jump to navigation

noch ein neuer Artikel. 1. September 2009

Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gehört, gelebt.
Tags: , , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Nach dem Eisessen. Leben in München. Bibliotheken prägen mein Leben, außerdem die über die Stadt verteilten Orte, an denen Eis erhältlich ist. Außerdem die über die Stadt sich verteilenden Menschen, die mir etwas bedeuten.

Wie seltsam, welche Rolle Gespräche für das Entstehen von Nähe bedeuten. Ein Wissen, daß ich, unformuliert, bestimmt als Teenager schon hatte, wie alle Teenager, die stundenlang telefonieren.

Ich habe so viel vergessen. Ich hatte ein rasend gutes Gedächtnis für alles, bis ich 23 war, ich konnte mir jedes Detail merken. Seit dem ist vieles immer wieder neu für mich daß ich irgendwann schon mal kannte oder wußte. Kennen und wissen ist aber ohnehin jedesmal anders, wenn man sich wieder ein wenig verändert hat.

So spreche ich, erzähle, höre zu, merke mir, was ich höre, frage, lache, weine, umarme.

Tautropfen 11. April 2008

Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gehört, im Ohr.
Tags: , , , , , , , , , ,
1 comment so far

Was ich sehr mag: Daß auf dem Album „Vive les Cigognes“ von Le Clandestin das Lied Chlotilde viel schöner ist als Chloé. Und Strasburg Paris schöner als Paris Strasbourg.

Außerdem war cigognes das erste französische Wort, das ich gelernt habe, auf dem Platz vor dem Münster von Strasbourg(!).

Die Störche haben mich als Vierjährige sogar von meinem Eis abgelenkt, und es ist zu erwähnen daß ich kaum etwas so liebe wie Eis!

Ich bin in Berlin 20. Februar 2008

Posted by echtzeitmaerchen in Berlin, München, München/Berlin Berlin/München, Tagebuch, gedacht, gefragt, gelebt, gereist.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , ,
1 comment so far

In der Kastanienallee. Furchtbar. Da reist man so weit, und München holt einen doch wieder ein. Hier ist es nur noch ein bißchen langweiliger, weil die Bayern aus dem Umland die ihre Berge vermissen, fehlen. Wo sind sie, die Mecklenburger und ihr Seenplattenheimweh, die ich sonst immer hier getroffen habe? Überall, nur nicht im Prenzlauerberg wahrscheinlich. Früher gab es ja mal die Trennliene Torstaße nördlich derer die rosa Altbauten noch nicht rumwucherten, aber das ist VORBEI.

Und dann ist da noch etwas Merkwürdiges: Ich genieße es nicht mehr, S-Bahn zufahren. Ich weiß nicht warum. Das war immer eines der schönsten Dinge hier für mich. U-Bahnfahern über der Erde auch. Da war ich sogar glücklich, wenn ich unglücklich war. Das ist vollkommen verpufft. Es berührt mich nicht mehr.

Ich bin anders geworden.

Und dann passieren noch viele andere Dinge. Meine Eltern quartieren mich virtuell immer wieder ein uns aus, da war ich nicht ein einziges Mal bisher, alle anderen laden mich ein, meine Cousine rät mir, gar nicht zu meinen Eltern zu gehen außer vielleicht zum Kaffee, ich würde so gerne wenigsten meine bunten Tintenfäßchen, meine Israel-Schlag-Jeans (ich habe beschlossen, daß ich Schlaghosen jetzt einfach wieder trage, Röhre hin oder her), meine Klarinette und Streichhölzer mitnehmen.

Außerdem fiel mir gestern in einer Kneipe in der Freunde von mir lasen beim Abschlusslied ein Bild auf den Kopf. Eine fremde Frau brachte mir Eiswürfel, und ich saß auf dem Sofa und kühlte meine Beule, und meine Freunde saßen zwei Tische weiter. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich war ohnehin traurig über ein Telefongespräch mit einer erneuten Ausquartierung meiner Mutter und war eh der Überzeugung, daß mich niemand mag, sonst hätte vielleicht ich mich rübergesetzt. Ich bin dann gegangen. Heute habe ich es immerhin vor zwölf geschafft, mir die Frage ob mich überhaupt jemand mag gar nicht mehr zu stellen. Das Bewusstsein daß mein Wert überhaupt nicht davon abhängt und daß auch keines anderen Menschen Wert davon abhängt wie die Leute ihn behandeln, weil wir eben MENSCHEN sind und nicht nur Spielfiguren, StudiVZ-Profile, Gruppendynamiktrainingsteilnehmer, hat sich einfach wieder eingestellt. Ich mußte nichts dafür tun. Es war stärker. Ich bin also schon lange genug von meiner Familie weg, daß sich die Gewohnheit meines richtigen Lebens über die Gewohnheiten meines alten Lebens gelegt hat. Und auf diese Gewohnheiten kommt es, Vernunft hin, Vorstätze her, an. Und sie können sich ändern. Trotzdem wünsche ich mir einen Platz in meiner Familie, offene Arme, und das können meine Freunde mir nicht geben, auch nicht mit allen offenen Armen, mit all der Zeit, dem Essen, den guten, interessanten Gesprächen, die sie mir schenken.

