kurz – 21. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben.Tags: Bilanz, bloggen, Blogs, Erinnerung, Erzählen, Fragen, Gedanken, gestelzt, Leben, perspektive, schreiben, Sommer, Zuckerwatte, zufrieden, Zusammenhang
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Eigentlich war ich immer sehr unzufrieden mit den letzten Artikeln und dachte immer, wer die liest, löscht sofort mein Blog aus dem Feedreader. Belanglos. Vielleicht noch verbrämt. So hat sich zumindest auch mein Leben angefühlt. Und, im guten Sinne, nicht blogbar. Als ob das was aufgeschrieben ist nicht das Wichtige ist. Das ist es vermutlich nie. Aber das Aufschreiben war wichtig für mich. Im Laufe des Schreibens stellte sich ein Zusammenhang her, jedenfalls in meinem Gefühl, und es war mehr da, was ich erlebt hatte als was ich nicht erzählt habe.
Dieses Gefühl hatte ich bei den letzen Einträgen nicht, hatte ich vor allem, wären mein Rechner kaputt war, hier im Computerraum nicht, auch wenn ich hier gerade gut schreiben kann und es auch vorhin gut konnte. Mein Leben fühlte sich so aufgeklöst an wie Zuckerwatte die vom Stab fällt, und ich wußte nicht einmal, ob ich der Stab war und aus welcher Perspektive ich hätte schreiben sollen. Das habe ich natürlich nicht geschrieben. Ich habe Überbrückungsposts geschrieben, um etwas zu schreiben, das, wozu man sich beim bloggen und überhaupt von einem Blog nie verleiten lassen sollte.
Warum ich im Nachhinein über diese beiden Posts doch so froh bin, auch wenn sie ein wenig gestelzt formuliert sind (in dem Versuch, meinem alten Schreiben, wenn schon nicht durch die Klarheit der Gedanken, dann doch durch eine versucte Klärung der Worte nahe zu kommen – ich habe also das nachgemacht was mir immer so viel bedeutet hat), weiß ich nicht, aber ich mag sie, sie berühren mich, das war mein Sommer, und ich bin unglücklich darüber, das über die ganze andere Zeit dieses bewegten, an Ereignissen, Gefühlen, Verwirrungen, Sommers, da nicht steht. Als wäre er nicht da. Nicht einmal erinnern kann ich mich, wer gesagt hat, ich sähe aus wie Effi Briest.
Es scheint die Sonne. 21. September 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, geträumt.Tags: abwaschen, Ayran, Bilanz, Farben, feier, Fragen, Freunde, Haare, Herbst, Himmel, Leben, Lernen, Lidschatten, Sonne, sortieren, Strumpfhosen, stundenplan, suppe, Tagebuch, torte, uni, Vorlesungsverzeichnis, warm, Wetter
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Gestern hätte mein Eintrag mit den Worten“Sonntag. Herbstag. Heller Himmel“ begonnen, vielleicht hätte er auch daraus bestanden. Vielleicht hat er daraus bestanden, ich habe ihn nur nicht geschrieben.
Eine gelbe Hose, die ich letzte Jahr in Istanbul gekauft hatte, fiel mir beim Endsommerneufalten meiner Kommode in die Hände, ich hatte sie den ganzen Sommer nicht an. Sommer ist nicht mehr, nur bayerischer Herbst, was temperaturmäßig nicht viel Unterschied macht, darum trage ich sie heute und schwitze erstmals nicht seit ich die Herbströcke und Strumpfhosen wieder aktiviert habe. Die Woche war fein und fast zu schön, gestern kamen mir Zweifel, ob das Leben so schön sein könne, ob ich damit Erfolg haben könnte, ob ich so weitermachen kann. Ich habe eine Feier gemacht, mit Torte und Kuchen und Suppe und vielen Leuten in meinem Raum, vierzehn Leute in meinen 16 Quadratmetern in denen noch Herd und Spüle stehen, ein großes Bett, zum Glück kein Schrank, aber raumgreifende Bücherstapel und eine Kiste voll von ZEITresten. Und eine Gebetsecke. Es war warm, es gab Kerzenlicht, es war gar kein Stress, irgendjemand hat immer Tee oder Kaffee gekocht oder die Tür aufgemacht, und am Ende blieb als längstes A, wieder auf meinem Bett sitzend, und erkannte aus der Musik die im Hintergrund lief die Einzellieder, die ich ihn auf ein Mixtape gemacht habe. Der Wein den wir tranken war leider furchtbar schlecht, vielleicht koche ich eine Bolognese, um ihn unterzubringen, oder ich gieße ihn doch weg, in der Hoffnung, daß der vorhandene Alkohol meine Spüle desinfiziert. Wir haben mein gesamtes Geschirr benutzt und Besteck, am Mittwoch hatte ich weder Tasse noch Glas noch Gabel noch Löffel noch Teller für mein Frühstück. Weil der Boiler immer nur so wenig Wasser erhitzt und man nicht lang abwaschen kann, bis das warme Wasser aus ist, habe ich noch bis Freitag gespült, die Spritztülle für die Torte, den Suppenpüriertstab, die Schüsseln, Schälchen, Tassen, nur eine Springform liegt immer noch in der Spüle. Hui, soviele große S in einem Satz- vielleicht ist S ein Küchen-Konsonant.
