traurig. Und höre Poney Express, eine Mischung zwischen Maia Hirasawa und Belle and Sebastian, und zwar auf französisch. Es trägt meine Gefühle schon die letzten fünf Tage, immer weiter, habe ich das Gefühl, es ist ein wirkliches Tragen daß diese Gefühle brauchen um zu leben. Mich hat schon lange nicht mehr Musik so ins Leben entführt, in mein Leben, denn ich bin überzeugt, daß das da ist wo meine Gefühle sind.

geschrieben am 29. Dezember, dann passierte einiges Unvorhergesehenes, das mich den Eintrag nicht vollenden ließ. 4. Januar 2008

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Marzipankartoffeln oder vorzeitiger Jahresrückblick

In meinem Zimmer steht noch die kleine Bank mit Bettlaken darüber die ich als Tisch benutze, darauf der Wasserkrug und eine Flasche halbvoll mit Himbeersirup. Gestern hatte ich Gäste, und ich mag nicht einmal mehr den Tisch ansehen der mich an sie erinnert. Letzte Woche hatte ich auch Gäste, das war schön. Es waren nur Freunde da, nur Leute, die ich von Herzen mag. Gestern war nur eine Person da, die ich nicht mag, sonst nur Menschen über deren Wiedersehen ich mich sehr gefreut habe, und trotzdem hat das verhindert, daß ich mich wohl fühlte. Es gab oft lange Momente in denen niemand etwas sagte, und ich wäre die letzte gewesen, diese Momente mit etwas zu füllen, das mir wichtig gewesen wäre, dazu war mein Vertrauen zu gering. Vielleicht bin ich zu ängstlich. Vielleicht bin ich nur vorsichtig. Auf jeden Fall bin ich sensibel.

Ich habe darüber nachgedach, warum ich V nicht mag, aber darf man nicht einfach die Freunde seiner Freunde nicht mögen? Muß es immer ein lösbares Problem sein? Ich mag das Unterbrechen nicht, die Rechthaberei und vor allem nicht, daß sie nur über sich redet. Am Sonntag den vierten Advent war ich vier Stunden mit ihr spazieren und brach einen Streit über die Teilnahme von Protestanenten an der Eucharistie vom Zaun dessen Meinung ich nicht einmal teile, um das erste Thema auszuwalzen bei dem es nicht nur um sie ging. Nach diesem Spaziergang ist für mich klar daß ich sie nicht mag, aber sie hält uns für Freunde. In den Zeiten in denen es mir nicht so gut ging hat sie sich ein Dreivierteljahr nicht gemeldet und das auch so begründet, daß sie anziehend an mir fände, daß ich so fröhlich sei, und wenn ich es nicht sei, sie es nicht anziehend fände. Jetzt kam sie wieder nach München nach einer Reise und fand, daß es mir besser ging, daß meine Ausstrahlung viel besser geworden sei, man mir die besseren Umstände ansähe, und jetzt meldet sie sich täglich. Wie komme ich da nur wieder raus? Sie merkt nicht, wie kühl ich mich verhalte, daß sie so was nicht merkt gehört ja zu dem ganzen Paket an ihr das ich nicht mag. Unfreundlich zu sein scheint kein Weg zu sein sie zu vertreiben. Eine Möglichkeit kam mir in den Sinn, ihr nämlich den Eindruk zu verschaffen, es ginge mir schlecht, damit sie sich wieder ein halbes Jahr nicht melde, aber derlei Theater ist mir zu anstrengend und das Risiko mir zu hoch, daß es nach hinten losgeht, daß sie, nachdem sie die Annehmlichkeiten meiner fröhlichen Seite wieder vor Augen geführt bekommen hat, sich jetzt um mich kümmert um möglichst schnell wieder in den Genuß derselben zu kommen. Außerdem geht es ihr im Moment gerade so schlecht, daß sie sowieso kein Leid neben ihrem (nach acht Jahren und davon vier Jahren Unentschiedenheit und Unzufriedenheit ihrerseits hat sich ihre Freund von ihr getrennt, und nun will sie ihn doch leidenschaftlich wieder) gelten läßt und auch nicht für interessant genug hält, die Schilderung ihres Leids mehr als zwei versuchte Worte zu unterbrechen bevor sie wieder dem Uninteressantes Erzählenden ins Wort fällt mit den wirklich wichtigen Dingen in ihrem Leben.