Ich bin 27. Ich war lange unabhängig davon wie meine Familie mich behandelt. Aber ich habe zu gemacht. Wenn ich weiter offen bin, bleibe ich verletzlich und unglücklich und vielleicht nicht altersgemäß. Wenn ich mich verschließe, bin ich wieder stark und fröhlich und patent, aber es wird sich nie etwas ändern, ich werde nie einen Platz in meiner Familie haben, wenn nicht mal ich ihn mir wünsche.

geschrieben am 29. Dezember, dann passierte einiges Unvorhergesehenes, das mich den Eintrag nicht vollenden ließ. 4. Januar 2008

Posted by echtzeitmaerchen in gehört, gelebt, gelesen, gereist, geschrieben, im Kino, im Ohr, im Regal.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Marzipankartoffeln oder vorzeitiger Jahresrückblick

In meinem Zimmer steht noch die kleine Bank mit Bettlaken darüber die ich als Tisch benutze, darauf der Wasserkrug und eine Flasche halbvoll mit Himbeersirup. Gestern hatte ich Gäste, und ich mag nicht einmal mehr den Tisch ansehen der mich an sie erinnert. Letzte Woche hatte ich auch Gäste, das war schön. Es waren nur Freunde da, nur Leute, die ich von Herzen mag. Gestern war nur eine Person da, die ich nicht mag, sonst nur Menschen über deren Wiedersehen ich mich sehr gefreut habe, und trotzdem hat das verhindert, daß ich mich wohl fühlte. Es gab oft lange Momente in denen niemand etwas sagte, und ich wäre die letzte gewesen, diese Momente mit etwas zu füllen, das mir wichtig gewesen wäre, dazu war mein Vertrauen zu gering. Vielleicht bin ich zu ängstlich. Vielleicht bin ich nur vorsichtig. Auf jeden Fall bin ich sensibel.

Ich habe darüber nachgedach, warum ich V nicht mag, aber darf man nicht einfach die Freunde seiner Freunde nicht mögen? Muß es immer ein lösbares Problem sein? Ich mag das Unterbrechen nicht, die Rechthaberei und vor allem nicht, daß sie nur über sich redet. Am Sonntag den vierten Advent war ich vier Stunden mit ihr spazieren und brach einen Streit über die Teilnahme von Protestanenten an der Eucharistie vom Zaun dessen Meinung ich nicht einmal teile, um das erste Thema auszuwalzen bei dem es nicht nur um sie ging. Nach diesem Spaziergang ist für mich klar daß ich sie nicht mag, aber sie hält uns für Freunde. In den Zeiten in denen es mir nicht so gut ging hat sie sich ein Dreivierteljahr nicht gemeldet und das auch so begründet, daß sie anziehend an mir fände, daß ich so fröhlich sei, und wenn ich es nicht sei, sie es nicht anziehend fände. Jetzt kam sie wieder nach München nach einer Reise und fand, daß es mir besser ging, daß meine Ausstrahlung viel besser geworden sei, man mir die besseren Umstände ansähe, und jetzt meldet sie sich täglich. Wie komme ich da nur wieder raus? Sie merkt nicht, wie kühl ich mich verhalte, daß sie so was nicht merkt gehört ja zu dem ganzen Paket an ihr das ich nicht mag. Unfreundlich zu sein scheint kein Weg zu sein sie zu vertreiben. Eine Möglichkeit kam mir in den Sinn, ihr nämlich den Eindruk zu verschaffen, es ginge mir schlecht, damit sie sich wieder ein halbes Jahr nicht melde, aber derlei Theater ist mir zu anstrengend und das Risiko mir zu hoch, daß es nach hinten losgeht, daß sie, nachdem sie die Annehmlichkeiten meiner fröhlichen Seite wieder vor Augen geführt bekommen hat, sich jetzt um mich kümmert um möglichst schnell wieder in den Genuß derselben zu kommen. Außerdem geht es ihr im Moment gerade so schlecht, daß sie sowieso kein Leid neben ihrem (nach acht Jahren und davon vier Jahren Unentschiedenheit und Unzufriedenheit ihrerseits hat sich ihre Freund von ihr getrennt, und nun will sie ihn doch leidenschaftlich wieder) gelten läßt und auch nicht für interessant genug hält, die Schilderung ihres Leids mehr als zwei versuchte Worte zu unterbrechen bevor sie wieder dem Uninteressantes Erzählenden ins Wort fällt mit den wirklich wichtigen Dingen in ihrem Leben.

Nun, das war gestern. Ich habe gut geschlafen und gut geträumt, so daß ich mir beim Aufwachen sicher war, daß sie nur meine Oberfläche berühren konnte, während alle meine anderen Gäste meinem wahren Selbst wirklich nahe kamen (wie ich das im Traum begründen konnte bleibt mir im Nachhinein schleierhaft. Ich habe es Wachen versucht nachzuvollziehen, denn dieser Gedanke erfüllte mich mit ruhigem Glück und ließ mich mich in meinen Laken und in meinem Leben wohlfühlen, aber der Sinn dahinter blieb mir verwehrt, nur das Gefühl blieb und ich versuchte es über den Tag hinwegzuretten. Diese Weihnachten habe ich Unmengen an Süßigeiten (und ich mag keine Süßigkeiten) geschenkt bekommen, aber kein einziges Buch zu dem immerhin in die Richtung gehenden Lesezeichenkalender. Dafür habe ich selbst Massen an Büchern verschenkt, aber nichts Süßes, man schenkt ja immer das das man selbst mag, darum bin ich von den Süßigkeiten auch nicht verletzt, ich weiß ja, daß die Schenkenden sie selber mochten. Aber für mich gehört das zu der Zeit nach Weihnachten, mich mit einem Stapel Büchern und Marzipankartoffeln in die Laken zurückzuziehen und ihn herunter oder heruaf zu lesen. Dazu muß ich sagen, daß ich immer noch “Schnee” lese, immer noch angetan, immer noch begeistert von der Sprache und dem Stil und den Frechheiten des Autors, aber zwischendurch bereits von der tiefen Überzeugung, die Geschichte nähere sich ihrem Ende erfüllt, nach zahlreichen Verwicklungen und Zusammenhängen was die handelnden und erscheinenden Personen betrifft, die sich immer noch überbieten (also die unerwarteten Zusammenhänge, die von fern verehrte Schönheit, die der Koranschüler, den der Protagonist als Boten zu einem Terroristen kennen lernt und väterlich zu lieben beginnt, in seinem Science-Fiction-Romanentwurf (auf einem fernen Stern hat sich die Überlegenheit des Islam endlich gezeigt) zu verewigen versucht hat, stellt sich nicht nur als die Schwester der Angebeteten des Protagonisten, wegen der er überhaupt in die verschneite Grenzstadt gereist ist und die obendrein Ex-Gattin des sich kurz vor einem Wahlsieg befindlichen Bürgermeisteramtskandidaten der islamischen Partei ist, heraus, sondern außerdem, viele Seiten später als die Geliebte des Terroristen, mit dem sich der Protagonist später in einer höchst prekären Situation in einem Verließ wieder finden wird, wie uns der gemeinerweise vorgreifende Erzähler schon recht früh mitteilte.