Ich habe gerade meinen Stundenplan angefangen zu bauen. Ich bin hoffnungslos hinter der Zeit der BA- und Online-Studenten: Ich habe mir die Lehrveranstaltungen, die mich interessieren mit Bleistift auf ein großes weißes Blatt abgeschrieben, unterteilt in fünf Spalten mit einem Kasten für die Blockveranstaltung in der unteren rechten Ecke. Es ist völlig voll und zeigt mir mal wieder, warum und wie ich schon so lange studiert habe. Ich bin immer klüger geworden, ich habe nur nicht die Scheine gemacht, die ich hätte machen sollen, die das Unisystem für relevant erachtet, ich habe immer viel Neues gelernt. Vielleicht helfen mir W und M, die ich gleich treffe, beim Rausstreichen von wenig erfolgversprechenden Dozenten.
Ich lese immer noch „das verborgene Wort“ von Ulla Hahn, ich finde es nicht mehr literarisch überragend, aber höchst spannend, und ich will wissen, wie es mit den Personen weitergeht, stirbt Maria? Vorerst wachsen ihre Haare wieder nach. Noch sind es 200 Seiten von 600 bis zum Ende. Beid den Korrekturen von Franzen habe ich das im März in drei Tagen gelesen – im Moment bin ich einfach glücklich. Ich liege auf dem Bett und freue mich. Ich treffe meine Freunde und freue mich. Ich trinke Ayran und freue mich. Ich verzehre die Sonne mit dem Appetit des kobaltblauen Meeres und freue mich. Ich verteile bunte Farben auf meinen Augenlidern, ich bürste meine Haare, ich sortiere meine Sachen, ich trinke schwarzen Tee mit Milch, ich mache Wahlkampf und freue mich.
Warte nur, dir wird das Lachen schon vergehen? Ist die große Unke die hinter so viel Glück steht. Nicht meine vertrauteste Übung. Und es lauert auch schon wieder eine Woche Berlin, wie wird die werden?