Nun, das war gestern. Ich habe gut geschlafen und gut geträumt, so daß ich mir beim Aufwachen sicher war, daß sie nur meine Oberfläche berühren konnte, während alle meine anderen Gäste meinem wahren Selbst wirklich nahe kamen (wie ich das im Traum begründen konnte bleibt mir im Nachhinein schleierhaft. Ich habe es Wachen versucht nachzuvollziehen, denn dieser Gedanke erfüllte mich mit ruhigem Glück und ließ mich mich in meinen Laken und in meinem Leben wohlfühlen, aber der Sinn dahinter blieb mir verwehrt, nur das Gefühl blieb und ich versuchte es über den Tag hinwegzuretten. Diese Weihnachten habe ich Unmengen an Süßigeiten (und ich mag keine Süßigkeiten) geschenkt bekommen, aber kein einziges Buch zu dem immerhin in die Richtung gehenden Lesezeichenkalender. Dafür habe ich selbst Massen an Büchern verschenkt, aber nichts Süßes, man schenkt ja immer das das man selbst mag, darum bin ich von den Süßigkeiten auch nicht verletzt, ich weiß ja, daß die Schenkenden sie selber mochten. Aber für mich gehört das zu der Zeit nach Weihnachten, mich mit einem Stapel Büchern und Marzipankartoffeln in die Laken zurückzuziehen und ihn herunter oder heruaf zu lesen. Dazu muß ich sagen, daß ich immer noch “Schnee” lese, immer noch angetan, immer noch begeistert von der Sprache und dem Stil und den Frechheiten des Autors, aber zwischendurch bereits von der tiefen Überzeugung, die Geschichte nähere sich ihrem Ende erfüllt, nach zahlreichen Verwicklungen und Zusammenhängen was die handelnden und erscheinenden Personen betrifft, die sich immer noch überbieten (also die unerwarteten Zusammenhänge, die von fern verehrte Schönheit, die der Koranschüler, den der Protagonist als Boten zu einem Terroristen kennen lernt und väterlich zu lieben beginnt, in seinem Science-Fiction-Romanentwurf (auf einem fernen Stern hat sich die Überlegenheit des Islam endlich gezeigt) zu verewigen versucht hat, stellt sich nicht nur als die Schwester der Angebeteten des Protagonisten, wegen der er überhaupt in die verschneite Grenzstadt gereist ist und die obendrein Ex-Gattin des sich kurz vor einem Wahlsieg befindlichen Bürgermeisteramtskandidaten der islamischen Partei ist, heraus, sondern außerdem, viele Seiten später als die Geliebte des Terroristen, mit dem sich der Protagonist später in einer höchst prekären Situation in einem Verließ wieder finden wird, wie uns der gemeinerweise vorgreifende Erzähler schon recht früh mitteilte.

(Absatz) Ich lese also immernoch “Schnee” und befinde mich, nach einer meiner Meinung nach bereits eines umfagreichen Romans würdigen Geschichte ungefähr mitten in der Hälfte. Nun mag ich das Buch sehr, aber es ist schon auch recht traurig. Tod kommt sehr oft vor, und es verteilt sich eine Menge Blut über die weiß eingeschneite Stadt, das der Protagonist zwar so gleich für ihm stetig wie der Schnee einfallende Gedichte vergißt, das Geschehen aus meiner Sicht aber doch überschattet.