(Absatz) Ich lese also immernoch “Schnee” und befinde mich, nach einer meiner Meinung nach bereits eines umfagreichen Romans würdigen Geschichte ungefähr mitten in der Hälfte. Nun mag ich das Buch sehr, aber es ist schon auch recht traurig. Tod kommt sehr oft vor, und es verteilt sich eine Menge Blut über die weiß eingeschneite Stadt, das der Protagonist zwar so gleich für ihm stetig wie der Schnee einfallende Gedichte vergißt, das Geschehen aus meiner Sicht aber doch überschattet.

(Absatz) Zwischendurch habe ich also kurz “Lyras Oxford” gelesen, sehr fein, auch wenn mich die Optik der zum gleichen Zyklus gehörenden Trilogie der Dunklen Materie, im Heyne Verlag grellbunt beumschlagt, etwas verunsichert hat, ist die Erzählweise und Sprache so wunderbar wie in der “Rubin-im-Rauch”-Trilogie, ebenfalls von Philip Pullman, die ich vor langer zeit und noch mal vor zwei Jahren gelesen habe und sehr gut finde. Weiterhin irritieren mich die Fantasy-Elemente bei Lyra. Mit Fantasy kann ich überhaupt nichts anfangen, mich faszieniert zu sehr, was in der wirklichen Welt bereits alles an Zauberhaftem abgeht, und das darf auch gern einen Touch magischen Realismus haben (aber nur ein bißchen, Garcia Marquez und fliegende Teppiche ist mir schon wieder zu viel, besser nur ein paar seltsam alte Leute bei denen der Verdacht aufkommt, sie lebten übernatürlich lang wie in meinem heißgeliebten, aber völlig unbekannten “Feuer und Schierling”, was aber nur nebenbei und nicht handlungstragend vorkommt), allerdings ist die Figurenzeichnung so erfreulich, daß ich bereit bin, um die jeden Menschen (Bzw. Wesen) begleitenden Seelen in Tierform zu akzeptieren, die diese Welt bevölkern und mit den zugehörigen Menschen sprechen und diskutieren. Das hat den dramaturgischen Effekt, daß man keine Ammen wie bei Romeo und Julia braucht, um die Zuschauer über die Gedanken der Protagonisten zu indormieren, man kann außerdem die Entwicklung in den Gedankengänge zeigen und deren Details mit Humor ausschmücken, viel besser als wenn sie nur in indirekter Rede oder im Stream of Consciousness gezeigt würden.

Nun, nach der Lektüre des kurzen, kleinen, rot-leinenen “Lyras Oxford” mit hinteingelegtem Stadtplan ebendieser Stadt, eingeklebten versandten Postkarten, einem Auszug aus dem fiktiven Baedeker (der jene seltsamen Seelenwesen ebenfalls kennt) und Werbung für ein fiktives Kreuzfahrtschiff, traute ich mich aber noch nicht an die zugehörige grellbunte Trilogie heran, falls sie mir gefällt, wird sie mich für einige Tage gefangen halten, und das könnte einem gemeinschaftlichen Jahreswechselbegehen empfindliche im Wege stehen. Ja, der einigermaßen noch in der realen Welt beheimatete Leser, der ab und zu einen Blick auf die an die Litfaßsäulen der Stadt geklebten Plakate wirft oder auch nur ein wenig Deutschlandradio hört oder eine mehr als flüchtige Beschäftigung mit einem beliebigen Feuilleton in letzter Zeit hinter sich hat, könnte erkannt haben, daß es sich bei der Dunkle-Materie-Trilogie um die Romanvorlage eines aktuellen Kinofilms mit Nicole Kidman handelt. Ich kenne ihn nicht und fand auch die Besprechungen höchst unsympathisch. Schon wieder Herr-der-Ringe-Epik? Nein, bei der Dunkelheit brauche ich was zum Wachmachen. Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeigen. Schon wegen der Kidman. Hollywood hat ja, während das Unken der europäischen Kulturbeflissenen auf und abschwoll, ebenso kontinuierlich große Schauspieler hervorgebracht. (Auch Jude Law ist so großartig wie unsympathisch, Scarlett Johannson kann spielen, auch wenn sie ihren Brüsten Namen gibt, Edward Norton hatte fast nur merkwürdige Filme, aber immer einen großen Auftritt, Cate Blachett kann fast alles, trotz aller religiösen Verblendung Tom Cruise

neben Größen wie Robert de Niro, Jodie Foster, Meryl Streep, aber diese Aufzählung kann nur dazu führe, jemanden auszulassen, also beginne ich gleich hier damit. Diese alle können spielen als wäre nie in Frage gestellt, daß Kunst magische Kräfte hat.)