anderer Tag, 9. August 2009
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, gereist.Tags: Bilanz, Bleiben, Briefe schreiben, Erinnerung, Fazit, Gedanken, Haare, Himmel, Kaffeetrinken, Kalender, lächeln, Link, Nähe, Rückschau, Reflexion, sätze, schreiben, Schwimmen, See, Sommer, Sonne, Stricken, Tagebuch, Texte, Treffen, Venezuela, Vorlesen, Wahrnehmung, Wetter, Worte
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neuer Tag, Sonntag. Bedeckter Himmel, der mich erleichtert, auch die Vögel sind so leise, daß sie gut hörbar sind. Endlich habe ich etwas mehr geschlafen, bin nicht wieder morgens früh von allein aufgewacht nach einer viel zu kurzen Nacht. Ich habe Liter um Liter Ayran getrunken, ich habe gestrickt, ich habe Hunger von Hamsun mehr überflogen als gelesen, bin von Wortgruppe zu Überschrift gehüpft. Noch nicht ausgepackt. Nur was ich gebraucht habe. Also doch fast alles, denn ich hatte nur so wenig mit, aber der Rucksack liegt noch da und erinnert mich an die Reise, der Kalender noch darin, den ich bis jetzt noch nicht verwendet habe. Ich weiß, was ich heute mache, auch die Sachen für gestern wurden per Kurzmitteilung geregelt, erst ab Montag, wenn die Woche der Bibliotheksöffnungszeiten, Geschäftsöffnungszeiten, Praxisöffnungszeiten wieder anfängt, brauche ich wieder Termine. Nicht, daß ich meinen Kalender nicht mag. Er ist auch eine Art Ereignistagebuch, die Treffen, Briefe, Telefonate der kalenderlosen Zeit trage ich immer nach, damit ich weiß, was war, nicht in der Erinnerung die Zeit zu einer leeren verschwimmt, wenn ich in einem Kalender blättere – auch wenn ich weiß, daß die ganz ereignisreichen Zeiten den Kalender immer leer lassen. Der Monat in Venezuela, in Carácas, in den Tropen beim Workcamp, in einer Gastfamilie die eine Kaffeefarm hatte, auch am Strand zuletzt in einem stillgelegten Wasserwerk voller Pflanzen und Bücher, war so ereignisreich, daß ich sie niemals hätte nachtragen können. Auch so ereignisreich für mich. Jede Woche hat mich so verändert, daß ich die nächste anders wahrgenommen habe, und in der Rückschau bleibt nur dieses Fazit, nicht mehr die einzelne unterschiedliche Wahrnehmung.
Es gab viel Sonne letzte Woche, bei Augsburg regnet es nicht so viel wie in München, die Berge sind weiter weg, meine Schultern sind noch dunkler geworden, meine Haare noch heller, meine Schultern ein bißchen entspannter vom Schwimmen im See, immer hin zur Insel und wieder zurück, das mir gar nicht langweilig wurde. Ich habe keine neuen Worte gelernt. Ich habe nichts aus einer anderen Sprache gelernt. Ich habe nicht versucht, mit den Italienern auf Spanisch, mit den Ungarn auf Finnisch, mit den Slowaken auf Deutsch zu reden – ich habe mich aufs Lächeln und Gestikulieren beschränkt. Ich habe nicht gelesen und kaum geschrieben (immer nur einzelne Sätze die ich mir unbedingt merken wollte, nicht von mir, sondern, die andere ausgesprochen hatten), aber ich habe viel vorgelesen, mit dem Mikrofon in der Hand, nicht unbedingt in Gedanken beim Text, sondern daran, möglichst schnell von der Bühne wieder runterzukommen, aber offenbar hat gerade diese meine Gedankenferne den Zuhörern eine große Nähe zum Text erlaubt.
Nähe sonst? Nicht wie ich sie kenne.Trotzdem vorhanden, auf eine mir unbekannte Art. Das beschäftigt mich ja noch so. Ich bleibe da noch.
Jahreswechselstöckchen von Anika. 31. Dezember 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, gefragt, gelebt, gelesen, gereist, gesehen.Tags: Arden, Bayern, Berlin, Bilanz, Bulgarienluft, Caotica Ana, Edith Nesbit, Ehrlichsein, Farben, Faserland, Fragen, Gedanken, Im Winter ein Jahr, Jahresrückblick, Jahreswechsel, Kinderbücher, Leiden eines Amerikaners, Miranda July, Reisen, Rigaer, Schwarz-Weiß, Siri Hustvedt, Stöckchen, Strumpfhosen
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Wenn 2008 ein Sandwich wäre:
Ganz viel Lachs, bulgarische Tomaten, zwischen Reisbrotscheiben. Leicht geröstet. Gedrittelt.
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gelernt im Jahre 2008:
Daß ehrlich sein besser ist als fröhlich sein.
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verlernt:
Hebräischvokbeln.
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Ein 2008-erstes Mal:
Reisen durch Länder deren Sprachen ich nicht einmal annähernd kenne.
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Eine neue Narbe 2008:
Letztes Sylvester die an der rechten Brust.
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Ort, an dem man war, als der erste Schnee fiel:
Ein Wirtshaus mitten in Oberbayern, und ich schaute durchs Dachfenster auf den Schnee der sich in der Linde vor dem Haus verfing.