(Absatz) Zwischendurch habe ich also kurz “Lyras Oxford” gelesen, sehr fein, auch wenn mich die Optik der zum gleichen Zyklus gehörenden Trilogie der Dunklen Materie, im Heyne Verlag grellbunt beumschlagt, etwas verunsichert hat, ist die Erzählweise und Sprache so wunderbar wie in der “Rubin-im-Rauch”-Trilogie, ebenfalls von Philip Pullman, die ich vor langer zeit und noch mal vor zwei Jahren gelesen habe und sehr gut finde. Weiterhin irritieren mich die Fantasy-Elemente bei Lyra. Mit Fantasy kann ich überhaupt nichts anfangen, mich faszieniert zu sehr, was in der wirklichen Welt bereits alles an Zauberhaftem abgeht, und das darf auch gern einen Touch magischen Realismus haben (aber nur ein bißchen, Garcia Marquez und fliegende Teppiche ist mir schon wieder zu viel, besser nur ein paar seltsam alte Leute bei denen der Verdacht aufkommt, sie lebten übernatürlich lang wie in meinem heißgeliebten, aber völlig unbekannten “Feuer und Schierling”, was aber nur nebenbei und nicht handlungstragend vorkommt), allerdings ist die Figurenzeichnung so erfreulich, daß ich bereit bin, um die jeden Menschen (Bzw. Wesen) begleitenden Seelen in Tierform zu akzeptieren, die diese Welt bevölkern und mit den zugehörigen Menschen sprechen und diskutieren. Das hat den dramaturgischen Effekt, daß man keine Ammen wie bei Romeo und Julia braucht, um die Zuschauer über die Gedanken der Protagonisten zu indormieren, man kann außerdem die Entwicklung in den Gedankengänge zeigen und deren Details mit Humor ausschmücken, viel besser als wenn sie nur in indirekter Rede oder im Stream of Consciousness gezeigt würden.

Nun, nach der Lektüre des kurzen, kleinen, rot-leinenen “Lyras Oxford” mit hinteingelegtem Stadtplan ebendieser Stadt, eingeklebten versandten Postkarten, einem Auszug aus dem fiktiven Baedeker (der jene seltsamen Seelenwesen ebenfalls kennt) und Werbung für ein fiktives Kreuzfahrtschiff, traute ich mich aber noch nicht an die zugehörige grellbunte Trilogie heran, falls sie mir gefällt, wird sie mich für einige Tage gefangen halten, und das könnte einem gemeinschaftlichen Jahreswechselbegehen empfindliche im Wege stehen. Ja, der einigermaßen noch in der realen Welt beheimatete Leser, der ab und zu einen Blick auf die an die Litfaßsäulen der Stadt geklebten Plakate wirft oder auch nur ein wenig Deutschlandradio hört oder eine mehr als flüchtige Beschäftigung mit einem beliebigen Feuilleton in letzter Zeit hinter sich hat, könnte erkannt haben, daß es sich bei der Dunkle-Materie-Trilogie um die Romanvorlage eines aktuellen Kinofilms mit Nicole Kidman handelt. Ich kenne ihn nicht und fand auch die Besprechungen höchst unsympathisch. Schon wieder Herr-der-Ringe-Epik? Nein, bei der Dunkelheit brauche ich was zum Wachmachen. Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeigen. Schon wegen der Kidman. Hollywood hat ja, während das Unken der europäischen Kulturbeflissenen auf und abschwoll, ebenso kontinuierlich große Schauspieler hervorgebracht. (Auch Jude Law ist so großartig wie unsympathisch, Scarlett Johannson kann spielen, auch wenn sie ihren Brüsten Namen gibt, Edward Norton hatte fast nur merkwürdige Filme, aber immer einen großen Auftritt, Cate Blachett kann fast alles, trotz aller religiösen Verblendung Tom Cruise

neben Größen wie Robert de Niro, Jodie Foster, Meryl Streep, aber diese Aufzählung kann nur dazu führe, jemanden auszulassen, also beginne ich gleich hier damit. Diese alle können spielen als wäre nie in Frage gestellt, daß Kunst magische Kräfte hat.)