(Absatz)Nur gibt es grad noch so furchtbar viel andere Filme, die ich noch sehen will, Persepolis, Vanessa Joops (”Komm Näher” war gigantisch) Schöne Bescherung, Mein bester Freund bei dem ich durch eine Fehlklebung des Kopierwerks bislang nur die ersten drei Teile gesehen habe (dafür kam ich dann in Dialoge mit meinem Gärtner mit demselben Schauspieler, der (Film, nicht nur der Schauspieler) mir sehr gefallen hat, als Entschuldigung des Kinos umsonst, so daß mich mein Begleiter gar nicht einladen konnte), denn ich habe erst jetzt wieder Zeit ins Kino zu gehen nach den Zeitengpässen des Semesters.

(Absatz) Ansonsten kam in mein beschauliches Marzipan-Schlafanzug-Laken/Korbsessel-Buchseiten (deren Pervertierung und genaues Gegenteil die Druckseitenwüste war, aus der ich erst letzten Freitag entflohen bin) – Paradies der Postbote und klingelte mit alles hat seine Zeit des norwegischen Karl Ove Knausga°rd, einem Roman der sich neben dem Alten Testament ausstreckt, behaglich und bescheiden, wortgewandt und würdig, voller Phantasie und Faszination für die alte und überhaupt die Sprache, die alten und überhaupt Texte, Wunder und überhaupt die Welt.

(Absatz) Das ist schön hier. Ich mache aber auch zwei CDs für J gerade. Sie ist 18, hat dieselben Leistungskurse wie ich sie damals hatte. Ich habe sie im Sommer in Frankreich kennengelernt, und seitdem treffen wir uns regelemäßig, nie seltener als einmal in der Woche, meistens öfter. Sie ist klein und schmal und zierlich, sie liest gerade Judith Hermann, nachdem wir zusammen in Nichts als Gespenster waren, sie ist sehr still und überrascht darum umso mehr mit einer detaillierten, warmen, radikalen Herzlichkeit. Und ich mäste sie leidenschaftlich gerne.

(Absatz) Wo ich jetzt dabei bin, die wichtigen neuen Konstanten in meinem Leben nach dem Sommer zu schilden, muß ich A erwähnen. Ich habe das bisher kaum getan, auch wenn seinetwegen mein Leben in letzter Zeit sich als das dem Blog seinen Namen gebende Echtzeitmärchen gebärdet hat.

(Absatz) Nach einem gemeinsamen Taizégebet Ende August traf ich mit Ri und Ba auf der Suche nach einem Kinofilm vor dem Gloria am Stachus einen jungen Schweden, der für einen Tag nach München gekommen war, um ein Zimmer ab Anfang September zu mieten und auf der Suche nach einem originalsprachigen Kino war und uns ansprach, weil er die Taizéanhänger von Ba und Ri erkannte. Wir gingen also ins Kino, in Hairspray, worüber ich damals, glaube ich, auch gebloggt habe, einem Screw-Ball-Musical mit politischer Korrektheit in Bezug auf Rassismus und auf Gender, sieht man einmal davon ab, daß eine Frauenrolle mit John Travolta brillant besetzt war. Danach aßen wir noch ein großes Eis und unterhielten uns obwohl es schon Nacht war und blieb. Wir fanden ihn alle drei toll, und erschwerend kam hinzu, daß Be, die vierte im Bunde unseres gemeinsamen Zelturlaubs, ein Jahr in Schweden gelebt hat und von allem Schwedischen begeistert ist (oft anzutreffen bei einjährigen Aufenthalten in der Jugendzeit, ich denke, jeder kennt so jemanden). Er gab uns allen kleine bläuliche Visitenkarten, die anderen beiden auch Emailadressen, alle Arten von Nummer und ich ihm nur meine Festnetznummer.

(Absatz) Und bald darauf machte ich ein Curry (Curries haben eine lange Geschichte in meinem Leben, sagen wir seit 2002, und bekommen einen eigenen Eintrag) und lud ihn per Telefon dazu ein. Obwohl er vorher nicht mehr als eine Erinnerung an eine Episode war (wie sie auch M ist, der mir im August, kurz bevor ich nach Frankreich fuhr, illegal und sehr günstig, obwohl Apple-Angestellter, mein Macbook reparierte und einige Stunden bei mir blieb und nachher noch mit mir spazieren ging, aber da ich mich nicht traute, ihn noch einmal anzurufen, weil er einen für mich nicht einzuordnenden Ring trug), brachte seine Stimme mich sofort in einen Zustand den man mit Eis essen gut umschreiben kann, wozu man wissen muß, daß es von meiner Süßigkeitenabneigung die Dreierausnahme Negerküsse, Schokoladensoufflé und Eis gibt.

(Absatz) Leider war er gerade nicht in München, und dieses Telefonat ist nicht weiter erwähnenswert für irgend etwas außer daß mich die Erinnerung daran, wie sehr ich von einer einzelnen Stimme umgehauen werden konnte, im Nachhinein immer noch überrascht. Wir aßen also ohne ihn, und an diesem Abend begann tatsächlich meine Beziehung zu Ba zu bröckeln, die an diesem Abend sehr aggressiv war und immer wieder die Sprache darauf brachte, wir würden uns wegen “dem Schweden” zerstreiten.