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Das letzte Kostüm, in dem man steckte:
Ganz in schwarz mit einer weißen Strumphose zum Schwarzweißball, bevor ich erfuhr, daß in Bayern „Schwarz-Weiß-Ball“ bedeutet, daß man smoking-elegant kommen soll.
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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, es nicht gelesen / ihn nicht gesehen zu haben:
Faserland auch beim 2. Versuch nicht besser. /Caotica Ana.
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Ein Buch / Film, bei dem man sich gewünscht hätte, alle Welt würde ihre Nase ebenfalls hineinstecken / ihren Blick darauf werden:
Leiden eines Amerikaners von Siri Hustvedt./Im Winter ein Jahr.
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Einen Menschen, den man auf der Straße gesehen hat und gerne näher gekannt hätte:
Ein Mädchen in der Rigaer im August mit vorne langen Strähnen und hinten kurzen Haaren, roten Backen und ganz vielen verschiedenen dünnen Kleidungsstücken an.
(Und ich habe sie letzte Woche kennengelernt, und ihre Geschichte gehört, und ihre Telefonnummer bekommen, und ich bringe das noch immer nicht zusammen mit diesem Eindruck im Sommer.).
Die Zärtlichkeit zwischen anderen, die einen berührt hat:
Ihr Vater begrüßt meine bester Freundin.
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Kindheitsserie, in der man 2008 geschwelgt hat:
Die Kinder von Arden/der Traum von Arden von Edith Nesbit.
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Farbe, die 2008 ausmacht:
granatapfelrot
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Gefühl für 2009:
Weiter. Weiter?
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Luftschloss für 2009:
Diplom abschließen.
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Ein voraussichtlich 2009-erstes Mal:
Rußland.
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ein jahreswechselstöckchen zum wegnehmen. von ani und anj mit einigen ideen aus dem wundervollen buch learning to love you more von miranda july
Kalenderbuch 30. Dezember 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gefragt, gelebt, gesehen.Tags: Abschied, Ayran, Bilanz, Brille, Busfahren, Fragen, Freundschaft, Gedanken, Jeans, Leben, Stricken, Tagebuch, Tatort, Tram, werten
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Gestern gebruncht mit einer alten Freundin, kein Tatortcafé gefunden ( NO 1 hatte über die Feiertage geschlossen, und im Krügers in der Lychi war die Leinwand kaputt), und ich traf meinen Freund P an der Tramhaltestelle, und als wir in die Bahn einstiegen frage ich ihn scherkhaft, und du, immer noch mit A zusammen oder wirst du Priester? Und er fing an zu heulen. P hat das letzte Mal geheult, als er nach einem verzögerten Einsatz eine Brandleiche gefunden hat. Er sagte „Wenn ich das nur wüßte“.
Mich beschäftigen zur Zeit solche Sachen wie allen meinen selbst gestrickten Pullover zu zeigen, die Frage, ob mir Baggy Jeans stehen und was ich mit meiner Arbeit mache. Es war ein langes Gesräch, ich habe ihm alles gesagt und gegeben was ich konnte, und ich glaube, es war auch gut, aber in meinem Herzen gibt es keine solchen Fragen.
Dagegen fing ich heute nach dem Kino an zu heulen, also nur Tränen kullern zu lassen, nachdem ich eine sms bekommen hatte, in der eine Freundin zum zweiten Mal ein Treffen verschoben hat. So empfindlich bin ich inzwischen geworden was das anbetrifft, so emotional. Vielleicht habe ich auch deswegen geweint weil ich mich darüber gewundert habe wie sehr mich so was trifft. Sollte es ja nicht. Sagt mir auch mein Kopf. Tut es aber. Wenn ich ehrlich bin.
Dazwischen sind wir am Sonntag Abend zu L nach Hause gefahren, um dort den von ihrem Vater aufgenommenen Tatort zu gucken, ein sehr guter von er Thematik her, aber was die mit den Ermittlern in Frankfurt da vorhaben, leuchtet mir nicht ganz ein, und das bei diesen Schauspielern!