(Absatz)Nur gibt es grad noch so furchtbar viel andere Filme, die ich noch sehen will, Persepolis, Vanessa Joops (”Komm Näher” war gigantisch) Schöne Bescherung, Mein bester Freund bei dem ich durch eine Fehlklebung des Kopierwerks bislang nur die ersten drei Teile gesehen habe (dafür kam ich dann in Dialoge mit meinem Gärtner mit demselben Schauspieler, der (Film, nicht nur der Schauspieler) mir sehr gefallen hat, als Entschuldigung des Kinos umsonst, so daß mich mein Begleiter gar nicht einladen konnte), denn ich habe erst jetzt wieder Zeit ins Kino zu gehen nach den Zeitengpässen des Semesters.

(Absatz) Ansonsten kam in mein beschauliches Marzipan-Schlafanzug-Laken/Korbsessel-Buchseiten (deren Pervertierung und genaues Gegenteil die Druckseitenwüste war, aus der ich erst letzten Freitag entflohen bin) – Paradies der Postbote und klingelte mit alles hat seine Zeit des norwegischen Karl Ove Knausga°rd, einem Roman der sich neben dem Alten Testament ausstreckt, behaglich und bescheiden, wortgewandt und würdig, voller Phantasie und Faszination für die alte und überhaupt die Sprache, die alten und überhaupt Texte, Wunder und überhaupt die Welt.

(Absatz) Das ist schön hier. Ich mache aber auch zwei CDs für J gerade. Sie ist 18, hat dieselben Leistungskurse wie ich sie damals hatte. Ich habe sie im Sommer in Frankreich kennengelernt, und seitdem treffen wir uns regelemäßig, nie seltener als einmal in der Woche, meistens öfter. Sie ist klein und schmal und zierlich, sie liest gerade Judith Hermann, nachdem wir zusammen in Nichts als Gespenster waren, sie ist sehr still und überrascht darum umso mehr mit einer detaillierten, warmen, radikalen Herzlichkeit. Und ich mäste sie leidenschaftlich gerne.

(Absatz) Wo ich jetzt dabei bin, die wichtigen neuen Konstanten in meinem Leben nach dem Sommer zu schilden, muß ich A erwähnen. Ich habe das bisher kaum getan, auch wenn seinetwegen mein Leben in letzter Zeit sich als das dem Blog seinen Namen gebende Echtzeitmärchen gebärdet hat.

(Absatz) Nach einem gemeinsamen Taizégebet Ende August traf ich mit Ri und Ba auf der Suche nach einem Kinofilm vor dem Gloria am Stachus einen jungen Schweden, der für einen Tag nach München gekommen war, um ein Zimmer ab Anfang September zu mieten und auf der Suche nach einem originalsprachigen Kino war und uns ansprach, weil er die Taizéanhänger von Ba und Ri erkannte. Wir gingen also ins Kino, in Hairspray, worüber ich damals, glaube ich, auch gebloggt habe, einem Screw-Ball-Musical mit politischer Korrektheit in Bezug auf Rassismus und auf Gender, sieht man einmal davon ab, daß eine Frauenrolle mit John Travolta brillant besetzt war. Danach aßen wir noch ein großes Eis und unterhielten uns obwohl es schon Nacht war und blieb. Wir fanden ihn alle drei toll, und erschwerend kam hinzu, daß Be, die vierte im Bunde unseres gemeinsamen Zelturlaubs, ein Jahr in Schweden gelebt hat und von allem Schwedischen begeistert ist (oft anzutreffen bei einjährigen Aufenthalten in der Jugendzeit, ich denke, jeder kennt so jemanden). Er gab uns allen kleine bläuliche Visitenkarten, die anderen beiden auch Emailadressen, alle Arten von Nummer und ich ihm nur meine Festnetznummer.