(Absatz) Als dieser endlich fest nach München gezogen war, war sie es, die sich hauptsächlich mit ihm traf. Wir anderen drei waren immer unterwegs wenn sie Treffen mit ihm ausmachte, meistens nicht einmal in München. Schließlich weihte sie uns ein, er habe ihr seine Freundin vorgestellt und wir bräuchten ihn also nicht mehr zu treffen. Daß traf mich damals kaum, weil ich ihn seit jenem Kinoabend im Spätaugust nicht mehr gesehen hatte und er in meinem Leben nicht vorkam, und ich verstand nicht, warum wir ihn nicht mehr zu treffen bräuchten, weil Sympathie ja nicht davon abhängen muß ob jemand als Partner in Frage kommt, nicht einmal abhängen sollte, finde ich ernsthaft. Nun, aber das gehört zu meinen Konflikten mit Ba. Sie hatte daraufhin Geburtstag, und bei dieser Feier sah ich A das erste mal wieder. Ich nahm mir zu Herzen daß er eine Freundin hatte und sprach kaum mehr mit ihm als mit anderen die ich an diesem Abend das zweite mal sah, landete aber schließlich doch auf einem Sofa mit ihm und wurde sogar noch von ihm bis an meinen heimatlichen Ubahnhof gebracht, von dem aus er ein Taxi nahm. Im Auto eines Bekannten dorthin sprachen wir über das Besondere mancher Sommerabende und er fragte mich,  ob ich mich daran genauso erinnert habe. Es war ein komischer Abend, da an ihm offensichtlich wurde, daß meine Freundschaft zu Ba zerbrochen war, und Ba war die, mit der ich aus verschiedenen Gründen in Frankreich die meiste Zeit verbracht hatte.

(Abend)

Grad habe ich noch einmal nachgeguckt, wann das war, und es hat mich überrascht, festzustellen, daß das am 8. Oktober war, so kurz also vor dem 13., einem Samstag an dem am Nachmittag mein Telefon klingelte und mich A fragte, ob ich mit ihm einen Kaffee trinken wollte, weil er gerade in der Stadt sei um einzukaufen (trotz aller Unkenrufe Ris die findet, ich wohne zu weit östlich, wohne ich recht nahe der Innenstadt). Wir gingen also Teetrinken am Viktualienmarkt und sprachen über alles was uns wichtig war. Über Bücher und Menschen und Sprache und Reisen und Länder und Heimat und Freundschaften und über Musik, Musik, Musik. Mich kann man hier in München schon damit überraschen, Belle and Sebastian zu kennen, das kennen selbst Leute, die in Bands spielen oft nicht, wie auch Bob Dylan in einem großen Freundeskreis in dem ich mich bewege völlig unbekannt ist (ich glaube, er läuft nicht auf Bayern 3), jedenfalls kannte er sie und meinte, wenn ich die möge, dann müsse er mir We’re From Barcelona empfehlen, eine Band, die den ganzen Stolz einer schwedischen Kleinstadt ausmache. Und das ist eine Band, die ich seit etwa einem Jahr sehr mag, und nie versucht hätte, jemanden danach zu fragen, ob er sie kenne. Naiv hatte ich sie aber als genuin katalanische Band angesehen. Irgendwie entpuppt sich gerade sehr viele Musik als schwedisch, von der ich mich nie gefragt habe, wo sie her kommt, auch Kristofer A°ström, Pelle Carlberg, Mando Diao, Moneybrother. Die hier verlinkten Billie The Vision And The Dancers waren dagegen schon meine Lieblingsband als ich A erst traf, und bei ihnen war mir ihr Urspung sogar schon bewußt, so daß ic hihn darauf anspruch, als ich ihn das erste mal sah.

(Absatz) Er zahlte ganz klassisch für uns beide, und ebenso klassisch verabredeten wir uns für ein Konzert in der nächsten Woche und dafür, noch einmal vorher zu telefonieren. Ich glaube, es war das klassischste Date, das mir je untergekommen ist.

(Absatz) Ich bin gerade wirklich überrascht, daß das so bald nach unserem ersten Wiedersehen war. Jedenfalls ging alles weiter seinen Gang. Musik war für mich lange eine vertonte Form von Lyrik. Ich konnte fast alle Texte zu der Musik die ich hörte, weil ich auf diese am meisten achtete, wenn ich Musik hörte. Eigentlich hörte ich nicht viel Musik, denn die Texte konnte ich ohnehin meistens auswendig und mir im Kopf rezitieren, das habe ich tatsächlich oft getan. Ansonsten gab es bestimmte Musik, die ich als Hintergrund hörte, um zu schreiben, damals schon in diesem Sessel, in dem ich auch jetzt sitze, das war Romeo und Julia und das Klavierkonzert von Tschaikowsky und God Shuffled His Feet von den Crash Test Dummies und eine irische Platte meiner Eltern deren Namen ich nicht mehr weiß.

(Absatz) Wirklich Zeit mit Musik verbringe ich erst seit dem Frühjahr 2005, auch wenn die erste Platte, bei der ich nicht auf den Text hörte und sie trotzdem liebte, Chutes Too Narrow von den Shins war (zu denen ebenfalls ein Link dieser Seite leitet), die ich im Sommer 2004 das erste Mal aus den dicken Kopfhörern eines Leipziger Plattenladens hörte. Damals war ich gerade erst kurz aus Israel zurück, reiste nach Barcelona, las oben erwähnte Rubin-im Rauch-Trilogie, und stolperte darüber, daß ich all die roten Kleidungsstücke die ich mir in der das Leben infrage stellenden Atmosphäre in Jerusalem gekauft hatte und die meinen zuvor undurchbrechlich (abgesehen von einer halbherzigen Schwarzphase im Jahr 1997) konsequenten Dunkelblau-Weiß-Kombinationen das erste Mal etwas Neues hinzufügten, nicht mehr miteinander kombinieren konnte. Ich glaube mich erinnern zu können daß das der Beginn des Einzugs von Orange in meinen Kleiderschrank war.