Dann heute morgen lange nicht aus dem Haus, weil es so klat war, und schließlich doch in der Turmstraße gelandet und eine neue Brille ausgesucht. Ich wollte eine ganz große, große Kreise, die so weit von den Augen weg sind, daß das Gesicht da druchscheint, so eine wie D sie hat, aber so eine habe ich nicht gefunden, und L und P hatten eh vereinbart, mich von zu großen Extravaganzen abzuhalten. Jetzt ist sie bestellt und ich finde es fast ein bißchen schade, daß sie nicht noch extravaganter ist, aber auffällig ist sie in jedem Fall genug.
Dann Einkaufen, obwohl ich gar nichts brauchte, um die Zeit zu überrücken bis zum FIlm, natürlich mit zwei Ayran in der Tüte im Ergebnis, dann der Film, über den sich jede Menge schreiben ließe wie über den Tatort gestern wie über „Im Winter ein Jahr“ – aber mir ist grad nicht nach Gedanken desthalten, ich will grad aufschreiben, was passiert, ich will Kalendertagebuch schreiben.
Auf dem Rückweg die ganze weite Strecke vom Anhalter Bahnhof bis zum Herrmannplatz mit dem 29er gefahren, oben gesessen, nachgedacht, zufrieden damit gewesen, daß ich nicht glücklich bin.
Und angefangen, die Tage und Dinge im vergangegen Jahr zu ordnen. Zu werten und aufeinander zu beziehen. Vielleicht ist das immer ein Abschied? Diesen Gedanken habe ich in diesem Jahr das erste Mal.
zwischen 27. Dezember 2008
Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gereist.Tags: Berlin, Bilanz, dunkel, Januar, Licht, Lichter, Menschen, nachdenken, nachts, Tagebuch, Vertrauen, warten, Winter
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Ab und zu fühle ich die Vertrautheit der Stadt noch aufblitzen, aber ich hasche dem nicht einmal nach, ich traue ihm nicht. Früher hatte ich immer das Gefühl, die Stadt würde mich beschützen, vor allem nachts, all die Lichter die auf bestimmte Art verstreut sind. Ich hatte diese Gefühle manchmal. Einmal beim Einsteigen in die Ubahn, heute morgen kurz beim Blick in den Hof. Ich bilde mir ein, wenn ich danach suche, werde ich es wiederfinden. Aber ich bin im Moment nicht der Mensch der sucht. Ich bin nicht der Mensch der lacht oder Grübchen plustert oder tanzt, der versucht so glücklich zu sein, daß es bis an die Zimmerwände strahlt. Ich warte. Schon seit einigen Monaten. Ich glaube, seit November. Seit ich das letzte mal hier war. Und glücklich, wie in einem warmen Plumpudding.
Hier wird es tatsächlich früher wieder dunkel. Der Tag war schon um drei vorbei, und es kam gelbes Licht durch die Fenster. Es vergeht Tag um Tag. Ich sehe Menschen die ich mag. Ich bin zu müde um aufzubrechen für etwas Neues. Ich gucke was da ist, wenn ich verharre. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Ich bin schon lange nicht mehr verharrt.
Manchmal bin ich in fremden Wohnungen im Bad, zu lange, denke nur nach, eine Pause von den vielen Menschen um mich, und habe ein starkes Gefühl, das ich nicht sehr gut kenne, mir aber so vertraut passt wie ein eingetragener Tweedmantel, etwas, das ich gut kann und das mich stark macht.
Das überraschende dabei ist die Neuheit und die Vertrautheit. Ich finde keine Worte dafür die nicht zu groß und kitschig sind. Es ist so ein bißchen wie Ich-Sein. Sehr neu und sehr vertraut und etwas was ich gut kann und mich stark macht.
Vielleicht, hoffentlich, bald außerhalb des Bads auch. Oder mit Menschen.