(Absatz) Und bald darauf machte ich ein Curry (Curries haben eine lange Geschichte in meinem Leben, sagen wir seit 2002, und bekommen einen eigenen Eintrag) und lud ihn per Telefon dazu ein. Obwohl er vorher nicht mehr als eine Erinnerung an eine Episode war (wie sie auch M ist, der mir im August, kurz bevor ich nach Frankreich fuhr, illegal und sehr günstig, obwohl Apple-Angestellter, mein Macbook reparierte und einige Stunden bei mir blieb und nachher noch mit mir spazieren ging, aber da ich mich nicht traute, ihn noch einmal anzurufen, weil er einen für mich nicht einzuordnenden Ring trug), brachte seine Stimme mich sofort in einen Zustand den man mit Eis essen gut umschreiben kann, wozu man wissen muß, daß es von meiner Süßigkeitenabneigung die Dreierausnahme Negerküsse, Schokoladensoufflé und Eis gibt.

(Absatz) Leider war er gerade nicht in München, und dieses Telefonat ist nicht weiter erwähnenswert für irgend etwas außer daß mich die Erinnerung daran, wie sehr ich von einer einzelnen Stimme umgehauen werden konnte, im Nachhinein immer noch überrascht. Wir aßen also ohne ihn, und an diesem Abend begann tatsächlich meine Beziehung zu Ba zu bröckeln, die an diesem Abend sehr aggressiv war und immer wieder die Sprache darauf brachte, wir würden uns wegen “dem Schweden” zerstreiten.

(Absatz) Als dieser endlich fest nach München gezogen war, war sie es, die sich hauptsächlich mit ihm traf. Wir anderen drei waren immer unterwegs wenn sie Treffen mit ihm ausmachte, meistens nicht einmal in München. Schließlich weihte sie uns ein, er habe ihr seine Freundin vorgestellt und wir bräuchten ihn also nicht mehr zu treffen. Daß traf mich damals kaum, weil ich ihn seit jenem Kinoabend im Spätaugust nicht mehr gesehen hatte und er in meinem Leben nicht vorkam, und ich verstand nicht, warum wir ihn nicht mehr zu treffen bräuchten, weil Sympathie ja nicht davon abhängen muß ob jemand als Partner in Frage kommt, nicht einmal abhängen sollte, finde ich ernsthaft. Nun, aber das gehört zu meinen Konflikten mit Ba. Sie hatte daraufhin Geburtstag, und bei dieser Feier sah ich A das erste mal wieder. Ich nahm mir zu Herzen daß er eine Freundin hatte und sprach kaum mehr mit ihm als mit anderen die ich an diesem Abend das zweite mal sah, landete aber schließlich doch auf einem Sofa mit ihm und wurde sogar noch von ihm bis an meinen heimatlichen Ubahnhof gebracht, von dem aus er ein Taxi nahm. Im Auto eines Bekannten dorthin sprachen wir über das Besondere mancher Sommerabende und er fragte mich,  ob ich mich daran genauso erinnert habe. Es war ein komischer Abend, da an ihm offensichtlich wurde, daß meine Freundschaft zu Ba zerbrochen war, und Ba war die, mit der ich aus verschiedenen Gründen in Frankreich die meiste Zeit verbracht hatte.