„Wie war Ihr Sommer?” 13. September 2007

Posted by echtzeitmaerchen in gedacht, gefragt, gelebt, gelesen, gereist, gesehen.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
1 comment so far

fragt die ZEIT im Magazin der letzten Woche, das ich erst am Mittwoch/gestern gelesen habe. Franka Potente antwortet, wie sie einen französischen Film im kalten La Paz und einen mit Steven Soderbergh im warmen Spanien gedreht hat.
Feridun Zaimoglu ist immer noch Junggeselle, niemand hatte Urlaub oder hat davon geschrieben, Zaimoglu und Potente waren die einzigen auf Reisen, und die haben gearbeitet. Nein, da war noch ein Berliner Regisseur und Musiker, den ich aber nur überflogen habe, weil seine Sprache so unlesbar war.
Daß man nach dem Sommer fragen kann, heißt wohl, daß er vorbei ist. Kein Streß also mehr mit Reisen ans Meer die man erledigen sollte.

Wie war mein Sommer? Ich war nicht am Meer. Am Meer war ich im April. Ich war nicht schwimmen. Es war nicht schlimm. Ein Jahr ohne im Meer zu schwimmen ist für mich kein verlorenes Jahr. Ein Jahr ohne ein Buch ist für mich ein verlorenes Jahr, ein Jahr ohne Kino und Theater und ohne eine neue CD. (Ich glaube, halbind hat da eine ähnliche Liste.) Ein Jahr ohne im Biergarten gewesen zu sein ist für mich kein verlorenes Jahr, aber ein Jahr ohne überhaupt ein Bier mit Freunden getrunken zu haben schon, auch ein Jahr ohne im Freien geschwommen zu sein, vielleicht soagra ein Jahr ohne Isar. Und ein Jahr ohne einen Text zu schreiben. Ehrlich gesagt sogar ein Jahr ohne Backgammon. Und natürlich ein Jahr ohne Sommer.

Also, wie war mein Sommer?
Nach Sortieren meiner Papierstapel (das immer noch nicht vollendet aber dafür definitiv unterbrochen und verschoben ist) und einer Menge Arbeit im Büro fuhr ich nach Baden wo eine Patentante lebt, die ich seit sieben Jahren (seit der Sonnenfinsternis) nicht gesehen hatte.
In ihrem Haus hat sich nicht viel verändert, das hat mich überrscht. Die Sofagarnitur ist durch eine ähnliche ersetzt worden, und über dem Sessel in der Ecke hängt ein anderes Bild, das ist alles.

Das ist so verschieden von meinem Leben, wo sich in einem Jahr drei Zimmer ändern können, wo sich in drei Jahren mein Zimmer immer mehr verästelt (Großigkeiten wie mein Bett, Regale, Schreibtisch, Sessel, Standorte ändern sich kaum oder minimal, aber alle anderen Kleinigkeiten darum herum.

Um etwas Veränderung in ihrem Leben zu haben hat sie einen Laden in Baden-Baden aufgemacht, sie nennt es 1b-Lage, das heißt über eine Straße von der 1a-Lage, die mich erschreckt hat.

Ich habe einen Tag mit bei ihr im Geschäft geholfen. So etwas wie Pausen waren die Zeiten in denen gerade keine Kunden da waren, aber auch dann, war man immer beschäftig: Ware auspacken, auspreisen, sichern, hängen. Es war ein sehr anstrengender Tag, obwohl weder harte körperliche noch in irgend einer Weise geistige Arbeit und hat meine Ansichten über den großen Bereich des Dienstleistungssektors verändert. und mir noch weniger Lust auf das Einkaufen von Klamotten gemacht. Am Abend konnte ich keine mehr sehen. Aber ich habe jetzt großen Respekt vor Verkäuferinnen.

Dann war ich in Taizé, aber darüber muß ich noch einmal gesondert schreiben.

Dann gab es eine lange Woche mit Besuch aus Berlin und Leipzig, darüber muß ich aber auch noch mal gesondert schreiben, und die ganze Stipendienbewerbung.

Ansonsten das Leben seit BeBaRi wieder da sind: ein bißchen wie im fiktiven Mädcheninternat_:
Sie kamen Samstag wieder in Deutschland an. Da saß ich noch im Büro kürzte mein Anschreiben auf eine Seite, bloggte im Pausentakt und gruselte mich vor den im dunklen Gang vorbei tappenden Schritten.

Am Samstag warf ich die Bewerbung ein, und am Abend war ich bei Be und Ri zum Essen, es gab Fotos, Geschirr, ein Geburtstagsliedundgeschenk, und ich habe da übernachtet. Sonntag bin ich in der Frühe aufgebrochen zu der Tagung der Stiftung für die ich arbeite, von dort aus zum Dom zum Taizégebet, dann gemeinsam in den Irish Pub, dann ins Kino (in Hairspray. Braucht gesonderten Eintrag), dabei einen Schweden kennengelernt (auch gesonderten Eintrag, überhaupt zu Schweden das diesen Sommer an allen Ecken und Enden unvermittelt auftauchte, habe gestern Schloß Gripsholm ausgelesen), Eis essen gewesen in der Nacht, bei Ba übernachtet, Montag den Bautrockner reingelassen der mich mit der Information überraschte, mein Haus sei aus den 30ern (mich schockt die Tatsache, daß man da auch schon so häßlich gebaut hat obwohl es da noch keinen unübersehbaren Grund zur Selbstbestrafung gab), und so ging es weiter. Ich habe mehr Zeit bei Be und Ba verbracht als Zuhause, war ständig in der Bib (gemeinsames Lernen/Schreiben), im Kino (neben Haispray die Herbstzeitlosen, Emmas Glück und und Schwarze Schafe. Ich hoffe, ich komme dazu, diese ganzen gesonderten Einträge zu verfassen) und also ist mein Leben ein bißchen wie bei Hanni und Nanni zur Zeit, schön, ereignisreich, wenig bedenkenswert und wenig nachdenkenfördernd.