Bilanz zwischen den Stühlen 9. Juni 2008
Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt.Tags: analog, Belle & Sebastian, Bilanz, Briefe schreiben, Fragen, Freiheit, Freundschaft, Isar, Kopfweh, Lebenskozept, Maia Hirasawa, Männer, München, Nähe, Offenheit, Papiertagebuch, poney express, Raum, schwarzer Tee, Tagebuch, Vorstellungen, Weltbild
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In letzter Zeit habe ich wenig in mein gebundenes Papiertagebuch geschrieben. Die letzten vier Einträge sind nur Listen, was alles gerade gut läuft, im Fließtext oder in Spiegelsstrichen. Davor ist die Mitschrift von der Fortbildung. Es gibt natürlich einen Grund, warum ich alles aufschreiben muß, was gut ist. Weil ich mich zwischendurch gefühlt habe wie das Almühltal, gefüllt mit einem Hochwasserstand von Unglück (die Isar hat auch gerade Hochwasser und schwappt bis an den Rand wo ich immer sitze und die Füße ins Wasser hängen lasse, aber die Isar ist einfach ein sehr kleiner Fluß, zu klein für meinen Unglückvergleich). Dann kamen ein paar ruhige, gute Wochen, in denen ich mich möglichst davon fernzuhalten versucht habe, nachzudenken, damit ich nicht wieder unglücklich werde.
Und dann kam eben die letzte Woche mit Streß pur. Drei Tage lang eine Schulklasse mit seit Jahren tief verwurzeltem Konflikten, und zwar alleine, eine für mich komplett neue Situation. Und solcher Haß war für mich auch neu: „Nein, ich will nicht mit ihr reden, ich will sie verletzen, denn sie hat mich auch verletzt, und wie stehe ich denn sonst da?“ Also, die Argumentation kenne ich schon, aber daß jemand da drei Tage drauf beharrt und versucht das auch umzusetzten wenn er nicht gerade seine anderen Mitschüler verprügelt, beleidigt oder sich oder Stühle oder Flipcharts durch die Gegend wirft, das kannte ich nicht. Dieser Junge hatte eine wahnsinnige Ausstrahlung, er war sehr präsent mit seinem Haß und seinem Wunsch, alle und alles zu verletzen.
Ich hätte schon einige Ideen gehabt, damit zu arbeiten, aber dazu hätte ich einen Co-Teamer gebraucht, alleine ging es immerhin einigermaßen, es gab einige kleine Fortschritte, dafür daß sie erstaunlich viel nicht konnten, konnten sie dann doch wieder erstaunlich viel, aber diese haßerfüllte Stimme geht mir noch nach. Das wollte er wahrscheinlich auch. Er schleudert ja seinen Haß durch die Welt um zu zeigen, hey, ich bin auch noch wichtig, es geht nicht an daß es mir schlecht geht, das ist nicht gut, das muß ich zeigen.
Auf jeden Fall habe ich von Freitag Nachmittag bis Samstag früh geschlafen.
Am Samstag war Team-Tag, und das war schön. Da hat sich tatsächlich inzischen eine Gruppe zusammengewachsen, die als ganzes fast so ist wie ein Freund: Da kann ich einfach so sein wie ich bin und das ist gut so, und ich glaube, den anderen geht es auch so (zumindest denen die nicht ganz neu sind, denn die sind vermutlich noch unsicher). So viel Nähe mit JN. Ich verstehe immer noch nicht, warum dieses Gefühl seit mittlerweile anderthalb Jahren so intensiv ist, daß es mich jedes Mal aus den Socken haut, wenn ich ihn sehe. Es fühlt sich sehr gut an, und jedesmal bin ich traurig, über jede Woche in der ich ihn nicht sehe. Mittlerweile ist ziemlich viel zwischen uns klar und auch passiert, das schafft vermutlich mit diese Nähe, aber mindestens ebenso viel ist unklar. Ich habe es vermieden, mit ihm allein zu sein, obwohl er es konsequent darauf angelegt hat, ich weiß nicht, wieso. Ich bin so unsicher ihm gegenüber, nach allem was passiert ist, nach allem was ich nicht verstehe. Warum klappt es nie, daß wir uns außerhalb treffen? Trotzdem ist es wunderschön, von ihm gefragt zu werden, egal was, wie es mir geht, was ist, es ist egal, er ist dabei immer ganz nah, seine Augen sind sehr aufmerksam, und ich konnte nicht mehr sagen als: Ich habe Kopfschmerzen, ich bin total alle, die letzten Tage waren total anstrengend. Er hat dann am Ende noch seine Reisepläne fürs Wochenende umgeschmissen um mit mir zur S-Bahn zu gehen, und ich habe S, der zu einem anderen Bahnhof gehen wollte, tatsächlich noch dazu überredet, daß er doch mit uns kommt und ich nicht mit JN alleine war. Vielleicht mache ich das alles nur, damit ich mir einbilden kann, wenn ich es nicht so verhindern würde, würde etwas passieren. Trotz allem würde ich es mir sehr wünschen. Trotzdem ich dieses starke Gefühl überhaupt nicht verstehe. Mein Verstand kann es nicht verstärken, ich weiß nicht, ob das alles Sinn macht oder paßt, es ist nur dieses überwältigend starke Gefühl, und das schon so lange.