(Abend)

Grad habe ich noch einmal nachgeguckt, wann das war, und es hat mich überrascht, festzustellen, daß das am 8. Oktober war, so kurz also vor dem 13., einem Samstag an dem am Nachmittag mein Telefon klingelte und mich A fragte, ob ich mit ihm einen Kaffee trinken wollte, weil er gerade in der Stadt sei um einzukaufen (trotz aller Unkenrufe Ris die findet, ich wohne zu weit östlich, wohne ich recht nahe der Innenstadt). Wir gingen also Teetrinken am Viktualienmarkt und sprachen über alles was uns wichtig war. Über Bücher und Menschen und Sprache und Reisen und Länder und Heimat und Freundschaften und über Musik, Musik, Musik. Mich kann man hier in München schon damit überraschen, Belle and Sebastian zu kennen, das kennen selbst Leute, die in Bands spielen oft nicht, wie auch Bob Dylan in einem großen Freundeskreis in dem ich mich bewege völlig unbekannt ist (ich glaube, er läuft nicht auf Bayern 3), jedenfalls kannte er sie und meinte, wenn ich die möge, dann müsse er mir We’re From Barcelona empfehlen, eine Band, die den ganzen Stolz einer schwedischen Kleinstadt ausmache. Und das ist eine Band, die ich seit etwa einem Jahr sehr mag, und nie versucht hätte, jemanden danach zu fragen, ob er sie kenne. Naiv hatte ich sie aber als genuin katalanische Band angesehen. Irgendwie entpuppt sich gerade sehr viele Musik als schwedisch, von der ich mich nie gefragt habe, wo sie her kommt, auch Kristofer A°ström, Pelle Carlberg, Mando Diao, Moneybrother. Die hier verlinkten Billie The Vision And The Dancers waren dagegen schon meine Lieblingsband als ich A erst traf, und bei ihnen war mir ihr Urspung sogar schon bewußt, so daß ic hihn darauf anspruch, als ich ihn das erste mal sah.

(Absatz) Er zahlte ganz klassisch für uns beide, und ebenso klassisch verabredeten wir uns für ein Konzert in der nächsten Woche und dafür, noch einmal vorher zu telefonieren. Ich glaube, es war das klassischste Date, das mir je untergekommen ist.

(Absatz) Ich bin gerade wirklich überrascht, daß das so bald nach unserem ersten Wiedersehen war. Jedenfalls ging alles weiter seinen Gang. Musik war für mich lange eine vertonte Form von Lyrik. Ich konnte fast alle Texte zu der Musik die ich hörte, weil ich auf diese am meisten achtete, wenn ich Musik hörte. Eigentlich hörte ich nicht viel Musik, denn die Texte konnte ich ohnehin meistens auswendig und mir im Kopf rezitieren, das habe ich tatsächlich oft getan. Ansonsten gab es bestimmte Musik, die ich als Hintergrund hörte, um zu schreiben, damals schon in diesem Sessel, in dem ich auch jetzt sitze, das war Romeo und Julia und das Klavierkonzert von Tschaikowsky und God Shuffled His Feet von den Crash Test Dummies und eine irische Platte meiner Eltern deren Namen ich nicht mehr weiß.

(Absatz) Wirklich Zeit mit Musik verbringe ich erst seit dem Frühjahr 2005, auch wenn die erste Platte, bei der ich nicht auf den Text hörte und sie trotzdem liebte, Chutes Too Narrow von den Shins war (zu denen ebenfalls ein Link dieser Seite leitet), die ich im Sommer 2004 das erste Mal aus den dicken Kopfhörern eines Leipziger Plattenladens hörte. Damals war ich gerade erst kurz aus Israel zurück, reiste nach Barcelona, las oben erwähnte Rubin-im Rauch-Trilogie, und stolperte darüber, daß ich all die roten Kleidungsstücke die ich mir in der das Leben infrage stellenden Atmosphäre in Jerusalem gekauft hatte und die meinen zuvor undurchbrechlich (abgesehen von einer halbherzigen Schwarzphase im Jahr 1997) konsequenten Dunkelblau-Weiß-Kombinationen das erste Mal etwas Neues hinzufügten, nicht mehr miteinander kombinieren konnte. Ich glaube mich erinnern zu können daß das der Beginn des Einzugs von Orange in meinen Kleiderschrank war.