Ach so, außer daß ich die letzten Tage auf der Dokumenta war (genau, gesonderter …).

Ich weiß nicht, kan man das Sommer nennen? Es waren Ferien.

Der letzte Satz von Schloß Gripsholm ist „hinter uns lag Schweden. Schweden und ein Sommer.“
Das kann ich nun nicht behaupten. Aber etwas Schwedisches hatte mein Sommer allemal. Und wenn es nur das Bullerbüklischee ist.

Irgendwie 26. Juli 2007

Posted by echtzeitmaerchen in Tagebuch, gedacht, gelebt, gelesen, gesehen, im Kino.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
1 comment so far

komme ich schon sehr lange nicht zum bloggen. Nicht, daß ich so viel zu tun hätte oder daß ich nichts ins Internet käme. Nichts, daß nichts Berichtenswerte passierte.
Im Gegenteil, ich sitze viel hier im Büro, mit dem Blick in den baumbestandenen Innenhof voller gelbweißen Lichts, in einem ruhigen Institut, zwischen verschiedenen Word- und Pages- Dokumenten hin- und herklickend, und zu Hause schiebe ich mit der gleichem Ruhe aber anderem Lichteinfall all meine Mitschriften in immer wieder neue Stapel und hefte sie sortiert in Ordner, lese dabei Artikel und Aufsätze und wundere mich, wie viel mehr das alles ist als ich gedacht habe.

Zwischendurch ist Sommer. Die Isar ist sehr sauber und hat einen starken Strom, an einer Brücke reinzuspringen und sich bis zur nächsten treiben zu lassen ist wie den Nil auf einem Schiff runterzufahren, und links und rechts treibt alles an einem vorbei, oder auf einem Fließband am Flughafen zu stehen. Über der Wasseroberfläche liegt ein dicker Teppich von Mücken und Insekten und macht das ganze fast schon ländlich.
Ich koche zwei Mal am Tag, manchmal nur Beeren um sie mit Eis zu essen, meistens aber immer kompliziertere Sachen, weil es langweilig ist, etwas zweimal zu machen, und verändere immer etwas ein wenig.
Ich habe noch nie so regelmäßig gegessen wie zur Zeit.

Im Freiluftkino kam vor zwei Wochen „Der letzte König von Schottland“, ich fand den Film sehr gut, wenn ich auch zweimal nicht mehr hinschauen konnte. Eine Freundin meinte neulich am Telefon, sie fand das Ende schlecht, weil es so hollywoodartig ist, das war mir gar nicht aufgefallen. Ich fand ihn gut, weil er die Einstellung vieler Europäer zu Afrika auch heute noch recht gut trifft:

Irgendwie ist das alles nicht echt, daß die Menschen in Afrika sterben, irgendwie ist das alles ein Spiel. Und wir könnten den Afrikanern helfen, wenn die nur wollten. Ohne Ausbildung würde sich in Deutschland niemand für fähig halten, die Bundeskanzlerin zu beraten, aber in einem afrikanischen Staat wäre es verantwortungslos, wenn wir die Bitte um Beratungshilfe ablehnen würden – eine Ausbildung in Medizin muß da reichen, um einen Staat zu lenken.

Und natürlich ist es ein Film über Macht so wie ich sie kennengelernt habe: Derjenige, der sie hat, ist immer davon überzeugt, daß niemand sein Amt so gut ausfüllen kann wie er selber, und tut alles, um sich an der Macht zu erhalten, auch wenn das die Vernachlässigung oder Veruntreuung seines Amtes bedeutet.

Irgendwie: und dann sind da noch meine Gespräche mit Professoren, die Zeit haben, weil Sommer sind, und bei denen ich mich wohl fühle wie auf dem Leseteppich meiner Kindheit, und es sind Feste und Feiern, betrunkene Menschen und Freunde und ich gehe durch die Welt und setze einfach durch was ich will, ohne Umwege zur Zeit, ohne meinen Willen zu relativieren. Macht?
Es ist Sommer. Alles scheint nicht so ernst.

Und es geht mir gut. Ich werde heute noch eine sms schreiben von einer Telefonzelle aus bevor jemand in die Wüste fährt. Und es gibt ein neues Album von Billie The Vision (siehe links), ich habe es noch nicht gehört.