Auf der anderen Seite A macht natürlich vollständig Sinn, mein Verstand kann an alles seine Häkchen machen. Ich habe ihn gestern getroffen. Das erste Mal seit langer Zeit. Anfangs war es sehr nett und schön und ich mochte ihn wieder richtig gerne, und dann, in den letzten Minuten, bevor er in seine Tram steigen mußte, sprach er über unser Verhältnis, und diese kurzen paar Minuten haben mich total verwirrt und verletzt, nicht was er gesagt hat, sondern wie er es gesagt hat. Ich mag die Art nicht, in der er mich mag. Das ist komisch, oder? Denn ich mag ihn sehr und es ist schön, daß er mich mag, aber sein Leben scheint mir so festgefügt zu sein, ein Regelwerk, nicht von den äußeren Umständen, die sind nicht besonders stabil (das ist vielleicht die Ursache), sondern vom Konzept her, von dem was er anstrebt und gut findet, alles hat seinen Platz. Es gibt genau eine Art, Pfannkuchen zu backen. Und man braucht genau eine Pfanne in der Küche. Und es gibt genau ein Gefühl, das ein Freitagsfilm (also ein Film, den man an einem Freitag ansieht) auslösen soll. Und ich habe das Gefühl, daß ich da auch irgendwo reinpasse. Und er das alles genau so genießt.
Ich übertreibe natürlich. Er ist schon flexibel, bei vielen Dingen, aber es scheint trotzdem immer ein Nonplusultra zu geben, und wenn das erreicht ist, sagt er das auch. Über solche Vorstellungen redet er viel. Und es ist das Gefühl, das ich dabei habe, ich fühle mich nicht mehr frei, obwohl ich auch nicht besonders eingeschränkt bin, denn es paßt ja alles so wunderbar.
Ich frage mich, ob ich solche Ansätze auch habe. Ich glaube, schon. Ich habe meinen einen Tee, den ich immer trinke. Ich liebe bestimmte Kombinationen: Musik hören, Lesen, auf dem Bett, an der Isar. Meine Briefe gestalte ich recht starr (wenn auch äußerlich immer anders), aber wenn sie bestimmte Kriterien nicht erfüllen, schicke ich sie nicht ab, darunter leiden meine Freunde, an die sich unfertige Briefe in meiner Briefmappe stapeln, die noch nicht meinen Ansprüchen genügen.
Lasse ich anderen dabei genügend Raum, sie selbst zu sein, da nicht reinzupassen, nicht in meinem Lebenskonzept aufzugehen?
Berührt mich das so an JN? Es paßt nicht ins Konzept, aber es ist wirkliche Begegnung und vielleicht eben gerade deshalb?
Nein, auch meine Freunde, die in mein Lebenskonzept passen (die auch Tee mögen und Briefe und Bäume
)(so eng ist das Konzept ja nicht) (oder doch? Sind unsere Vorstellungen nicht letztlich doch immer so konkret daß sie wenig Offenheit besitzen und immer wieder zu Mißverständnissen führen weil wir uns in unserer Eingeschränktheit so sicher sind?) und die ich sehr mag.
Nun bin ich also nach diesen Tagen: Verwirrt und traurig. Und höre Poney Express, eine Mischung zwischen Maia Hirasawa und Belle and Sebastian, und zwar auf französisch. Es trägt meine Gefühle schon die letzten fünf Tage, immer weiter, habe ich das Gefühl, es ist ein wirkliches Tragen daß diese Gefühle brauchen um zu leben. Mich hat schon lange nicht mehr Musik so ins Leben entführt, in mein Leben, denn ich bin überzeugt, daß das da ist wo meine Gefühle sind.