Uninteressantes 24. April 2007

Posted by echtzeitmaerchen in gelebt.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Ohne Internet zu Hause schreibe ich tatsächlich weniger. Zudem ist auch mein Handyvertrag zum 1. April abgelaufen, und ich habe noch immer kein Festnetz. Es ist keine Katastrophe, anders als ich erwartet hatte. Aber ein paar Leute fehlen mir am Telefon, für die Gespräche an Telefonzellen nicht ausreichen. Berlin und Leipzig sind einfach zu weit weg.
In München ist inzwischen Hochsommer, so daß ein regnerischer Tag wie heute wunderschön ist. Gestern abend kündigte er sich an durch Regenklopfen an die Fensterscheibe, während das Licht warm und gelb in mein Zimmer prallte und ich Kartoffeln mit Quark aß und einen Tatort (Castorff, ein Glücksgefühl) ansah.
Ich habe für diese Woche nämlich genau noch 9, 94 Euro, erst dachte ich, das reicht nicht zum Essen, aber solange ich Quark und Schmand im Kühlschrank habe, und sogar noch tiefgefrorenes Basilikum, Mandeln und Parmesan, um ein Pesto zu machen, brauche ich gar nichts. Brot und Milch habe ich leider nicht, da ich von Donnerstag bis Freitag verreist war, aber ich habe Zwieback und Butter und Eis das Y bei mir im Kühlschrank deponiert hat und Apfelsaft … ich werde es also bis Ende dieser Woche schaffen.

Ich genieße es wahnsinnig, einen eigenen Kühlschrank zu haben, und daß die Sachen, die ich eingekauft habe, noch da sind, wenn ich sie essen will. Es macht mir Spaß, daß alles in Ordnung zu halten. Heute habe ich die Bäder geputzt, obwohl ich um halb drei ein Referat hatte. Das habe ich heute um halb 12 nach den Vorlesungen angefangen vorzubereiten. Beim Halten war ich sehr aufgeregt, aber es kam trotzdem sehr gut an und ich hatte viel mehr Rückmeldungen darauf als ich es je zu einem souveränen Referat hatte. Gerade sortiere ich Aufsätze nach Themen: Amt, Sakrament, Kirche, Einheit, das alles geht so ineinander über, daß ich mit meiner vor einem Monat angefertigten handschriftlichen Version, die ich jetzt in digitale Tabellen fasse, gar nicht mehr einverstanden bin und immer neu nachgrüble.
Dabei habe ich ja eigentlich morgen noch ein Referat. Dumm gelaufen, in beiden Hauptseminaren das Referat in der ersten Woche, und das auch noch nach einem Wochenende das ich geleitet habe.

Dafür ist es Frühling. Und es war wunderschön, meinen Vater am Donnerstag zu sehen. Wunder -, wunder -, wunderschön. Ich zehre immer noch davon. Es geht ihm besser als in all den Jahren zuvor.

Y hat den Namen meines Blogs erraten. Ich hatte ihm nur gesagt, daß er mit „E“ anfängt, und er ist selbst darauf gekommen.

Es ist verdammt toll, kein Internet zu Hause zu haben. Ich löse Sudokus … :-)

Bevor 16. März 2007

Posted by echtzeitmaerchen in München, Tagebuch, gereist.
Tags: , , , , , , , , , ,
add a comment

dieser Blog so verwaist erscheint schreibe ich kurz: Ich komme am Dienstag wieder. Ich fahre mal wieder in die Berge, an einen kleinen Wasserfall. Es ist wunderschöne Sonne in München. Ich muß noch packen. Es gibt noch ein anderes gutes Zitroneneis in München außer das am Weißenburger Platz. Es ist viel passiert aber nichts für ein Blog. Würde ich einen Film drüber machen, würde ich mit vielen Schnitten und lauter Standbildern arbeiten. Sonne, Eis, Weißwürste, Milchkaffee, Fahrradfahren.
Ach so, ich habe ein Zimmer in dem ich mich sofort wohlgefühlt habe ab August. Allerdings werde ich mich dort ganz anders wohlfühlen als hier. Sieht so aus als wollte ich eine andere Seite an mir betonen. Weniger städtisch und mondän, vielleicht ein wenig altmodisch, aber auf jeden Fall sehr viel Sonne.

ach so, und meine Wimpern sind seit dem Ölofenvorfall wieder inzwischen etwas nachgewachsen.

Da 30. September 2006

Posted by echtzeitmaerchen in München, gedacht, gereist.
Tags: , , , , , , , , , , ,
add a comment

wieder in München. Es ist nicht fremd. Es ist, als ob der Ortswechsel keine Bedeutung mehr für mich hätte. Sicher, mein Zimmer ist kleiner und ich habe nichts zu essen da und muß einkaufen, was ich gleich tun werde. Und ich muß auspacken, zum Waschen reicht die Zeit nicht mehr bevor ich morgen abend wegfahre. Aber ich habe noch genug Sauberes aus Berlin mitgebracht. Inklusive meiner Lieblingsjeans, für die es jetzt endlich nicht mehr zu warm ist.
In dem Haus wo vorher der Laden war wo ich meine bunte Decke im Räumungsverkauf gekauft habe, ist jetzt ein Schönheitssalon. Maniküre 9 Euro. Das habe ich noch nie gemacht. Vielleicht sollte ich es mal machen? Meine Finger sehen ja immer schrecklich aus. Aber ob das dann was hilft? Vielleicht mach ich das, wenn ich mal reich bin, aber dann wohne ich vermutlich nicht mehr hier. Habe mir vorhin im Stadtplan die Gegend angesehen, wo ich vermutlich in den nächsten Monaten hinziehe: Rotkreuzplatz. Fiese Autostraßen und dazwischen Winzstraßen. Und weit weg von der Isar. Aber es gibt gutes Eis am Rotkreutzplatz. Und einen Nachtbus (gibt es hier nicht), der sogar direkt zum Klinikum Großhadern fährt, wo I wohnt, wegen der ich seit vorgestern so traurig bin.
In so einem kleinen Zimmer muß man sofort aufräumen, Rucksack in die Ecke stellen und Post auf den Boden werfen geht nicht.
Dafür habe ich jetzt ganz tolle Socken, die ich alle zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich liebe neue Socken anziehen.
Ich genieße mein belangloses Leben.